VEREIN FÜR BODENSTÄNDIGE KULTUR

Rosenheims Szene: Thomas Dohle setzt sich seit 40 Jahren für Kultur ohne Grenzen ein

Wie alles begonnen hat: Thomas Dohle zeigt auf das Schild, das damals im Cafe Porös, dem ersten Lokal des Vereins hing.
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Wie alles begonnen hat: Thomas Dohle zeigt auf das Schild, das damals im Cafe Porös, dem ersten Lokal des Vereins hing.
  • vonKilian Schroeder
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Es gibt nichts, was es im „Verein für bodenständige Kultur“ nicht gibt. Seit 40 Jahren prägt der Verein, der auch die Kneipe „Vetternwirtschaft“ betreibt, die Rosenheimer Kultur. Und wenn auch Corona das Jubiläumsjahr verhagelt hat, wollen die Mitglieder in Zukunft weiter Veranstaltungen organisieren.

Rosenheim – „Der Verein ist aus Rosenheim nicht mehr wegzudenken“, sagt Thomas Dohle. Er ist der erste Vorsitzende des Vereins für bodenständige Kultur. Im Biergarten der Vetternwirtschaft erinnert er sich daran, wie er zu der Gruppe gekommen ist. „Ich bin das erste Mal 1987 in die Vetternwirtschaft gegangen. Und in den Neunzigern Vereinsvorsitzender geworden.“ Der Verein, das ist laut ihm ein Ort, an dem alles möglich sein soll: Konzerte, Ausstellungen, Theaterstücke, Videoproduktionen – alles soll gefördert werden.

Verein wurde 1980 gegründet

Hannes Opperer hat den „Verein für bodenständige Kultur“ im Jahr 1980 mit gegründet. Eher aus der alternativen Szene kommend, sei die feste Vereinsstruktur nicht unbedingt die erste Wahl gewesen. „Eigentlich war uns ein Verein damals zu hierarchisch. Wir waren eher anti-autoritär“, sagt Opperer.

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Das zeigt sich auch in der Satzung: Bewusst ist Kultur nicht konkret, sondern als „alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt“ definiert. Als Verein konnte das auch über Zuschüsse gefördert werden. „Er war perfekt für viele spontane Aktionen. Und das hat sich bis heute nicht geändert“, sagt Opperer. Auch wenn er damals nicht gedacht hätte, dass der Verein einmal 40 Jahre bestehen und über 200 Mitglieder haben würde.

Gebäude in Eigenarbeit renoviert

Angefangen hatte alles 1980 im „Cafe Porös“ in Raubling. Dann, zwei Jahre nach der Gründung, zog der „Verein für bodenständige Kultur“ auf das Gelände, wo er heute noch ansässig ist: zur Vetternwirtschaft. In Eigenarbeit haben die Mitglieder das Gebäude renoviert und nach und nach auch die Wiese drumherum für verschiedene Veranstaltungen hergerichtet.

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Heute ist dort ein Kinderspielplatz, mehrere Kunstwerke oder Theaterrequisiten und natürlich ein Biergarten. Im Nebenraum der Vetternwirtschaft haben schon verschiedenste Bands ihre ersten Bühnenerfahrungen gemacht – unter anderem soll die bekannte Rockband „Green Day“ mal in der „Vettern“ gespielt haben.

Nicht auf Kommerz aus

„Die Vetternwirtschaft ist einer der wenigen Flecken, die nicht auf Kommerz aus ist“, sagt Tobias Lange, der als Wirt ehrenamtlich im Lokal arbeitet. Der 30-Jährige ist erst 2015 zur Vetternwirtschaft gekommen, wurde aber schon bald zum Schriftführer im Vereinsvorstand. Für ihn ist der „Verein für bodenständige Kultur“ Heimat für verschiedenste Menschen: „Von 20 bis 70 Jahren, hier kann sich jeder ausleben.“

Wo die Kultur keine Grenzen kennt: In der Vetternwirtschaft hat der Verein seinen Sitz.

Theaterensembles, Videogruppe und Konzerte

Und das haben durchaus viele gemacht. In den vergangenen 40 Jahren haben sich Gruppen für alle möglichen kulturellen Bereiche gebildet: Es gibt Theaterensembles, eine Videogruppe, das Booking-Team für die Konzerte, eine Gruppe, die Kinderfeste organisiert und noch vieles mehr.

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Der Verein hat auch schon größere Veranstaltungen in der Stadt organisiert. Allen voran die „Zurschaustellung unnötiger Produkte“, bei der Künstler teilweise sogar am Max-Josefs-Platz skurrile Werke ausstellten. Oder wenn der Verein Maibäume aufstellte, die gerne auch mal ungewöhnlich ausfielen.

Festschrift veröffentlicht

Um das Jubiläum im vergangenen Jahr wenigstens etwas zu feiern, hat der Verein eine Festschrift veröffentlicht. Dohle hofft, dass in diesem Jahr wenigstens im Freien Veranstaltungen möglich sein werden. Unter anderem hätten sie ein „Kulturfest“ mit der Caritas geplant: Zusammen mit Asylbewerbern in der Region wollten sie Essen zubereiten, Kunst ausstellen und einfach feiern. Auch der Ehrenvorsitzende Reiner Sailer hofft auf den Sommer: „Wenn wir dürften, hätten wir viel in petto.“

Ein Blick in die Umgebung: Ein Kunstwerk im Garten der Vetternwirtschaft.

Auf der Suche nach jungen Menschen

Damit das auch in der Zukunft so bleibt, wünschen sich beide, dass wieder mehr junge Menschen in den Verein kommen. „Die ganz neue Generation, die Leute um die 20 fehlen gerade etwas“, sagt Dohle. Dann würden sie auch gerne wieder außerhalb des Vereinsgeländes an der Vetternwirtschaft Events planen.

„Wir wollen wieder mehr in die Stadt rein“, sagt Sailer. In den vergangenen Jahren sei ein großer Fokus auf Konzerten gelegen. „Es wäre gut, wenn wir wieder mehr mit bildender Kunst machen könnten“, sagt Dohle. Sie wollen die Öffentlichkeit auf den Verein aufmerksam machen.

Keine Grenzen gesetzt

Aber was ist eigentlich „bodenständige Kultur“. Reiner Sailer lacht, als er die Frage hört. „Das muss man wirklich wörtlich nehmen“, sagt er. „Bodenständige Kultur“ sei ein Statement dagegen gewesen, dass bayerische Kultur nur etwas mit Tracht und Bierfesten zu tun haben dürfe. „Für uns ist aber Kultur dann bayerisch, wenn sie auf bayerischen Boden stattfindet. Also ,bodenständig‘.“ Es ist also wirklich keine Grenze gesetzt.

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