JUGENDWAHLEN IN ROSENHEIM

Schüler an der Wahlurne

Meinungsbild über die Bundespolitik:Auch in Rosenheim können Jugendliche unter 18 Jahren ihre Stimme für die Direktkandidaten abgeben. Archiv/dpa
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Meinungsbild über die Bundespolitik:Auch in Rosenheim können Jugendliche unter 18 Jahren ihre Stimme für die Direktkandidaten abgeben. Archiv/dpa

Wählen unter 18 – das ist morgen Premiere beim Stadtjugendring Rosenheim. Währenddessen hat die Berufsschule I schon Erfahrungen mit Jugendwahlen. Das Ziel: Junge Menschen für die Demokratie und eines ihrer wichtigsten Instrumente begeistern.

Rosenheim – Bei der U18-Bundestagswahl können Jugendliche morgen ihre Stimme abgeben. Wahllokale öffnen dafür in den Jugendtreffs Happing und Jump, in der städtischen Mädchenrealschule und in der Geschäftsstelle des Stadtjugendrings im Lokschuppen. Die U18-Initiative wird unter anderem vom Bundesfamilienministerium und von der Bundeszentrale für politische Bildung organisiert und getragen.

„Wir nehmen das erste Jahr an der U18-Wahl teil“, erklärt Happi Wörndl, Sprecher des Stadtjugendrings. Durch die Aktion werde die Mitbestimmung von Jugendlichen gefördert, ist er überzeugt. Das sei wichtig, denn: „Die politische Entwicklung beginnt nicht erst ab 18.“

Durch frühzeitiges Kennenlernen führt der Stadtjugendring die Teilnehmer an das demokratische System heran, um ihnen die Normalität des Wählens aufzuzeigen. „Auch wenn die Stimmen keinen direkten Einfluss auf die Wahl haben, gibt es ein Meinungsbild“, sagt Wörndl. Wenn die Mehrheit der Jugendlichen in eine Richtung denkt, habe das wiederum eine Wirkung auf die Parteien. „Die Jugend ist schließlich unsere Zukunft“, so Wörndl. Wenn die Gesellschaft und die Parteien nicht daran interessiert wären, was die Jugendlichen denken, würden sie die Zukunft vernachlässigen.

„Signal an die Gesellschaft“

Spannend wird es, wenn sich die Ergebnisse der U18-Wahl und der wirklichen Bundestagswahl unterscheiden. „Das wäre ein Signal, dass wir einen Teil unserer Gesellschaft übersehen“, meint Wörndl. Ergebnisse, Analysen und Berichte aus den Wahllokalen werden neun Tage vor der Bundestagswahl unter der Adresse www. u18.org/bundestagswahl-2017 im Internet veröffentlicht.

Ein weiteres Projekt der politischen Jugendbildung ist die Juniorwahl. 3478 Schulen nehmen bundesweit aktuell teil. Damit zählt sie zu den größten Schulprojekten in Deutschland. Träger des Projektes ist der gemeinnützige und überparteiliche Verein Kumulus aus Berlin.

In Rosenheim haben sich acht Schulen auf das Projekt eingelassen. Eine davon ist die Berufsschule I. Dort können die Jugendlichen von Montag, 18., bis Freitag, 22. September, ihre Stimmen für einen Direktkandidaten abgeben. „Das liegt daran, dass wir Teilzeit- und Blockunterricht haben“, so Petra Ottens arndt, Fachbetreuerin Sozialkunde und Koordinatorin der Juniorwahl. Die Berufsschule I nimmt bereits zum dritten Mal an der Aktion teil. Bei den letzten Wahlen waren rund 450 Schüler mit von der Partie.

Eine Ausstellung soll die Jugendlichen im Vorfeld auf das Projekt aufmerksam machen. „Wir haben allen Direktkandidaten aus unserem Wahlkreis fünf Fragen gestellt“, berichtet Ottensarndt. Die Antworten und Wahlplakate der Parteien werden ausgehängt. Auch im Sozialkundeunterricht wird über politische Themen diskutiert. „Wir können alle vier Jahre unsere Meinung einbringen, das soll den Schülern klar werden“, so die Projektkoordinatorin. Auch einen anderen Aspekt will sie den Jugendlichen vermitteln: „Jede Stimme zählt gleich viel.“

80 bis 85 Prozent Wahlbeteiligung

Der Ablauf der Wahl ist wie im echten Leben: Die Schüler bekommen Wahlbenachrichtigungskarten, geben sie ab und bekommen einen Wahlzettel. Dann wird gewählt und die Urne gefüllt. „Die Schüler sind nicht nur sehr interessiert an der Aktion, sie sind regelrecht begeistert“, berichtet Ottensarndt. Das lässt sich auch an der Wahlbeteiligung von 80 bis 85 Prozent ablesen.

Das Ergebnis wird nach der richtigen Bundestagswahl bekannt gegeben. Zusätzlich wird zusammen mit den anderen Schulen des Wahlkreises 222 der Gewinner des „Juniordirektmandates“ ermittelt. Dafür werden die Ergebnisse der Schulen zusammengetragen.

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