Mit Sekt gegen den Neujahrsempfang der Stadt

Rosenheim – Wenn heute Abend der festliche Neujahrsempfang der Stadt Rosenheim beginnt, wird vorher vor dem Kultur- und Kongress-Zentrum (Kuko) eine Sause stattfinden.

Mit „Pavillon, Snacks, Glühwein und Sekt“ wollen Mitglieder der Gruppierung „Die Partei“ gegen die Stadt protestieren. Und das, obwohl die einstige Landtagskandidatin und Kreisvorsitzende Ricarda Krüger mitteilt, sie sei „größter Fanboy“ der Gabi. Gemeint ist Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU).

„Fanboy“ hin oder her. „Die Partei“ ist offensichtlich sauer – und will ihrem Frust mit Alkohol Ausdruck verleihen. „Wir wollen Sekt trinken und wir werden Sekt trinken. Das war unser gestecktes Ziel“, wird Ricarda Krüger in einer Pressemeldung zitiert. Die „angehende Oberbürgermeisterin der Herzen“ fühle sich ungerecht behandelt, heißt es. Denn sie war zunächst von der Stadt zum Neujahrsempfang eingeladen und dann schnell wieder ausgeladen worden. Und zwar mit der Begründung, es herrsche Platzmangel im Kuko: So jedenfalls beschreibt Krüger den Vorgang.

Absage kommtübers Telefon

Sie teilt in einer Mail mit, „wir haben am 8. Januar telefonisch eine Zusage erhalten und es sollte noch eine schriftliche Einladung erfolgen“. Rund zwei Stunden später sei der Anruf gekommen, dass sie wieder ausgeladen sei. Deshalb, so argumentiert Krüger, sei heute die Sekt-Aktion ab 17 Uhr geplant. So könnte sich die Gruppierung „selber Platz schaffen“. Von einer „Großkundgebung“ ist die Rede. Beim Ordnungsamt sei eine Veranstaltung mit bis zu 20 Teilnehmern gemeldet, sagt ein „Die Partei“-Mitglied.

Die Stadt wiederum teilt mit, „ein gewisser Jan Parizek vom Kreisverband“ der Gruppierung habe im Hauptamt nachgefragt, warum die „neugewählte Landtagsabgeordnete“ nicht eingeladen sei. Eine falsche Aussage, weil Krüger im September den Sprung in den Landtag gar nicht geschafft hat. In der Folge geht die Stadt davon aus, „durch Vorspiegelung falscher Tatsachen“ sei versucht worden, eine Einladung zum Neujahrsempfang zu erhalten. Zudem habe es zu keiner Zeit eine Zusage aus dem Hauptamt gegeben, der Gruppierung eine Einladung zukommen zu lassen. Zugesagt worden sei lediglich, die Angaben des Kreisverbandsmitgliedes zu prüfen und Rückmeldung zu geben.

Grundsätzlich erfolgt die Einladung der Stadt telefonisch. Als politische Vertreter werden stets die Fraktionsvorsitzenden der Parteien im Stadtrat eingeladen, dazu Mandatsträger aus dem Bezirkstag, dem bayerischen Landtag, dem Bundestag und dem Europäischen Parlament, die für die Stadt Rosenheim zuständig sind. Dazu gehören auch die beiden AfD-Landtagsabgeordneten Andreas Winhart und Franz Bergmüller. Sie sind willkommen. Aber zumindest Winhart hat bereits abgesagt, wegen der AfD-Klausurtagung heute. Für Krüger ist die Zusage für die AfD „ein weiterer Skandal“, „da für Rechtsradikale offensichtlich Platz ist, für kleine Parteien mit einer weltoffenen Einstellung jedoch nicht“. Ganz recht hat sie damit nicht: Denn ganz bestimmt darf auch die ÖDP als „kleine Partei“ gelten. Deren Vertreter im Stadtrat, Horst Halser, wird heute Abend die Hand der Oberbürgermeisterin schütteln. Denn er ist eingeladen.

Andere nehmen‘s eher sportlich

Keine Einladung erhalten haben dagegen die Vertreter der „mut“-Partei um Claudia Stamm. Sie aber nehmen‘s eher sportlich. „Natürlich wäre es schön, wenn wir zum Empfang kommen dürften. Aber wir sind halt sehr klein. Wir sind niemandem böse, und arbeiten lieber daran, unser Bestes zu geben, um mehr Menschen zu erreichen“, teilt Sprecherin Dominique Salcher mit. bw

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