AUSPROBIERT UND MITERLEBT– FOLGE 1: BUSFAHRER

Ruhig und gelassen durch den Verkehr

Peter Holzner: „Als kleiner Junge bin ich schon immer gern Bus gefahren.“
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Peter Holzner: „Als kleiner Junge bin ich schon immer gern Bus gefahren.“

Beschwerden, Falschparker und Baustellen sind nur einige der Probleme, mit denen sich die Busfahrer in der Stadt Rosenheim herumschlagen müssen. In der neuen OVB-Serie „Ausprobiert und miterlebt“ hat Volontärin Anna Heise einen Tag mit Busfahrer Peter Holzner verbracht.

Rosenheim– Die blau-gelben Busse des Familienunternehmens Kroiss sind in der Stadt Rosenheim ein vertrauter Anblick. „Schon wieder Verspätung“, heißt es oftmals am gut besuchten Busbahnhof. Schuld daran ist für die meisten Kunden der trödelnde Fahrer. Nach acht Stunden Busfahren bin ich eines Besseren belehrt.

Arbeitsbeginn um 5 Uhr morgens

Mein Wecker klingelt um vier Uhr morgens. In einer Stunde beginnt mein Tag als Co-Pilotin und bis jetzt hält sich meine Aufregung in Grenzen. Kurz vor 5 Uhr finde ich mich im Busdepot in der Äußeren Münchener Straße ein. Busfahrer Peter Holzner erwartet mich freudig. „Wir fahren heute zusammen spazieren“, grinst er und fügt hinzu: „Schon als kleiner Junge bin ich immer gern mit dem Bus gefahren.“

Nach dem Einstempeln folgt die Überprüfung des Busses. „Die Abfahrtkontrolle durch den Busfahrer selbst ist Pflicht“, klärt mich Holzner auf. Während er alles für den Arbeitstag bereit macht, nehme ich auf dem Fahrersitz Platz und bewundere die vielen leuchtenden Knöpfe. Ich bin dafür verantwortlich, zu überprüfen, ob die Türen funktionieren. Ein Knopfdruck später steht fest: Es passt alles und wir können unsere Fahrt starten.

„Was viele Leute nicht wissen, ist, dass wir am Tag nicht immer die selbe Route fahren, sondern in ganz Rosenheim, Kolbermoor und Pfaffenhofen unterwegs sind“, sagt Holzner. Die Fahrer müssen sich also nicht nur in Rosenheim bestens auskennen, sondern auch in der angrenzenden Umgebung. „Es ist wichtig, Schleichwege zu kennen, falls auf den eigentlichen Strecken ein Unfall oder eine Umleitung ist“, sagt er und kommt direkt zum nächsten Thema. „Neben Baustellen sind Falschparker das Schlimmste. Viele Leute denken, dass sie alleine auf den Straßen unterwegs sind.“ Durch regelwidrig abgestellte Fahrzeuge ist es den Busfahrern oft nicht möglich, Schüler oder ältere Leute mit Rollstuhl oder Rollator so dicht wie möglich an den Bordstein zu bringen, dass sie sicher ein- und aussteigen können. „Das Ordnungsamt hilft uns in Sachen Falschparker aber sehr“, wirft Holzner ein.

Die durch die Baustellen in den letzten Monaten entstandenen Umleitungen führten zu etlichen Verspätungen und machten es unmöglich, den Fahrplan einzuhalten. Die Schuld lag nicht bei den Busfahrern, dennoch wurden sie leider oft für die Verspätungen verantwortlich gemacht. Ein weiteres großes Problem: Toiletten für die Fahrer und Fahrerinnen. Eine Lösung hierfür gibt es bisher noch nicht.

Die erste Runde durch Rosenheim ist entspannt. „Um die Uhrzeit fahren eigentlich nur Pendler und Schichtarbeiter“, erklärt Holzner. Seine gute Laune ist ansteckend und selbst die müden Fahrgäste können ein Lächeln nicht unterdrücken. Jeder Bus ist mit einem Bordcomputer ausgestattet. Er zeigt Informationen über die Fahrpreise, dient als Navigator für den Fahrer, zeigt die nächsten Haltestellen an und wie gut man in der Zeit liegt. „Versteht man den Computer, kann man Bus fahren“, lacht der 32-Jährige. Ich stehe dieser Aussage zwar skeptisch gegenüber, betrachte aber interessiert den Bildschirm. Wir sind zwei Minuten vor der geplanten Ankunftszeit am nächsten Stop. „Zu früh von einer Haltestelle loszufahren, ist inakzeptabel“, sagt er und wartet geduldig auf das Signal zur Weiterfahrt.

Während wir warten, gibt mir Holzner weitere Informationen: Der Weg zum Busfahrer ist kein einfacher. Der Führerschein ist aufwendig und teuer. „Die Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung muss man extra machen“, klärt er mich auf. „Das Entscheidende ist aber, dass man gut mit Leuten kann. Das ist das, was ich liebe.“ Dass ihm der Umgang mit Menschen liegt, merkt man sofort. Jeder einzelne Fahrgast wird begrüßt, für den ein oder anderen hält er einen Witz parat. Gern gibt er Auskünfte über Ticketpreise und Fahrpläne.

6.19 Uhr: „Jetzt wird es gleich voll“, warnt er mich. „Wenn die Schüler kommen, ist es manchmal wie bei der Raubtierfütterung“, lacht er. Holzner behält recht. Fast 70 Schüler steigen ein. Die Lautstärke nimmt deutlich zu, bevor viele der Zugestiegenen die Aufmerksamkeit wieder ihrem Handy widmen. Die meisten Schüler gehen ganz nach hinten, vorne will niemand sitzen: „Auch so ein Phänomen“, lacht Holzner.

Mittlerweile sind wir schon vier Stunden unterwegs. Der nächste Weg führt nach Kolbermoor. Entgegenkommende Busfahrer werden per Handzeichen begrüßt, auch über Funk tauscht man sich des Öfteren aus. „Wir haben eine tolle Mannschaft mit einer guten Mentalität. Das macht Spaß bei uns“, sagt der 32-Jährige.

300 bis 600 Fahrgäste täglich

Zwischen 300 und 600 Fahrgäste transportiert jeder Rosenheimer Busfahrer täglich pro Schicht schnell und sicher von A nach B. Holzner beispielsweise fährt immer erst dann los, wenn alle eingestiegenen Fahrgäste sitzen: „Die Sicherheit geht nun mal vor.“

Das Schönste an seinem Beruf: „Es wird nie langweilig, jeder Tag ist anders. Wenn sich Leute nach Wochen im Bus wieder treffen, kommt schon so eine Art Wohnzimmergefühl auf“, grinst Holzner.

Ein Wohnzimmer auf Reifen, in dem auch ich mich für acht Stunden aufhalten durfte mit dem Fazit: Busfahrer sind die wahren Helden des Alltags: Sie bewegen Rosenheim, sind ständig in Alarmbereitschaft, haben nur wenige Pausen und meistern auch schwierige und anstrengende Situationen mit Ruhe und Gelassenheit.

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