Rund 1,4 Millionen Euro Baukosten

Kirche in Westerndorf am Wasen wird saniert - seltene Fledermäuse erschweren Bauarbeiten

Graue Langohrfledermäuse haben sich in der Westerndorfer Kirche niedergelassen.
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Graue Langohrfledermäuse haben sich in der Westerndorfer Kirche niedergelassen.

Es ist das wohl umfangreichste Bauprojekt in der jüngsten Geschichte von Westerndorf am Wasen: Das Kirchenschiff und der Dachstuhl der barocken Rundkirche St. Johann Baptist und Heilig Kreuz sollen in den kommenden Jahren umfassend saniert werden – für rund 1,4 Millionen Euro. Ein Besuch vor Ort.

Rosenheim – Es ist eng, dunkel und stickig im Dachstuhl der über 350 Jahre alten Kirche im äußersten Südwesten von Rosenheim. Das hölzerne, fünfstöckige Gebilde, das die Besucher normalerweise nicht zu sehen bekommen, gibt die tonnenschwere Last vom Schieferdach samt Schnee auf nur vier Fundament-Säulen weiter.

Diese enormen Kräfte haben ihre Spuren hinterlassen. „Die Außenmauer weist – neben Verwitterungsspuren – viele Risse auf, vor allem an den Fenstern“, erklärt Florian Weindl. Er ist Verwaltungsleiter der beiden Rosenheimer Stadtteilkirchen Am Wasen und Am Zug.

Die Kirche in Westerndorf am Wasen von außen.

Risse werden größer

Seit etlichen Jahren überwachen kleine Computer die größer werdenden Risse an der Außenhülle und dokumentieren ihre Entwicklung. Diese und andere statische Untersuchungen haben beispielsweise ergeben, dass einzelne Glocken aufgrund der Schwingungen, die sie verursachen, vorübergehend außer Betrieb genommen werden mussten.

Weindl weiß, was dem historischen Bauwerk zugesetzt hat. Regen und Schnee sowie defekte Drainage-Leitungen haben den Untergrund durchgeweicht. Außerdem liegen im Dachstuhl Balken fehlerhaft.

Im Vorfeld haben deshalb Experten mehrere hundert Bretter, Träger und Spanten im Obergeschoss der Kuppel auf deren Zustand untersucht. Rote Markierungen im Dachstuhl machen sichtbar, wo das Material morsch und baufällig ist. An diesen Stellen muss dringend etwas passieren. „Ich bin froh, dass sich Fachleute das jetzt ganz genau anschauten“, sagt Franz Unterlinner.

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Der Kirchenpfleger der Pfarrei Mariä Himmelfahrt lebt in unmittelbarer Nachbarschaft. Er und seine Ehefrau Marlene, die Mesnerin, sind die guten Seelen von St. Johann Baptist und Heilig Kreuz. Sie beide kümmern sich um das weit über die Grenzen von Stadt und Landkreis bekannte Gotteshaus und sind immer zur Stelle, wenn sie gebraucht werden.

Kirchenpfleger Franz Unterlinner (links) und Verwaltungsleiter Florian Weindl stehen im Inneren des Dachstuhls der Kirche in Westerndorf am Wasen und inspizieren die baufälligen Teile des Dachstuhls.

Kirche ist digital kartografiert

Bei zurückliegenden Sanierungen und Ausbesserungsarbeiten ist dem Schreinermeister zufolge nicht immer akkurat und fachgerecht vorgegangen worden. Der Denkmalschutz habe in den 70er- und 80er-Jahren keine Rolle gespielt. Umso mehr freut es ihn, dass mit den umfangreichen Untersuchungen in den vergangenen Monaten sämtliche Bestandteile digitalisiert wurden.

Die gesamte Kirche ist kartografiert. Auch Pilze, Schwämme und verschiedene Arten von Fäule haben Experten erforscht und vermerkt. Das alles bildet den Grundstein für technisch und handwerklich einwandfreie Maßnahmen.

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Doch wann das aufgrund der Kreisform notwendige Spezialgerüst steht und die Arbeiten beginnen, weiß in Rosenheim aktuell noch niemand. „Wir warten auf einen Bescheid vom Strategischen Vergabeausschuss der Erzdiözese München und Freising“, sagt Verwaltungsleiter Weindl.

Mehrkosten durch Schäden

Zudem seien die Schäden insgesamt umfangreicher als 2015 prognostiziert. Das bedeute Mehrkosten. Der daraus resultierende höhere Eigenanteil sei für die Pfarrei Pang eine enorme Herausforderung. In einer ersten Schätzung waren 800.000 Euro an Kosten angegeben. Nach den neuesten Berechnungen liegen diese nun bei rund 1,4 Millionen Euro.

Zehn Prozent davon trägt die hiesige Kirchenstiftung. Für die Voruntersuchungen hätten sie von der Erzdiözese die Mittel genehmigt bekommen, sagt Weindl. Für die restliche Geldsumme habe er bereits Förderanträge gestellt.

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Können die Vertreter der Stadtteilkirche die Sanierung doch nicht finanzieren, müssen Weindl und Unterlinner kurzfristig Notfallsicherungsmaßnahmen durchführen lassen, um das Gotteshaus weiter wie bisher nutzen zu können. Innen sei das Gebäude uneingeschränkt in einem guten Zustand, nachdem es 1992 und 1993 aufwendig saniert wurde. 2008 waren der Turm erneuert und die Turmzwiebel neu eingedeckt worden.

Still wird es in der Kirche auf alle Fälle nicht. Nach der Außenfassade steht schon das nächste Projekt an: die Orgelrenovierung.

Fledermäuse ziehen im Dachstuhl ihre Jungen auf:

In einer früheren Planung war die Sanierung der Kirche Westerndorf am Wasen über 16 Monate hinweg geplant. Ob es dabei bleibt, ist fraglich. Denn: Im Turm wurden die Hinterlassenschaften einer grauen Langohrfledermaus gefunden, die den Dachstuhl im Sommer zur Jungenaufzucht nutzt. Ihre Art ist extrem selten.

Im gesamten bayerischen Alpenraum gibt es nur noch zwei Kolonien. Die Folge: Die Handwerker dürfen nur von Oktober bis März arbeiten. Frühjahr und Sommer, laut Kirchenpfleger Franz Unterlinner eigentlich die beste Zeit für eine solche Sanierung, müssen komplett baufrei bleiben. Das zieht das Projekt voraussichtlich in die Länge.

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