Selbstüberschätzung bringt Haftstrafe

- Rosenheim - Eigentlich ist der 41-jährige Schwabe gelernter Kaufmann. Dann hatte der Angeklagte diesen Berufszweig aber verlassen und des besseren Einkommens wegen verlegte er für ein Rosenheimer Unternehmen Natursteine. Er stellte für sich dabei fest, dass dies ein lukratives Unternehmen sein könnte.

Als ihm der Eigentümer dieser GmbH das Geschäft 2004 für einen Euro anbot, griff er zu.Damit hatte er bereits zwei Fehler begangen. Aus seiner kaufmännischen Ausbildung hätte er wissen müssen, dass eine GmbH im Normalfalle nicht unter 25000 Euro zu haben ist, so hoch ist nämlich das nötige Einlagevermögen. Nicht erkannt hat der Schwabe zudem den Pferdefuß bei diesem Über-lassungsvertrag. Er musste für überhöhte Fixkosten beim Voreigner gerade stehen. Weil er mit mehreren Betrugs-Vorstrafen auch nicht der ideale Geschäftsführer war, schob er dazu seine 66-jährige Mutter vor. Die Anklage gegen diese wurde eingestellt. Zu deutlich war, dass der Angeklagte deren Gutmütigkeit und Unkenntnis ausgenutzt hatte.

Als das Geschäft den Bach hinunter ging, hat sich der Schwabe nicht mehr darum gekümmert, Post nicht aufgemacht und zudem noch Bestellungen für den Vorbesitzer im eigenen Namen getätigt - als er längst hätte Insolvenz anmelden müssen.

Keine ordentlichen Bücher, keine Bilanzen, betrügerischer Bankrott - und zu allem Überfluss fing er dann noch an, im Internet gutgläubige Käufer zu betrügen. Er bot Waren an, die er nicht hatte.

Der Vorsitzende Richter Heinrich Loeber bot dem gebürtigen Aalener an, eine Strafmaß Obergrenze zu benennen, für den Fall, dass sich der Angeklagte in allen Punkten geständig zeige. Das würde dem Gericht mühselige Aufklärungsarbeit ersparen. Nach Rücksprache mit seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Hans Sachse, legte der gescheiterte Unternehmer ein umfassendes Geständnis ab.

Dies honorierte auch die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Was aber erheblich gegen ihn spräche, sei die Tatsache dass er nicht nur fünfmal bereits einschlägig vorbestraft war, sondern sich zur Tatzeit in offener Bewährung befand. Erst 2006 war er wegen Betrugs zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung verur-teilt worden. Somit beantragte sie eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten.

Der Verteidiger erinnerte daran, dass sein Mandant über seine Blauäugigkeit und fehlende Geschäftstüchtigkeit gestolpert sei und niemanden habe schaden wollen. Die Betrugsvergehen bei Ebay seien aus der Not geboren gewesen, da der dreifache Vater seine Familie über Wasser habe halten wollen. Das Gericht erkannte das Geständnis und die Tatsache, dass einige Fehler des Angeklagten aus einer Überforderung herrührten, an. Dennoch wogen die Vorstrafen schwer. Zwei Jahre Gefängnis werden, so hofft das Gericht, den Betrüger lehren, sein Einkommen künftig mit legalen Mitteln zu bestreiten. au

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