Im Gespräch

Rosenheims Gästeführer zu Corona und Rosenheim-Cop Joseph Hannesschläger

Trotz Lockdowns und abgesagter Stadtführungen guter Dinge: der Vorsitzende der Stadtführerzunft Rosenheim, Stefan Kürschner.
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Trotz Lockdowns und abgesagter Stadtführungen guter Dinge: der Vorsitzende der Stadtführerzunft Rosenheim, Stefan Kürschner.
  • Jens Kirschner
    vonJens Kirschner
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Seit dem Corona-Lockdown herrscht in Bayern touristischer Stillstand. Das bedeutet auch für Rosenheims Gästeführer eine unfreiwillige Pause. Ein Gespräch über den Neustart nach Ende des Lockdowns und Erinnerungen an den verstorbenen „Rosenheim Cop“ Joseph Hannesschläger.

Rosenheim – Rosenheims Gästeführer sitzen mehr oder minder auf dem Trockenen: Ende Oktober endeten durch den Corona-Lockdown auch die Führungen durch Rosenheim. Für den Vorsitzenden der Rosenheimer Stadtführerzunft dennoch kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

Wie gehen die Gästeführer mit dem Umstand um, dass es ihnen derzeit nicht möglich ist, Rosenheim zu präsentieren?

Stefan Kürschner: Wir machen das Beste daraus und verlieren unseren Optimismus nicht – in der Hoffnung, dass es im Laufe des Jahres wieder besser wird.

Rosenheim hat ja zu Glück prominente TV-Botschafter, die zumindest vom Namen her die Stadt weiter präsent halten: Die Rosenheim Cops machen für uns –  beziehungsweise die  Stadt – im Lockdown in gewisser Weise die Fremdenverkehrswerbung. Daher sind Rosenheim und somit auch wir nicht ganz aus dem Bewusstsein verschwunden.

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Der aufgebahrte Sarg von Rosenheim Cop Joseph Hannesschläger

Apropos: Jüngst jährte sich der Todestag Joseph Hannesschlägers alias Kriminalhauptkommisar Korbinian Hofer. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Schauspieler?

Kürschner: Joseph Hannesschläger war eine markante Erscheinung und der Sympathieträger der Rosenheim Cops. Er war ein Mensch wie du und ich und hat seine Bekanntheit nie groß in den Vordergrund gestellt. Ich konnte mich bei einem Sommernachtsfest des Drehteams mal länger mit ihm unterhalten. Da wurde mir schnell klar: Der lebt für seinen Beruf und seine Fans, leidet aber gleichzeitig – wie viele andere prominente Schauspieler – darunter. Er wurde ja überall sofort erkannt und dann auch von seinen Fans belagert. Das zerrt schon an den Nerven. Dennoch hat er sich bei öffentlichen Auftritten nie etwas anmerken lassen und ist allen Zuschauerwünschen nachgekommen. Beim Dreh konnte man dann wieder sehen, mit welcher Erfahrung und Souveränität er die Szenen gespielt hat, ohne dabei künstlich zu wirken. Ich denke, Josef Hannesschläger war der Zwilling von Korbinian Hofer – oder umgekehrt. Es war immer die Frage, wer gerade welche Rolle lebt.

Wie gehen die Gästeführer emotional mit dieser Situation um?

Kürschner: Am Anfang war es noch ungläubiges Staunen über das, was während der ersten Infektionswelle passiert ist. Es gab ein Auf und Ab und schließlich doch wieder Lockerungen. Beim zweiten Lockdown kam eher Verärgerung auf – und die Frage: Warum schon wieder, warum nicht gleich richtig und konsequent? Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch die Hoffnung, es geht jetzt doch weiter. Inzwischen herrscht fast Resignation: Man kann nichts an der Situation ändern – außer, sich aus dem Infektionsgeschehen so gut wie möglich rauszuhalten – und den Rest fast schon ohnmächtig ertragen. Ich denke, dies geht vielen Menschen so. Wir diskutieren natürlich immer wieder über die Situation via Internet, das tut gut und holt einen wieder etwas raus aus seinem emotionalen Keller. Aber im Grunde ist es schwer zu ertragen, wenn auch nicht zu ändern in der derzeitigen Situation.

Gab es schon Absprünge oder bleiben die Gästeführer bei der Stange?

