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Angebot des Bildungswerks Rosenheim

„Seminar auf dem Postweg“: Wie eine Kolbermoorerin zum Schreiben von Briefen animieren will

Schreibt selbst gerne Briefe per Hand und will mit ihren Seminaren auch andere Menschen dafür begeistern: Ursula Hendrich aus Kolbermoor.
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Schreibt selbst gerne Briefe per Hand und will mit ihren Seminaren auch andere Menschen dafür begeistern: Ursula Hendrich aus Kolbermoor.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Rosenheim – Weg von der Tastatur, hin zum Füller: Ursula Hendrich aus Kolbermoor schreibt gerne Briefe. So gerne, dass sie die Leidenschaft in verschiedenen „Seminaren auf dem Postweg“ umgesetzt hat. Ein Gespräch mit der Seminarleiterin über Handschriften, überraschende Wendungen und „Mail Art“.

Woher kam die Idee, ein „Seminar auf dem Postweg“ abzuhalten?

Ursula Hendrich: Die Idee für das „Seminar auf dem Postweg“ entstand im Lockdown, als es für mich als Referentin nicht mehr möglich war, Präsenzseminare zu halten. Ich wollte Seminare geben, bloß wie? Da kam die Idee, den Postweg zu nutzen, quasi „um die Ecke“.

Wie kann ich mir das Seminar als Außenstehender vorstellen und wie wird es angenommen?

Hendrich: Also wenn Sie speziell das Seminar „Biografische Briefe“ meinen, dann kann ich Ihnen dazu sagen, dass es eine neue Form der Biografiearbeit ist, die ich entwickelt habe. Am Anfang steht ein Brief, indem erklärt wird, wie das Seminar abläuft. Die Seminarteilnehmer können einen Fokus setzen. Entweder nehmen sie ihre Vergangenheit, die Gegenwart oder die Zukunft in den Blick. Im Briefseminar entscheidet man sich bewusst für einen Zeitabschnitt. Die Frage danach wie es angenommen wird, kann ich von dem vergangenen Seminar „Vom Glück Brief zu schreiben“ beantworten. Es war nach 14 Tagen, in denen es das Katholische Bildungswerk Rosenheim online gestellt hatte, komplett ausgebucht. Die Teilnehmer kamen aus den verschiedensten Teilen Deutschlands. Wie die „Biografischen Briefe“ angenommen werden, kann ich noch nicht sagen. Es gibt momentan noch drei Plätze für den Kurs.

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Wie aufwendig ist es für Sie, jedem Teilnehmer einen Brief zu schreiben und wie viele Briefe werden so pro Seminar hin- und hergeschickt?

Hendrich: Das kommt auf das Seminarformat an und wie viele Seiten ich schreibe. Ob man im Austausch steht oder ob es Mail-Art ist, wo man schreibt, zeichnet, malt, druckt und stempelt, bis schließlich ein kleines Kunstwerk entsteht. Im Durchschnitt werden fast immer elf Briefe hin- und hergeschickt. Sechs kommen von mir und fünf schreiben die Teilnehmer.

Was machen Sie mit den Briefen, die Sie von den Teilnehmern erhalten?

Hendrich: Diese Frage muss ich differenziert beantworten. Bei den „Biografischen Briefen“ erhalten die Teilnehmer alle Briefe am Ende des Briefseminars. Sie können sie immer wieder selbst lesen, denn bei der Biografiearbeit geht es um das Entdecken eigener Ressourcen. „Vom Glück, Briefe zu schreiben“ hatte von Anfang an einen anderen Fokus. Da stehen Bücher mit gesammelten Briefen von Shaun Usher im Mittelpunkt, beispielsweise zum Thema Liebe, Mütter und Musik. Die Teilnehmer erhalten am Anfang des Kurses ein Buch. In diesem Buch versammelte Shaun Usher berührende Briefe von bekannten und unbekannten Menschen. Die Seminarteilnehmer suchen sich einen Brief aus diesem Buch aus und schreiben mir, warum dieser Brief sie so sehr „elektrisiert“ hat. Darüber kommen wir in einen Dialog.

In dem Seminar, das heuer im katholischen Bildungswerk angeboten wird, geht es um biografische Briefe. Geben Sie in diesem Zusammenhang viele persönliche Dinge von sich preis?

Hendrich: Diese Briefe sind absolut vertraulich und darauf lege ich großen Wert. Es gilt das Brief- beziehungsweise das Postgeheimnis. Die Teilnehmer beantworten alle Fragen freiwillig und wenn sie eine Frage nicht beantworten möchten, dann ist das in Ordnung. Es gilt eine absolute Wertschätzung jeder persönlichen Geschichte, jedem Brief gegenüber.

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Briefe schreiben ist in der heutigen Zeit immer seltener geworden. Woran liegt das?

