Im Gespräch mit Ingmar Töppel

„Verunsicherung ist groß“: Rosenheims Stadtverkehr-Chef zu neuen Corona-Beschränkungen

Der Geschäftsführer des „Stadtverkehrs Rosenheim“, Ingmar Töppel, wartet gespannt auf die weiteren Entwicklungen in Sachen Corona-Beschränkungen.
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Der Geschäftsführer des „Stadtverkehrs Rosenheim“, Ingmar Töppel, wartet gespannt auf die weiteren Entwicklungen in Sachen Corona-Beschränkungen.
  • Jens Kirschner
    vonJens Kirschner
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Rosenheim – Ab Montag gilt in Bayern: Nutzer von Bussen und Bahnen müssen während ihrer Fahrt eine FFP2-Maske tragen. Im Bund wird spekuliert, den öffentlichen Verkehr komplett einzustellen. Stadtverkehrschef Ingmar Töppel über die Befürchtungen ob und Folgen dieser Entwicklung

Herr Töppel, schon mit dem „Lockdown light“ sind die Fahrgastzahlen im ÖPNV bei Ihnen drastisch eingebrochen. Wie hat sich die Lage mit den weiteren Verschärfungen der Corona-Beschränkungen weiter entwickelt?

Ingmar Töppel: Mit dem ersten Lockdown sind uns 90 Prozent der Fahrgäste weggebrochen. Mühsam haben wir die Fahrgastzahlen wieder auf 30 Prozent gekitzelt, um jetzt wieder rund zwölf Prozent der ehemaligen Zahlen zu haben. Die Aufrufe, den Nahverkehr zu meiden finde ich unangemessen. Es gibt keine Studie, die den öffentlichen Nachverkehr als Infektionsherd belegt. Bis jetzt gab es keinen Fall von Corona unter meinen Fahrern! Und die sitzen täglich einen ganzen Arbeitstag im Bus.

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Jeder Fahrgast geht an ihnen vorbei; jeder Fahrscheinverkauf bringt mit sich, dass man sich näher kommt, statt die derzeit geforderten anderthalb Meter Abstand zu halten. Ich glaube nicht, dass wir unter zehn Prozent unserer üblichen Fahrgastzahlen fallen werden – aber wer weiß?

Vonseiten der Stadt Rosenheim gab es ja Signale, Ihr Unternehmen finanziell zu stützen. Flossen bereits Hilfen, und haben diese Ihnen finanziell ein wenig Luft verschafft?

Töppel: Wir sind wöchentlich mit dem Aufgabenträger in Kontakt und versuchen, gemeinsam den öffentlichen Personennahverkehr wieder vernünftig aufzusetzen. Mit dem neuentwickelten Fahrplan sind sogar schon die meisten Vorgaben aus dem Nahverkehrsplan 2019 umgesetzt. Wir haben viel erreicht: Es gibt den staatlichen Rettungsschirm, der einen Großteil der Fahrgeldverluste ersetzt, jedoch auf der anderen Seite die geringere Fahrleistung unserer Flotte gleich wieder abzieht, obgleich hier Mehrkosten entstehen.

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Dieses Instrument alleine würde bei längerem Fortgang der Pandemie zu ernsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten führen. Mit der Stadt haben wir zumindest für das erste Halbjahr 2021 eine vernünftige Regelung gefunden und arbeiten weiter an einer dauerhaften Lösung.

Keine verlässliche Info

Die Politiker in Bund und Land werden im Blick auf das Corona-Infektionsgeschehen zusehends nervöser und reagieren mitunter panisch – mit immer neuen Einschränkungen für die Bürger. In der Berliner Gerüchteküche wabert derzeit, die Kanzlerin fordere eine komplette Einstellung des öffentlichen Personenfern- und Nahverkehrs. Was würde dies für Ihr Unternehmen bedeuten?

Töppel: Meine Kristallkugel ist hier ebenso getrübt. Ankündigung und Dementi sind nachzulesen, eine verlässliche Info gibt es nicht. Wir werden alle gespannt nächste Woche auf die Entscheidungen warten.

Ab Montag gilt in Bayern für Fahrgäste des öffentlichen Verkehrs die Pflicht, Mund und Nase mit einer FFP2-Maske zu bedecken. Hat sich dies – auch vor Gültigkeit der neuen Regeln – bei den ohnehin schon eingebrochenen Fahrgastzahlen schon bemerkbar gemacht?

Töppel: Die Verunsicherung bei Mitarbeitern und Kunden ist groß. Während der ersten Woche gilt ja noch eine Kulanz – da werden wir die Fahrgäste darauf hinweisen, dass eine einfache Mund-Nasen-Bedeckung nicht mehr reicht.

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Dann müssen wir aber die Regelungen – wenn die bis dahin überhaupt noch Bestand haben – umsetzen. Wir haben für unsere Fahrer natürlich Masken besorgt und ausgegeben. Wir werden im Ticketzentrum und in den Bussen auch FFP2-Masken vorhalten, um nicht Fahrgäste in der Kälte lassen zu müssen, nur weil sie nicht die richtig Maske dabei haben.

Ferienfahrplan mit Ergänzungen

Was bedeutet die derzeitige Situation für den Fahrplan – wird die Taktung dünner?

Töppel: Diese Entscheidung wird gegebenenfalls noch mit dem Aufgabenträger gefällt. Momentan ist unsere gemeinsame Linie, dass wir den Ferienplan mit Ergänzungen der Schulanbindung – für die Notbetreuung –bis Ende Januar anbieten. Mit der weiteren Entwicklung werden wir gegebenenfalls nachsteuern. Aber hierzu gibt es noch keine konkreten Pläne.

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