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IN CORONAZEITEN

Rosenheims Sozialarbeiter wollen bloß nicht den Kontakt zu den Menschen verlieren

Im Bürgerhaus Happing bieten Mandy Flämig und Ilona Begici (von links) einmal die Woche ein vergünstigtes Menü für die Anwohner. Bei ihnen gibt es nicht nur Essen, sondern auch die ein oder andere Gelegenheit zum Plausch.
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Im Bürgerhaus Happing bieten Mandy Flämig und Ilona Begici (von links) einmal die Woche ein vergünstigtes Menü für die Anwohner. Bei ihnen gibt es nicht nur Essen, sondern auch die ein oder andere Gelegenheit zum Plausch.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Raus aus der Isolation, Menschen ans Tageslicht und zusammenbringen. Doch wenn die Bürgerhäuser in Rosenheims Quartieren schließen müssen, fehlt der Begegnungsraum. Es sei denn, man macht das Beste daraus.

Rosenheim– Isolation tut in diesen Tagen Not. Aber sie kann schmerzen – bisweilen sogar sehr. Die Rosenheimer „Kontaktstellen Bürgerliches Engagement“ (KBE) wollen Menschen zusammenbringen, gerade jene, die sonst kaum noch Bezugspersonen um sich herum haben. Und dann kam das Virus, kamen die Lockdowns und die Schließungen der Bürgerhäuser.

Die Basis bricht weg

Der Wegfall dieser Begegnungsstätten für die Rosenheimer Stadtquartiere fiel den KBE-Mitarbeitern mehr oder minder auf die Füße. Die Basis für ihre Projekte brach weg, im vergangenen Jahr gleich zweimal: im Frühjahr und seit November.

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Essen und Gespräche auf die Hand

Doch Not kann beflügeln: neue Projekte, die Begegnung ermöglichen, ohne die verordnete Distanz zu vernachlässigen. Vorhaben, die Beteiligten Sinn im Leben geben. Für die KBE-Mitarbeiter bedeutet das im vergangenen wie auch im laufenden Jahr: Die Arbeit muss nach draußen. Eines dieser neuen Projekte ist das „Bürgerhaus To go“.

Nachbarn spendieren Kuchen

Montags von 14 bis 16 Uhr gibt es dort Kaffee und Kuchen zum Mitnehmen, donnerstags wartet von 11.30 bis 13.30 Uhr eine warme Suppe auf die Anwohner rund um das Bürgerhaus an der Lessingstraße. Die Kuchen spenden Nachbarn - Anwohner der Straße - die Suppe kocht eine ehrenamtliche Helferin. Was zu Essen auf die Hand gibt es auch bei der „Happinger Mahlzeit“, wo Anwohner einmal pro Woche ein vergünstigtes Menü abholen können.

 „Es geht immer darum, soziale Härten abzumildern – unter Beachtung aller Hygieneregeln“

Andrea Dörries, Sozialarbeiterin

Soziale Härten abmildern

Es ist freilich kein Ersatz für einen Ort, an dem normalerweise Menschen zusammenkommen sollen, aber eine kurze Gelegenheit zum Ratschen ist zumindest drin. Das tröstet ein wenig darüber hinweg, das persönliche Begegnung derzeit schlichtweg nicht möglich sind. „Es geht immer darum, soziale Härten abzumildern – unter Beachtung aller Hygieneregeln“, sagt Andrea Dörries, die als Sozialpädagogin für die Kontaktstelle Rosenheim Ost arbeitet. Und das für alle, denen die Teilhabe am Leben in Deutschlands Gesellschaft erschwert und manchmal ganz unmöglich ist.

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Zu jenen, die sich in diesen Zeiten einsam fühlen, gehören nicht nur ältere Menschen. Auch Kinder und Jugendliche aus sozial schwächer gestellten Familien leiden wortwörtlich still darunter, dass es derzeit keinen Unterricht gibt, kein Training, keinen Verein. Sie fressen den Frust in sich rein. Das bringt mitunter finstere Gedanken hervor. Denn: „Für Kinder ist diese Situation eine riesige Härte“, berichtet Dörries. Sie erinnert sich an einen Zweitklässler.

„Mama, ich mag nicht mehr leben“

Auf ihm laste die verordnete Isolation und die Trennung von seinen Freunden derart, er habe bereits den Gedanken geäußert, sich das Leben nehmen zu wollen. „Mama, ich mag gar nicht mehr leben“, soll er zu seiner Mutter gesagt haben. So oder so geht es darum, den Menschen auch in diesen Tagen Sinn zu geben. Auch, weil Ehrenamt und Beteiligung in einem Quartier dazu führen, dass Menschen sich wohlfühlen. Immer dann, wenn sie sich einbringen können.

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Stadtteiltreffen nur noch virtuell

Doch mit dem Lockdown fielen auch die bisherigen Stadtteilversammlungen weg, die „Begegnungen auf Augenhöhe“, wie Karin Weiß vom Rosenheimer Bürgerhaus „Miteinander“ berichtet. „Hier hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt Weiß. Sechsmal im Jahr hätten Stadtteilbewohner bislang die Möglichkeit gehabt, sich auszutauschen.

Eigene Ideen einbringen

Gerade Kontakt zwischen Bürgern und Institutionen, die niederschwellige Möglichkeit, auch gegenüber Vertretern der Verwaltung eigene Ideen einzubringen, habe die Versammlung ausgezeichnet. Online soll das Format nun weitergehen, heute Abend ist Premiere. Mit der Konferenzsoftware Zoom wollen die Kontaktstellen unter anderem ein virtuelles Forum schaffen, um über einen interkulturellen Stadtteilgarten zu debattieren.

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