Hendrich: Ich nehme an, es liegt an der immer schneller werdenden Kommunikation. Emails, WhatsApp und Co. sind schnellere Kommunikationsmittel. Um einen handschriftlichen Brief zu schreiben, braucht man vor allem Zeit, denn es ist ein langsamer und bewusster Prozess. Dann kommt der Postweg dazu. Ein Brief benötigt manchmal drei Tage um von A nach B zu kommen.

Warum ist es Ihrer Meinung nach wichtig, Briefe zu schreiben?

Hendrich:Handschriften sind einmalig, wie ein Daumenabdruck. Wenn ich Briefe lese, dann wird ganz viel lebendig, es entstehen innere Bilder. E-Mails werden selten ausgedruckt und aufgehoben. Jedenfalls habe ich diese Erfahrung gemacht. Ich schreibe auch privat sehr viel und da am liebsten Briefe, in denen ich auch zeichne, schreibe und collagiere. Postkarten mache ich oft selbst und würde sie mehr als „Mail Art“ bezeichnen.

Was macht einen „guten Brief“ aus? Wie viel Wert legen Sie beispielsweise auf gutes Briefpapier?

Hendrich:Das ist eine interessante Frage und die wird wahrscheinlich sehr unterschiedlich beantwortet werden. Was einen „guten“ Brief ausmacht, entscheidet meistens der Empfänger. Schönes Briefpapier ist natürlich toll. Ich benutze gern farbiges Papier. Aber ehrlich gesagt kommt es mir mehr auf den Text an.

An welchen Teilnehmerkreis richtet sich das Seminar „Biografische Briefe“?

Hendrich: Dieses Seminar richtet sich an Menschen, die wirklich gern schreiben. Die einen Teil ihres Lebens für sich oder für Menschen, die ihnen am Herzen liegen, reflektieren wollen. An dieser Stelle möchte ich Hubert Klingenberger zitieren: „Biografiearbeit schafft Zeiträume, in denen Menschen sich mit biografischen Erfahrungen beschäftigen können.“

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Sie bieten auch andere „Seminare auf dem Postweg“ an.

Hendrich:Es gibt Seminare mit unterschiedlichen Themen. Bei den Briefseminaren gibt es ein Seminar, das sich direkt auf „Letters of Note – Briefe, die die Welt bedeuten“ von Shaun Usher bezieht. Beispielsweise bewirbt sich in einem Brief ein britischer Professor aus Sussex bei Albus Dumbledore, um an der Schule in Hogwarts unterrichten zu können. J.K. Rowling antwortet im Namen von A. Dumbledore. Dieser Brief ist überaus witzig und vielleicht hat die eine oder andere Person selbst schon mal darüber nachgedacht, an der Schule in Hogwarts zu sein. Dieses Buch liefert sozusagen die Inspirationen für das Briefseminar. Die „Briefgeschichte“ ist ein individuelles Seminar auf Bestellung. Die Person, die den Auftrag gibt, bestimmt die Protagonisten. So entsteht brieflich ein Austausch mit oft überraschenden Wendungen – eben eine Briefgeschichte.

Ein anderes „Seminar auf dem Postweg“ kommt im Paket. Bis jetzt gibt es zwei Versionen. Über das „Freundinnen-Überraschungsseminarpaket“ erzähle ich hier etwas mehr. Dieses Seminar besteht aus zwei Paketen. Jede Freundin erhält am Anfang eins. Darin sind Mit-Mach-Briefe und Material für drei Tage. Es ist dafür gedacht, es mit der besten Freundin „durchzuspielen“. Damit werden gemeinsame Erinnerungen erforscht, verrückte gemeinsame Erlebnisse beleuchtet und angestiftet sowie Überraschungen für die beste Freundin gestaltet.

Gibt es einen Wunsch, einen Traum von Ihnen betreffend der „Seminare auf dem Postweg“?

Hendrich:Es gibt tatsächlich einen Wunschtraum. Ich würde gern eine „Brief- und Kreativwerkstatt“ gründen. Denn man glaubt es kaum, es gibt noch mehr Menschen, die gern handschriftlich schreiben, die interessante Dinge mitteilen wollen und können, die sich gern austauschen, die sich mit Literatur beschäftigen, die künstlerische Begabungen haben. Die Aufzählungen ließen sich verlängern. Es ist ein Traum von mir, mit Menschen zusammen zu arbeiten, die gerne schreiben und kreativ tätig sein wollen.

Infos und Anmeldung

Das Seminar „Die biografischen Briefe“ des Bildungswerks Rosenheim und Ursula Hendrich beginnt am Dienstag, 19. Oktober, und findet über einen Briefaustausch statt. Die Kosten für das Seminar betragen 45 Euro. Anmeldungen sind von Montag bis Freitag zwischen 10 und 12 Uhr unter Telefon 08031/23072-10 möglich. Weitere Infos unter www.bildungswerk-rosenheim.de.

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