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Entziehungskur als letzte Chance

Schöffengericht verurteilt Rosenheimer wegen Drogenbesitzes zu Haft und Entzugstherapie

Wegen des Besitzes von rund 300 Gramm Marihuana ist ein 28-Jähriger vom Schöffengericht Rosenheim zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verturteilt worden.
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Wegen des Besitzes von rund 300 Gramm Marihuana ist ein 28-Jähriger vom Schöffengericht Rosenheim zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verturteilt worden.
  • VonChristl Auer
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Waren 300 Gramm Marihuana in der Wohnung eines Rosenheimes zum Eigenkonsum bestimmt oder zum Verkauf? Mit dieser Frage musste sich das Schöffengericht Rosenheim befassen. Doch sicher war sich die Kammer in dieser Sache nicht.

Rosenheim – Das Schöffengericht Rosenheim hat einen 28-jährigen Rosenheimer wegen Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Ebenso ordnete die Kammer die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

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Beschäftigen musste sich das Gericht unter Vorsitz von Richter Matthias Knoblauch mit der Frage, ob die rund 300 Gramm Marihuana in der Wohnung des Angeklagten nur für dessen Eigenbedarf oder für den Weiterverkauf bestimmt waren. Laut Anklage kaufte der 28-jährige langjährige Drogenkonsument Anfang des Jahres insgesamt 300 Gramm Marihuana zum Preis von 2100 Euro.

Drogen und Geld in der Wohnung

Bei einer Wohnungsdurchsuchung fanden Ermittler das Rauschmittel, aber auch Geldscheine, szenetypisch gestückelt. Ein Argument für die Staatsanwaltschaft, dass der Angeklagte vorhatte, das Gras zu verkaufen.

Ein Polizeianwärter hatte die Sache ins Rollen gebracht. Er war in das Mietshaus eingezogen und bemerkte, dass es im Treppenhaus öfter nach Marihuana roch. Zudem waren ihm viele unbekannte Personen aufgefallen, die dort nicht wohnten und sich nur kurz im Haus aufgehalten hatten.

Gepfiffen und reingelassen worden

„„Ein oder zwei Leute haben gepfiffen, sind dann rein, und dann ist die Tür des Angeklagten ins Schloss gefallen“, schilderte der Polizist vor Gericht. Eine Übergabe der Rauschmittel hatte er aber nicht gesehen. Der Angeklagte hingegen behauptete, eine afghanische Familie im Haus habe den Drogenhandel betrieben.

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Das Geld, welches die Beamten in seinem Wohnzimmer gefunden hatten, gehöre seiner Verlobten. Den großen Fund wiederum machten die Ermittler im Keller des Angeklagten: 300 Gramm der Droge entdeckten sie dort.

Rauschgift sei zum Eigenkonsum bestimmt

Der Angeklagte habe behauptet, das Rauschgift sei zum Eigenkonsum bestimmt gewesen. Im Laufe der weiteren Vernehmung habe sich der 28-jährige, der bereits siebenfach vorbestraft ist, jedoch kooperativ gezeigt und auch weiterführende Angaben zum Verkäufer gemacht, den er kennengelernt habe, während er in Stadelheim einsaß. Hieraus hätten sich wertvolle Hinweise für das weitere Verfahren ergeben. Die 25-jährige Verlobte bestätigte die Angaben des Angeklagten im Blick auf das gefundene Geld. Dies sei zur Anzahlung für ein Auto gewesen.

Schwierige Kindheit und bewegte Drogenkarriere

Der medizinische Gutachter attestierte dem Angeklagten eine schwierige Kindheit und bewegte Drogenkarriere, die bereits im Alter von elf Jahren begonnen habe. Doch erst mit 15 habe sich ein typisches Konsummuster gezeigt: Cannabis, Kokain und synthetische Drogen. Aus psychiatrischer Sicht empfahl er die Unterbringung in eine Entziehungsanstalt befürwortet, zumal der Angeklagte eine zu einer Therapie bereit sei.

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In den Plädoyers sah die Anklage ihren Vorwurf des Drogenhandels durch die Beweisaufnahme bestätigt. Rund 300 Gramm als Vorrat für den Eigenkonsum sei unglaubwürdig. Stattdessen lege diese Menge nah, dass er das Marihuana auch verkaufen wollte. Die Staatsanwaltschaft forderte, auch im Blick auf das kooperative Verhalten des 28-Jährigen, eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.

Anhaltspunkte für Rauschgiftgeschäfte

Die Verteidiger Florian Wurtinger und Dr. Markus Frank sahen keine Hinweise auf Drogengeschäfte ihres Mandanten. In ihrem Plädoyer forderten sie eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten. Damit öffne sich zudem die Möglichkeit, eine Entzugstherapie außerhalb einer geschlossenen Anstalt.

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Im Ergebnis schloss sich das Schöffengericht dieser Auffassung der Verteidiger an, auch wenn es aus Sicht von Richter Matthias Knoblauch „starke Anhaltspunkte“ dafür gegeben habe, dass der Angeklagte mit Drogen handelte.

Entsprechend fiel das Strafmaß höher aus. Zugunsten des Angeklagten, der unter offener Bewährung steht, sei sein Geständnis und seine wertvolle Aufklärungshilfe zu werten. Die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt sei eine letzte Chance auf ein drogen- und straffreies Leben.

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