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Zahl der Betreuungsfälle steigt

Rosenheims Caritas Kreisgeschäftsführer Erwin Lehmann fordert in puncto Pflege ein Aufwachen

Caritas Kreisgeschäftsführer Erwin Lehmann nimmt Stellung zu den vergangenen Jahren.
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Caritas Kreisgeschäftsführer Erwin Lehmann nimmt Stellung zu den vergangenen Jahren.
  • VonJohannes Thomae
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Knapp zehntausend „Betreuungsfälle“ verzeichnete die Caritas im vergangenen Jahr in Stadt und Landkreis Rosenheim. Kreisgeschäftsführer Erwin Lehman betonte, dass eine Unterstützung der Gesellschaft ohne die Spenden nicht möglich wäre.

Rosenheim – Rund eine halbe Million Euro erhielt die Organisation vergangenes Jahr aus den Caritassammlungen. Das sind 60 Prozent des entsprechenden Gesamtbetrages, 40 Prozent verbleiben in den Pfarreien, die sie ihrerseits für karitative Zwecke verwenden. Eine weitere Million erhielt die Rosenheimer Caritas aus dem Kirchensteueranteil, der auf die Diözese entfiel. Zusammen eineinhalb Millionen aus „Bürgermitteln“. Damit wurde rund 30 000 Menschen geholfen. Das etwas unschöne Wort von den „Betreuungsfällen“, so sagte Lehmann, habe er eingangs deswegen gewählt, weil sich hinter einem Fall meist nicht nur ein einzelnes Schicksal verberge, sondern in der Regel mehrere Menschen betroffen seien.

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Der Tätigkeitsbereich wäre dabei weit gesteckt, wie der Kreisgeschäftsführer erläuterte. Er reiche von den Kindertagesstätten bis zur Unterstützung und Betreuung von Senioren. Das seien auch die Bereiche, die in der Öffentlichkeit meist mit der Caritas verbunden würden. Viele andere Einsatzfelder, wie beispielsweise der sozialpsychiatrische Dienst, blieben unbemerkt. Immer mehr Menschen leiden nicht nur an körperlichen, sondern auch an psychischen Erkrankungen. Die unmittelbare Hilfe käme dabei von Ärzten und Kliniken, was den Menschen auf Dauer noch nicht weiter helfe. Sie bräuchten oft längerfristig Unterstützung und einen festen Ansprechpartner, was sie mithilfe der Caritas fänden. Die Corona-Pandemie brächte aber auch Menschen, die nicht direkt an einer psychischen Erkrankung leiden, an ihre Grenzen, merkt der Kreisgeschäftsführer an. Ängste die bisher nur latent vorhanden wären, würden plötzlich akut und brächten Menschen in zum Teil lebensbedrohliche Gemütszustände. Hier hilft der psychiatrische Krisen-Dienst der im Notfall ausrückt. Etwa 120 derartige Einsätze verzeichnete die Caritas in Stadt und Landkreis im vergangenen Jahr.

Corona-Krise stellt die Caritas vor Herausforderungen

Ganz allgemein, so Erwin Lehmann, habe die Corona-Krise aber alle Bereiche der Caritas vor zusätzliche und teilweise neue Herausforderungen gestellt. Etwa in der Seniorenbetreuung habe sich gezeigt, dass eine aktive Teilhabe an der Gesellschaft immer mehr von einer digitalen Grundkompetenz abhänge. Für viele Senioren sei zum Beispiel die Anmeldung zu Impfterminen, die eine E-Mail-Adresse und ein Smartphone voraussetzte, schlicht unmöglich gewesen. Die Caritas fungierte dabei teilweise als Zwischenstelle für die Anmeldung. Das längerfristige Ziel ist es, die Senioren fürs digitale Zeitalter fit zu machen, wobei die Seniorenbegegnungsstätte in der Reichenbachstraße Kurse anbietet. Noch stärker betroffen, so der Kreisgeschäftsführer, sei die gesamte Kinder- und Jugendbetreuung. Hier träfen die Herausforderungen, die der Krieg in der Ukraine nach sich zieht, auf ein schon durch Corona vollkommen überstrapaziertes Personal.

Kaum ein Monat Regelbetrieb in den Kindertagesstätten

In den vergangenen zwei Jahren habe es in den Kindertagesstätten kaum einen Monat mit Regelbetrieb gegeben, sondern vielmehr ein Arbeiten im ständigen Ausnahmezustand. Die Belastung sei durch zusätzlichen bürokratischen Aufwand, wie etwa die Überprüfung des Impfstatus der Kinder verschärft worden. „Die Kitas wurden so faktisch zu Außenstellen der Gesundheitsämter“, so Lehmann. Zu dieser Gesamtbelastung folgt nun die Herausforderung, für die geflüchteten Ukrainekinder möglichst schnell Kita-Plätze bereitzustellen. Eine Aufgabe, die für den Caritas-Kreisgeschäftsführer nicht zuletzt auch mehr Flexibilität in der Politik voraussetzt: „Es muss in dieser Situation möglich sein, dass das Personal der Kitas auch von Mitarbeitern unterstützt werden kann, die keine hochprofessionelle pädagogische Gesamtausbildung haben.“

Krise mit Ansage

Gewissermaßen ein Aufwachen forderte Lehmann auch für das gesamte Feld der Pflege. Der größte Pflegedienst in der Bundesrepublik seien die pflegenden Angehörigen. Noch sei die Situation mit ihrer Hilfe zu bewältigen, doch die Zahl der alten, auch hochaltrigen und damit pflegebedürftigen Menschen steige zusehends. Die Entwicklung der Zahlen sei bekannt, es sei sozusagen eine Krise mit Ansage. Eine Verbesserung der Bedingungen in den Pflegeberufen sei ein wichtiger Ansatz, doch vor allem mittelfristig führe auch hier kein Weg an einer Unterstützung durch die gesamte Gesellschaft vorbei. Das Ehrenamt, die gesellschaftliche Teilhabe vieler, wird in Zukunft auf allen Feldern wichtiger werden denn je.

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