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Bei Schützenfest kennengelernt

Sechs Jahrzehnte eine Einheit: Rosenheimer Ingrid und Ferdinand Esser feiern Diamant-Hochzeit

Seit 60 Jahren glücklich miteinander verheiratet: Ingrid und Ferdinand Esser aus Rosenheim. Wenn es nach ihnen geht, soll es die nächsten 20 Jahre so weiter gehen.
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Seit 60 Jahren glücklich miteinander verheiratet: Ingrid und Ferdinand Esser aus Rosenheim. Wenn es nach ihnen geht, soll es die nächsten 20 Jahre so weiter gehen.
  • Alexandra Schöne
    VonAlexandra Schöne
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Ingrid und Ferdinand Esser haben schon viel miteinander erlebt. Sie sind seit 60 Jahren verheiratet und feiern Diamantene Hochzeit. Eine Geschichte über Tanzabende, Hingabe und warum man einen Menschen so akzeptieren sollte, wie er ist.

Rosenheim – An den glücklichsten Moment in ihrer Beziehung können sich weder Ingrid (80) noch Ferdinand (85) Esser erinnern. Es gab einfach zu viele. Kein Wunder: Die beiden gebürtigen Rheinländer sind seit 60 Jahren verheiratet. „Die schönste Erinnerung ist, dass wir jetzt schon 60 Jahre zusammen sind“, sagt Ferdinand Esser in seinem rheinischen Dialekt ganz pragmatisch. Er sitzt in seinem Fernsehsessel im Wohnzimmer der Rosenheimer Wohnung. „Und als die Kinder geboren wurden“, fügt seine Frau hinzu, die ihm gegenüber auf der Couch Platz genommen hat.

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Die beiden haben einen Sohn und eine Tochter. Ihr Sohn kam innerhalb des ersten Ehejahres zur Welt. Überhaupt ging bei Essers alles relativ schnell – jedenfalls verglichen mit heutigen Maßstäben. Zwei Jahre nach dem ersten Treffen heirateten sie, und zogen gleich darauf zusammen. „Das war früher einfach so“, bestätigt Ingrid Esser.

Nach der Hochzeit in der Kirche haben die Essers zu Hause ihre Vermählung gefeiert.

Beim Schützenfest kennengelernt

Die beiden haben sich – wie es sich laut Ferdinand Esser für Rheinländer gehört – bei einem Schützenfest kennengelernt. Dass Ingrid Esser überhaupt dort war – eher ein Zufall. „Ich hatte eigentlich gar keine Lust, aber meine Eltern wollten mich unbedingt mitnehmen“, erinnert sie sich. Die beiden tanzten miteinander. „Sie konnte gut tanzen. Und sie gefiel mir – das tut sie auch heute noch“, sagt Ferdinand Esser. Seine Augen blitzen und sein Mund verzieht sich zu einem schelmischen Lächeln. Er lacht seine Frau an. Sie lacht zurück.

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Sie habe damals erst gar nicht das Bedürfnis nach einer Beziehung gehabt. „Ich habe mich mit 18 einfach zu jung dafür gefühlt“, sagt Ingrid Esser. Ferdinand Esser ließ aber nicht locker und überzeugte sogar die strenge Mutter seiner Frau, diese ausführen zu dürfen. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als sie das erlaubt hat“, sagt Ingrid Esser, die sich noch heute darüber wundert.

Eltern um Erlaubnis zur Heirat fragen

Von da an trafen sie sich öfter und gingen miteinander tanzen. Nach zwei Jahren beschlossen sie gemeinsam, zu heiraten. So unromantisch es klingt: Es war so. Große Gesten seien damals einfach nicht an der Tagesordnung gewesen. Außerdem musste Ferdinand Esser zuerst noch die Eltern seiner Ingrid um Erlaubnis fragen, da diese noch keine 21 Jahre alt war. „Schön war es trotzdem“, da sind sich beide einig.

Ferdinand Esser hat sein Leben lang in Verwaltungen gearbeitet. Erst in verschiedenen Städten Nordrhein-Westfalens und bei der Bezirksregierung Aachen. Dann im Innen- sowie im Finanzministerium in NRW. Die letzten 21 Jahre seiner Karriere hat er beim Landschaftsverband Rheinland in Köln verbracht, einem großen kommunalen Zusammenschluss. Sechs Jahre davon war er dessen Chef. Die 19 000 Mitarbeiter des Verbandes fördern regionale Museen, pflegen Denkmäler und kümmern sich in Kliniken und Einrichtungen um behinderte und psychisch kranke Menschen.

Ferdinand Esser war immer mehr unterwegs

Je höher er aufstieg, desto mehr arbeitete Ferdinand Esser. Seine Frau blieb zuhause, versorgte Kinder und Haushalt. Als Frisörin arbeiten durfte sie nach dem Willen ihres Mannes nicht mehr. „Irgendwann kam er dann nicht mehr pünktlich um 17 Uhr nach Hause“, erinnert sich Ingrid Esser. „Er war immer mehr unterwegs.“ Lange gab es auch kein Telefon in der Wohnung, mit dem sie ihn im Notfall hätte erreichen können.

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Für sie sei das anfangs schwierig gewesen: allein mit den Kindern und ihre Eltern nicht in Reichweite. Ingrid Esser akzeptierte das. Sie hatte Verständnis und hielt ihrem Mann den Rücken frei – auch wenn sie sich manchmal über ihn ärgerte. Ferdinand Esser hatte seine Karriere im Kopf, das gibt er offen zu. „Ich habe alles gemacht, damit ich höher kam“, sagt er.

Dass viele Ehen auch aus solch einem Grund zerbrechen, wissen die beiden. Aber sie wollten zusammenbleiben. Weil sie sich liebten und wussten, was sie aneinander hatten. Ihre Ehe funktioniert auch, weil sie sich gegenseitig so akzeptiert haben, wie sie sind. „Man kann keinen Menschen verändern. Man kann es zwar versuchen, aber das wird kaum gelingen. Oder?“, fragt Ingrid Esser ihren Mann. Der nickt bestätigend.

Stadtarchiv umgekrempelt

Als Ferdinand Esser 2001 schließlich in Pension ging, hatten die beiden plötzlich mehr Zeit füreinander. „Das war ein ganz anderes Leben“, sagt Ingrid Esser. Sie unternahmen mehr zusammen, jeder blieb aber auch bei seinen eigenen Hobbys. Er interessiert sich für Geschichte und Motorräder, sie malt und bastelt gerne.

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Nach dem Umzug nach Rosenheim traten sie den Naturfreunden bei, um neue Leute kennenzulernen. Ferdinand Esser hat eine Chronik für den Verein erstellt und außerdem zwölf Jahre lang ehrenamtlich im Stadtarchiv gearbeitet. Den Wegzug aus dem Rheinland haben die beiden nie bereut. In Rosenheim sind sie angekommen. Und am wichtigsten ist sowieso, dass sie zusammen sind.

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