AUSPROBIERT UND MITERLEBT

Schwierige Hand-Augen-Koordination: OVB-Reporter versucht sich bei Plattlerkurs in Rosenheim

Sieht einfach aus, ist es aber nicht: Kursleiter Lukas Licht (links) und Thomas Spranger (rechts) vom Rosenheimer Trachtenverein D’Innviertler zeigt den Kursteilnehmern des Plattlerkurses wie OVB-Reporter Kilian Schroeder, wie‘s richtig geht.
  • vonKilian Schroeder
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„Schuhplatteln gehört ganz sicher zu den Dingen, die jeder in Bayern lebende Mann einmal ausprobiert haben sollte.“ So steht es jedenfalls in der Ankündigung der Plattlerkurses des Trachtenvereins D’Innviertler. OVB-Reporter Kilian Schroeder hat‘s ausprobiert.

Rosenheim – An vier Mittwochabenden hat beim Kurs des Trachtenvereins D‘Innviertler jeder die Gelegenheit, den „Marschplattler“ zu lernen, der normalerweise am Blasmusikabend des Herbstfestes im Flötzinger-Festzelt getanzt wird. Ob ich, OVB-Mitarbeiter Kilian Schroeder, der bisher eher selten als „Trachtler“ in Erscheinung getreten ist, mit Schuhplatteln etwas anfangen kann? Mal sehen.

22 Männer im mittleren Alter

Am Mittwochabend stehe ich also im Saal des Stadtjugendrings im Rosenheimer Lokschuppen – selbstverständlich in Lederhose und Trachtenhemd. Um mich herum versammelt sind 22 Männer, alle im mittleren Alter. Den Kurs leiten sechs Mitglieder des Trachtenvereins, die natürlich in voller Montur auflaufen.

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Es beginnt mit der derzeit obligatorischen Corona-Belehrung. Dann führen die Kursleiter vor, was am Ende alle lernen sollen: Die „Amboss-Polka“, ein sogenannter „Burschenplattler“ mitsamt Einmarsch. Hier wird mir zum ersten Mal mulmig: So einfach sieht das nämlich gar nicht aus.

Alfred Licht (53), Vorsitzender des Trachtenvereins und Kursleiter, erzählt mir, dass sie den Kurs eigentlich schon absagen wollten, als klar war, dass es kein Herbstfest geben wird. „Aber das ist natürlich Blödsinn. Nur weil es keinen Blasmusikabend gibt, ist das kein Grund um nicht zu Platteln.“

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Licht ist im Trachtenverein seit er zehn Jahre alt ist. Sein Sohn Lukas – auch einer der Kursleiter – ist seit seiner Geburt dabei. Ihm ist besonders wichtig, dass trotz der Corona-Krise das Vereinsleben weitergeht.

Den Kurs, der bisher immer ausgebucht war, bieten die Innviertler seit 2017 an. „Platteln kann nicht jeder, und hier im Kurs braucht sich auch niemand schämen, wenn er einen Fehler macht“, sagt Licht.

Einstieg mit dem Fünferschlag

Für mich als Neuling ist das die wichtigste Info, denn jetzt müssen wir ran. Wir steigen mit dem sogenannten „Fünferschlag“ ein. Zweimal mit der rechten Hand auf den Oberschenkel, einmal die linke, auf die Schuhsohle schlagen und dann nochmal mit der linken Hand – nach einigen Wiederholungen komme ich in den Rhythmus. Wir teilen uns in Dreiergruppen auf und versuchen die ganze Polka.

Stampfen, Oberschenkel und Schuhsohle gleichzeitig, Fünferschlag, Schuhsohle hinten, vorne – Moment, war es die rechte oder die linke Hand? Kaum denke ich kurz nach, komme ich schon raus. Zum Glück steht Lukas Licht neben mir, da kann ich gut spicken.

Auf einem Bein das Gleichgewicht halten

Relativ schnell merke ich dass Schuhplatteln tatsächlich ziemlich anspruchsvoll ist. Die Hand-Augen-Koordination mit dem Rhythmus zu kombinieren ist schon schwierig – und dazu muss ich fast durchgehend auf einem Bein das Gleichgewicht halten. Aber mit jeder Wiederholung komme ich mehr rein und und muss mir eingestehen, dass mir der Kurs auch Spaß macht.

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Damit bin ich nicht der Einzige. Auch den beiden anderen Teilnehmern in meiner Gruppe gefällt der Kurs – auch wenn wir alle merken, dass uns am Ende die Hände wehtun. „Mir macht es wirklich Spaß“, sagt Peter Hüller (40). Er hat den Kurs zum Geburtstag bekommen und ist mit einigen Freunden dabei. Einer davon, Thorben Gartzen (34), findet: „Es geht besser als gedacht.“

Auftritt geplant

Inzwischen komme ich auch ganz gut durch. Aber: Sobald jemand zuschaut gibt es immer noch etwas zu verbessern. Denn auch wenn ich nicht am Herbstfest platteln werde, planen Licht und die anderen Innviertler schon, die Amboss-Polka bei einer anderen Gelegenheit aufzuführen. ABis ich soweit bin, dass ich da „unfallfrei“ mitmachen kann, muss ich allerdings noch ein wenig üben.

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