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Beate Albrecht im Interview

„Da ist durchaus Nachholbedarf“: Rosenheims erste Rotary-Präsidentin über ihre Ziele und Pläne

Kürzlich wurde Beate Albrecht erste Präsidentin des RC Rosenheim. Von links Georg Schell, Präsident 2021/2022, Walter Thurl, Beate Albrecht, Heinrich Koula, Präsident 2020/2021, Ehrenmitglied Hubert Wagner.
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Kürzlich wurde Beate Albrecht erste Präsidentin des RC Rosenheim. Von links Georg Schell, Präsident 2021/2022, Walter Thurl, Beate Albrecht, Heinrich Koula, Präsident 2020/2021, Ehrenmitglied Hubert Wagner.
  • Thomas Stöppler
    VonThomas Stöppler
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Beate Albrecht ist kürzlich zur ersten Präsidentin des Rotary Clubs Rosenheim gekürt worden. Im Interview spricht sie über ihre Pläne und über Frauen und Familie im Rotary Club.

Herzlichen Glückwunsch zur Präsidentschaft, Frau Albrecht. Damit sind Sie die erste Frau im Präsidentenamt des Rotary Clubs Rosenheim.

Albrecht: Für den Rotary Club Rosenheim ist das etwas Besonderes. Ich freue mich sehr, dass ich dieses Amt bekleiden darf und habe natürlich auch ganz bestimmte Vorstellungen, wie ich das Amt ausfüllen möchte. Aber generell ist es nicht so, dass bei den Clubs in Deutschland Frauen nicht aufgenommen oder dieses Amt ausfüllen würden. Der RC Chiemsee hat jetzt zum Beispiel das zweite Mal eine Präsidentin. In Rosenheim werden seit 2015 Frauen aufgenommen. Die erste war übrigens Ilse Aigner. Und mich freut ganz besonders, dass sie den ersten Vortrag in unserem Club hält. Darauf freuen sich auch alle rotarischen Mitglieder.

Das ist ja gerade mal seit sieben Jahren.

Albrecht: Wir sind auch erst sechs Frauen, da ist durchaus Nachholbedarf. Ich sehe es auch als Aufgabe für mich in meinem Jahr an, mehr Frauen für uns zu gewinnen. Aber eigentlich bin ich der Meinung, es kommt auf die Persönlichkeiten an und nicht auf das Geschlecht. Es muss jemand zu Rotary passen, und dann ist es nicht ganz so wichtig, ob Mann oder Frau.

Was muss man denn mitbringen, damit man zu Rotary passt?

Albrecht: Also das Motto von Rotary ist „selbstlos dienen und sich sozial zu engagieren“. Diese Bereitschaft muss da sein. Das Motto vom RC Rosenheim ist „Alles wahres Leben ist Begegnung“ – ein Zitat von Martin Buber –, und das ist uns auch wichtig. Dass man sich begegnet und auch Kontakt zu anderen Kulturen, zu anderen Menschen, zu anderen Problemen aufbaut. In meinem Jahr habe ich das Motto „Freundschaft, Kinder und Natur“ ausgesucht. Mir ist es wichtig, dass die Freundschaft im Club stark ist, denn nur dann kann er die Freundschaft nach außen tragen und soziale Aktionen durchführen.

Und die Kinder?

Albrecht: Wir wollen uns besonders bei der Mattisburg engagieren. Ein Projekt, bei dem eine Zuflucht am Chiemsee in einem Gebäude vom Kloster Frauenwörth für traumatisierte Kinder geschaffen wird. Das Projekt begeistert mich persönlich ganz besonders. Die Sorge um Kinder ist ein zentrales Thema unserer Gesellschaft, Kinder sind unsere Zukunft. Wir müssen sie so gut es geht schützen. Auch die Spenden unseres Sommerfests gehen an die Mattisburg. Weiter wollen wir das ambulante Kinderhospiz München unterstützen. Neben den Spenden, die aus dem Club selbst kommen, veranstalten wir noch ein Benefizkonzert mit dem Ignaz-Günter-Gymnasium.

Mein Großvater war Rotarier. Ich hatte das immer so verstanden, dass sich da alte Männer zum Essen treffen und nachher ein bisschen Geld spenden.

Albrecht: Dieses Image wollen wir auch bekämpfen, aber es ist oft noch die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Das Ziel ist eigentlich, dass man Mitglieder aus verschiedenen Berufsgruppen zusammenbringt und dass die Power, die sie aus diesen Berufen haben, in soziale Projekten fließt. Es geht nicht nur ums Geld. Das braucht man auch, aber es geht auch ums Kümmern, um den Einsatz. Wir überweisen nicht einfach nur Geld irgendwohin, sondern fahren zum Beispiel mit Hilfsgütern in die Ukraine.

Der erste Vortrag kommt jetzt von einer Frau. Ist das ein Signal an die Männer: Hier weht jetzt ein neuer Wind?

Albrecht: So direkt wollte ich es jetzt nicht formulieren. Aber natürlich springt es einen schon an, dass der erste Monat sehr durch Vorträge von Frauen geprägt ist. Und ich habe auch einige abendliche Sondervorstellungen – unser Club ist ja eigentlich ein Mittagsclub – bei denen überwiegend die Partnerinnen von rotarischen Freunden Vorträge halten. Weil da haben wir so viel zu bieten. Das ist nicht nur auf die Clubmitglieder beschränkt.

Also eine Öffnung?

Albrecht: Das würde ich mir wünschen. Ich möchte nicht, dass das ein Freundeskreis ist, bei dem nur an Weihnachten die Partner kommen dürfen. Die Familien sollen sich bei jedem Meeting willkommen fühlen.

Mein Großvater ist aber sicher auch Rotarier gewesen, um vor seiner Frau und seinen fünf Kindern zu flüchten.

Albrecht: Das ist schon eine gewisse Wende in unserem Club. Unsere Mitglieder sind ja meist noch berufstätig. Und die sollen sich dann immer von der Familie verabschieden und sagen „Tschüss, ich bin jetzt bei Rotary“? So soll es ja nicht sein. Es soll so sein, dass sie sagen können: Wir gehen gemeinsam hin.

War es schwer, sich gegen die Männer durchzusetzen?

Albrecht: Die Aktionen in einem Club sollen ja immer gemeinschaftlich ablaufen. Auch der Präsident muss seine Aktionen mit dem Vorstand besprechen – das erste Meeting mit dem Vorstand war übrigens am Weltfrauentag. Also, ich bin kein Einzelkämpfer, das wäre ja nicht das Ziel. Man kann ja auch in einem Unternehmen eine sehr stringente Linie haben und trotzdem die Mitarbeiter viel mit einbinden. Mir ist das wichtig, die Aktionen gemeinsam abzustimmen.

Ist das etwas typisch weibliches? Dass man versucht, andere mehr mit einzubinden?

Albrecht: Ich glaube nicht, das ist mehr eine Frage von persönlicher Haltung. Je mehr gemeinsam an einem Strang ziehen, desto besser kommt man ans Ziel.

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