Kürschner:Nein, wir Gästeführer machen die Führungen aus Leidenschaft und Liebe zur Stadt Rosenheim. Natürlich ist das ein Job, den man immer gerne ausüben will. Aber Gästeführer gehören nun mal nicht zur Grundversorgung; wir sind keine Dienstleistung, die unbedingt – mit großem Aufwand – vorgehalten werden muss. Wir sind gerne Stadtführer und werden das auch nach der Pandemie noch sein. Dazwischen ist halt jetzt leider ein langer Leerlauf.

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Gibt es in der Zwischenzeit eine andere „Beschäftigung“ für die Gästeführer?

Kürschner: Einige Kollegen haben einen Hauptberuf, den sie während des Lockdowns mehr oder weniger ausüben. Das lenkt schon mal ein wenig ab. Andere sind aber genauso wie viele andere Mitmenschen im familiären Hamsterrad gefangen. Man versucht eben, das Beste daraus zu machen. Leider nehmen ja die privaten Beschäftigungsmöglichkeiten auch noch fast wöchentlich ab.

Wir nähern uns wieder einem sehr harten Lockdown wie in der ersten Infektionswelle – das betrifft uns genauso wie alle anderen auch. Da freut man sich über jede legale Abwechslung – und sei es nur Schnee schaufeln  (lacht).

Nutzen Sie und Ihre Kollegen die Zeit ohne Führungen für anderweitiges, zum Beispiel die Entwicklung neuer Konzepte?

Kürschner:Wir erleben derzeit die Stunde des Gästeführers. Dank Internet kann man heute doch recht gut recherchieren, was es alles in der Stadt einmal gab.

Wie sieht das konkret aus?

Kürschner:Einige Kollegen nutzen den Stillstand, um neue Themenführungen zu entwickeln, aber auch um Führungen weiter zu verfeinern, die im vergangenen Jahr nicht länger möglich waren. Wir standen und stehen immer im Austausch mit der Touristinfo Rosenheim. Mit den Kollegen sprechen wir über aktuelle Entwicklungen und bereiten uns auf die Zeit nach der Pandemie vor.

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Welche Hoffnungen verbinden Sie mit einem Ende des Lockdowns? Wird es schwierig, Ihre Veranstaltungen wieder zum Laufen zu bringen?

Kürschner:Meine Hoffnung ist, dass man aus dieser Krise lernt und nicht alles nach der Impfung komplett vergisst. Es gibt diesen Spruch: Die Krise als Chance nutzen. Weltweit könnte man einiges weiterentwickeln. Aber wir werden sehen, was übrig bleibt. Generell erhoffe ich mir die Rückkehr zu einem halbwegs geordnetem und verlässlichem Leben. Aber auch, dass wir mit den Führungen wieder so gut starten können wie nach dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr.

Welche Wünsche verbinden Sie mit der kommenden Saison?

Kürschner:Ich wünsche mir, dass man sich in diesem Jahr genauso an einen schönen Urlaub in Bayern erinnern kann wie in den kommenden Jahren. Damit würde man über den Individualtourismus alle Beteiligten stärken, und davon würden auch die Teilnehmerzahlen unserer Führungen profitieren.

Wo sehen Sie hier noch Schwierigkeiten?

Kürschner:Schwieriger ist es derzeit wohl eher für die Busreise-Branche. Viele Unternehmen müssen ihre gewohnten Abläufe erst wieder aufbauen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in diesem Jahr Busreisen ganz ohne Auflagen möglich sein werden.  Das wird ein dickes Brett, das die Busunternehmen bohren müssen. Wir freuen uns jedenfalls auf alle Gäste, die nach Rosenheim kommen. Diesen wollen wir eine schöne Zeit in unserer Stadt ermöglichen.

Wie soll das aussehen?

Kürschner:Mit der Touristinformation haben wir schon nach dem ersten Lockdown ein gutes Konzept aufgelegt, um Führungen durch die Stadt maximal risikofrei zu gestalten. Angefangen vom Online-Ticketverkauf, der Registrierung bis hin zur individuellen Gruppeneinteilung. Damit dürfte der Start in eine neue Saison gut gelingen. Jetzt gilt es aber erst mal, die Pandemie zu überwinden und dass alle gesund bleiben. Das ist derzeit das Wichtigste!

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