Hund auf dem Grill: PETA-Protest in Rosenheim verärgert im Netz, Passanten nehmen‘s gelassen

+
Eine Hundeattrappe haben Aktivisten von Peta in Rosenheim gegrillt.
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
    schließen

Rosenheim – Laue Sommerabende, ein kühles Getränk. Ein Hund auf dem Rost gehört wohl für kaum jemanden zu einem Grillabend dazu. Die Jugendorganisation PETA ZWEI der Tierschutzvereinigung PETA macht aber genau das mitten in Rosenheim.

Update 17. Juli 16:20 Uhr:

In der Münchner Straße grillen Aktivisten von PETA2, der Jugendgruppe der Tierschutzorganisation PETA. Und zwar wie angekündigt einen Hund. Wenn auch keinen echten, sondern eine Attrappe. Die PETA2-Mitglieder werben unter dem Motto „Wenn Sie keinen Hund essen würden, warum dann ein Schwein?“ für die vegane Lebensweise. Aus Sicht der Aktivisten besteht kein Unterschied zwischen den Tierarten, egal ob Nutz- oder Haustier. Jeglichen Konsum von Fleisch lehnt PETA ausdrücklich ab.

Der große Ansturm in Rosenheim blieb bislang aus und nur wenige Passanten nehmen Notiz von der Aktion. Zwar führte die Aktion bereits im Vorfeld zu Diskussionen in den sozialen Medien , dennoch formierte sich bislang keine Gegenkundgebung oder Proteste.

16. Juli:

Mit einer Hundeattrappe auf einem Grill wollen die Aktivisten am 17. Juli ab 15 Uhr in der Münchener Straße 25 gegen den Konsum von Tierfleisch protestieren. Warum ausgerechnet ein Hund? „Viele Menschen haben Sympathien für Haustiere und essen dennoch Fleisch. Wir wollen Menschen zum Nachdenken bringen“, sagt Jana Gall (18), die die Aktion organisiert.

Sie selbst ist seit knapp zwei Jahren Veganerin. Der Anstoß war für die 18-Jährige der Film „Earthlings“. Gall lehnt jeglichen Konsum von Tieren ab und wählt den Begriff „Gewalt“ für den Umgang mit Nutztieren.

Schockmoment ist beabsichtigt

Aus ihrer Sicht ist es schlicht eine willkürliche Wahl, welche Tiere man isst und welche nicht. Josef Steingraber, Landwirt aus Aising und Geschäftsführer des Bauernverbandes in Rosenheim, sieht das anders. Für ihn hinkt der Vergleich: „Ich würde keinen Hund essen. Einfach deshalb, weil er Fleischfresser ist.“ Dieses Fleisch berge ganz andere Gefahren als das Fleisch von Pflanzenfressern. So wie die Tiere aus der konventionellen Nutztierhaltung, die Steingraber auch selbst praktiziert.

Lesen Sie auch: Aufkleber für „Frisches Hundefleisch“ im Stadtgebiet

Das Bild, mit dem Peta aufmerksam machen möchte, ist ganz bewusst drastisch gewählt. Ein gewisser Schockmoment ist Kalkül, bestätigt auch Jana Gall. Sie hat für PETA schon einige Aktionen begleitet. Dass auch Kinder den Hund auf dem Grill sehen werden, seieingeplant und durchaus erwünscht.

Wie werden Kinder reagieren?

Josef Steingraber ist selbst Vater von drei Kindern. „Meine Kinder wären geschockt, wenn sie so etwas sehen, auch wenn sie bei uns am Hof natürlich mitkriegen, woher das Fleisch kommt“, sagt der 35-Jährige. Er würde mit seinen Kindern über die Thematik reden und ihnen die Wahl überlassen, sich eine Meinung zu bilden.

Lesen Sie auch: Tierschützer wollen den Wasserburger Taubenmarkt abschaffen

Ein Weg, den auch Dr. Christian Lill begrüßt. Er ist Facharzt für Kinderpsychiatrie in Bad Aibling. „Wichtig ist, dass die Eltern ihren Kindern erklären, dass das kein echtes Tier ist.“

Für Kinder sei es hilfreich, so ein Erlebnis einordnen zu können, besonders wenn sie sich anfangs erschrecken. Die Gefahr einer Traumatisierung sieht der Kinderpsychiater nicht, aber als kindgerecht würde er die Aktion auch nicht einschätzen. Er hinge immer vom Einzelfall ab, was so ein Erlebnis auslöst: „Kinder können sehr unterschiedlich reagieren.“

Kadaver im Supermarkt?

Jana Gall Aussage, dass Kinder ohnehin fast täglich mit „Leichenteilen und Kadavern“ beim Fleischkonsum konfrontiert seien, stimmt er nicht zu. Das sei aber eine ideologische Frage, sagt Lill.

„Die Diskussion, wie wir mit Lebewesen und Fleischkonsum umgehen, die sollten wir auf jeden Fall führen“, sagt Landwirt Josef Steingraber. Man müsse aber auch die Fakten sehen: „Im Alpenvorland ist zu 80 Prozent Grünland vorhanden.“ Weltweit seien es sogar zwei Drittel, und dort sei oft kein erfolgversprechender Ackerbau möglich. „Wie soll Ernährung da funktionieren?“ Josef Steingraber erinnert das Vorgehen von PETA an eine Sekte. Er vermisst eine sachliche Diskussion.

Ideologie hin oder her, angemeldet ist die Aktion bei der Stadt. Nach Auskunft von Sprecher Christian Schwalm sind noch keine Gegendemonstrationen geplant.

Kommentare