Leiter des Schülercafés Fürstätt haben mit Idee für Corona-Zeit lokalen Trend ausgelöst

Kochen jeden Mittwoch rund 70 Mittagessen: Bernd und Snezana Wallner, Leiter des Schülercafés Fürstätt. So kommen sie trotzdem mit ihren Schützlingen in Kontakt, die in Zeiten von Corona den Jugendtreff des Stadtjugendrings nicht betreten dürfen. Schöne
  • vonAlexandra Schöne
    schließen

Spaghetti Bolognese statt Jugendtreff: Die Leiter des Schülercafés, Snezana und Bernd Wallner, kochen in der Corona-Krise einmal in der Woche rund 70 Essensportionen für die Jugend im Stadtteil. Ihre Idee boomt in doppelter Hinsicht.

Rosenheim – Hausaufgabenbetreuung, Spielenachmittage und einfach mal „abhängen“: Das steht normalerweise auf dem Programm der Kinder und Jugendlichen, die das Schülercafé Fürstätt auf dem Gelände der Grund- und Mittelschule besuchen. In der Corona-Krise fällt das alles weg. Deshalb haben sich die Leiter des Schülercafés, Snezana und Bernd Wallner, etwas Besonderes ausgedacht, um mit den Jugendlichen trotzdem in Kontakt zu treten. Seit drei Wochen kochen die beiden jeden Dienstag Mittagessen – für die Jugend im ganzen Stadtteil.

Mit ausreichend Sicherheitsabstand stellen sich die Kinder und Jugendlichen vor der Fenster-Essensausgabe des Schülercafés an. Privat

70 Portionen für Schülercafé Fürstätt

An Dienstagvormittag steht Bernd Wallner immer in der Küche des Jugendcafés und kocht, jede Woche rund 70 Portionen des jeweiligen Gerichts. Beim ersten Mal gab es Putenspieße und Salat, dann Curryhuhn mit Reis. Am vergangenen Dienstag dampften Spaghetti im Topf und daneben köchelte die Bolognesesoße – mit Rindfleisch. „Damit auch die vielen Kinder aus islamischen Familien immer mitessen können“, erklärte Snezana Wallner. Die Zutaten besorgt sie im Großmarkt, das Fleisch in der Metzgerei. „Wir legen Wert auf eine gute Qualität der Nahrungsmittel“, sagte sie. Die Ausgabe der Gerichte erfolgt – gemäß den Corona-Auflagen – mit Handschuhen, Maske im Gesicht und ausreichend Abstand.

Lesen Sie auch: Der Corona-Ticker – Aktuelle Entwicklungen zu Covid-19 in der Region, Bayern und der Welt

Die beiden Leiter des Schülercafés teilen die Arbeit

Während ihr Ehemann am Herd steht, packt Snezana Wallner kleine Snacktüten für die Kinder und Jugendlichen. Diese gibt es schon seit fünf Wochen und sind jedes Mal anders gefüllt. Da gibt es mal Orangen und Brezeln, Saftpäckchen oder auch manchmal eine Süßigkeit. Außerdem ist immer eine kleine Überraschung dabei, zum Beispiel Zauberwürfel, Seifenblasenspender oder Kartenspiele. 20 Tüten packt Snezana Wallner für jeden der sechs Jugendtreffs in der Stadt und fährt diese immer am Mittwochvormittag aus.

Idee aus Fürstätt findet Nachahmer

Was selbst gekochte Mittagessen betrifft, ziehen die anderen Treffs in Rosenheim nun nach: „Viele kochen jetzt auch für die Kinder oder bieten beispielsweise Obst an“, sagte Bernd Wallner. Finanziert wird das Projekt der Wallners aus dem Budget für Aktionen des Stadtjugendrings.

„Eingeschlagen wie eine Bombe“

Das Mittagessen-Snacktüten-Projekt kommt bei den Jugendlichen gut an. Viele, die unter normalen Umständen Zeit im Jugendtreff verbringen, gehen auf die Grund- und Mittelschule Fürstätt. Sie kommen gleich nach dem Unterricht zum Fenster des Schülercafés, um sich dort eine Portion zu holen. „Wir haben drei Schichten, in denen die Kinder kommen können. Viele rennen schon fast aus dem Unterricht und stellen sich bei uns an“, berichtete Snezana Wallner. „Das hat eingeschlagen wie eine Bombe.“ Ob das gute Essen dafür der Grund ist? Die 15-jährige Schülerin Sümeyye bestätigt dies. „Ich war bisher jedes Mal da und habe mir etwas geholt“, sagte sie. „Das schmeckt immer wirklich gut.“ Der gleichaltrige Eugen sieht das ähnlich. Er, der vor Corona beinahe jeden Tag im Jugendtreff war, sagt zu den Gerichten von Snezana und Bernd Wallner: „Das ist richtiges Essen.“

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

„Ich freue mich sehr, die Kinder wiederzusehen. Ich habe alle vermisst“, sagte Snezana Wallner. Seit 9. März ist der Jugendtreff geschlossen, die Kinder dürfen nicht kommen. Das sei keine gute Zeit gewesen. Ehemann Bernd pflichtete ihr bei. „Für jemanden, der es gewohnt ist, täglich mit Menschen zu arbeiten, ist das Home Office schrecklich“, sagte er.

„Wie ein zweites Zuhause“

Die beiden sind froh, durch die Aktion ihre Schützlinge wieder zu treffen, zu denen sie sonst engen Kontakt pflegen. Denn im Jugendtreff dreht sich laut Snezana Wallner nicht alles um Billardspielen und zusammen „abhängen“, sondern auch um die Arbeit mit den Jugendlichen. „Wir wirken als Pädagogen in ihrer Lebenswelt, stehen ihnen beratend und unterstützend zur Seite“, sagte sie. Das Schülercafé sei wie ein zweites Zuhause für die Jungen und Mädchen, von denen sich vor der Corona-Krise an vollen Tagen rund 70 Stück im Schülercafé tummelten.

Lob vom Schulleiter

Kai Hunklinger, Rektor der Grund- und Mittelschule Fürstätt, nannte die Aktion von Snezana und Bernd Wallner eine „tolle Geschichte“. Er hat auch schon von den Mittagsgerichten gekostet und resümierte: „Die beiden machen das mit Leidenschaft und das schmeckt man auch!“

Mehr zum Thema

Kommentare