Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Auf eine Lesereise durch Umbrien

Rosenheimerin läuft für Buch drei Mal um den „Brunnen der Verrückten“ - und erhält dafür eine Urkunde

Die Piazza vor dem Dom von Spoleto ist einer von vielen Sehenswürdigkeiten in Umbrien.
+
Die Piazza vor dem Dom von Spoleto ist einer von vielen Sehenswürdigkeiten in Umbrien.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
    schließen

Rosenheim – Mittelalterliche Burgen, die Verrückten von Gubbio und das kleinste Theater der Welt in Monte Castello: Die italienische Region Umbrien hat viel zu bieten und führt doch ein Schattendasein. Das wollen die beiden Rosenheimer Autoren Julia Lorenzer und Fabian Marcher jetzt ändern – und nehmen die Leser in ihrem neuen Buch mit auf eine Reise durch Umbrien.

Erst vor zwei Jahren haben Sie die Toskana erkundet und darüber ein Buch geschrieben. Jetzt folgt Umbrien. Warum gerade diese Region?

Julia Lorenzer: „Ich habe vor 15 Jahren an der Ausländeruniversität in der Stadt Perugia studiert und wollte schon immer zurück. Nachdem wir unsere Reise durch die Toskana beendet hatten, haben wir unserem Verlag vorgeschlagen, ob wir nicht über Umbrien schreiben könnten. Auch weil die Region in unseren Augen schon lange ein Schattendasein führt. Und dabei ähnelt Umbrien in vielen Punkten der Toskana.“

Fabian Marcher: „Aber es liegt eben nicht am Meer. Viele haben von Umbrien noch nicht einmal gehört. Sie kennen vielleicht nur Assisi, aber das war’s dann auch schon. Und selbst wir kannten zu Beginn unserer Reise nur einige wenige Sehenswürdigkeiten. Dabei liegt Umbrien direkt in der Mitte Italiens. Und ist deutlich günstiger als beispielsweise ein Urlaub in der Toskana.“

Wie läuft so eine Lesereise normalerweise ab?

Lorenzer: „Vor Beginn unserer Reise machen wir eine Liste, mit den Orten, die wir unbedingt sehen wollen. Wir recherchieren, lesen Reiseführer. Dann mieten wir uns eine Wohnung, von der aus wir die Region erkunden. In Umbrien waren wir von September bis Dezember 2020. Also auch über Weihnachten und Silvester.“

Marcher: „Allerdings mussten wir uns ziemlich beeilen, weil wir wussten, dass Italien einen neuen Lockdown verhängen wird. Weil der dort noch strenger als in Deutschland war, hätte das bedeutet, dass wir unsere Gemeinde nicht mehr hätten verlassen dürfen. Damit wäre unsere Entdeckungstour ins Wasser gefallen. Also mussten wir uns alles so schnell wie möglich anschauen. Und in den vier Wochen, die uns zur Verfügung standen, wurde unsere Liste immer länger.“

Julia Lorenzer.

Wie das?

Marcher: „Während der Fahrten an unsere Zielorte sind wir an ganz anderen Sehenswürdigkeiten vorbeigekommen, die wir uns dann anschauen wollten. Hinzu kamen Gespräche mit unserem Vermieter oder den Einheimischen, die uns auch immer wieder Tipps gegeben haben. So haben wir beispielsweise auch das Teatro della Concordia von Monte Castello di Vibio entdeckt, das als das kleinste Theater der Welt gilt.“

Lorenzer: „In Umbrien gibt es übrigens auch den größten Weihnachtsbaum der Welt am Hang des Monte Ingino, der Gubbio mit seinen farbigen Lichteffekten beleuchtet. Den kannten wir bis dahin nur aus dem Fernsehen.“

Zwischen all diesen besonderen Momenten und Orten: Welcher ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Marcher: „Für mich war das sicherlich der Besuch der Stadt Deruta. Dort gibt es neben einem Keramikmuseum auch ein Geschäft, in dem aus Keramik perfekt funktionierende Gitarren geschaffen werden. Sogar der legendäre Carlos Santana hat aus dieser Stadt eine seiner Gitarren.

Lorenzer: „Das war für Fabian deshalb so besonders, weil er selbst Gitarre spielt.“

Marcher: „Als ich gesehen habe, dass die Musikinstrumente knapp 15 000 Euro kosten, habe ich sie schnell wieder zur Seite gelegt (lacht).“

Wie schafft man es, aus all diesen besonderen Erlebnissen und Momenten diejenigen auszuwählen, die es letztendlich in das Buch schaffen?

Lorenzer: „Das ist tatsächlich gar nicht so einfach. Gerade in Umbrien gibt es so viele interessante und spannende Orte, angefangen von der Ausländeruniversität bis hin zu dem vom Erdbeben getroffenen Dorf Castelluccio di Norcia.“

Für wen ist Umbrien ein absolutes Muss-Reiseziel?

Lorenzer: „Für all diejenigen, die sich für Kunst und Kultur interessieren. Außerdem dreht sich in der Region viel um das Thema Spiritualität. Man kann zudem gut wandern gehen. Ich glaube, es ist ein guter Ort, um ein Stück authentisches Italien zu finden.“

Marcher: „Es gibt auch viele Mittelalter-Feste. Für Fans dieser Epoche ist Umbrien ebenfalls einen Besuch wert.“

Fabian Marcher.

Was war in das Kurioseste, was Sie erlebt habt?

Lorenzer: „Der ‚Brunnen der Verrückten‘ in Gubbio. Er befindet sich auf einer Piazza im Ortskern und wird als Treffpunkt genutzt. Es heißt, dass alle, die dreimal um den Brunnen herumlaufen, ebenso verrückt werden, wie die Bewohner der Stadt. Besucher können sogar eine „Matto die Gubbio“-Lizenz bekommen, nachdem sie den Brunnen dreimal umrundet haben.“

Marcher: „Die haben wir natürlich auch“.

Könnten Sie sich vorstellen, auch ein Buch über ein anderes Land zu schreiben?

Marcher: „Etwas an Italien zieht uns immer wieder magnetisch an. Wir haben es mal mit Südfrankreich versucht und haben am Abend sogar angefangen, italienisches Fernsehen zu schauen, weil wir so Sehnsucht hatten.“

Sie verbringen einen Großteil Ihrer Zeit in Italien. Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann einmal auszuwandern?

Marcher: „So weit sind wir noch nicht. Die Bürokratie in Italien ist wahnsinnig kompliziert. Zudem ist das Gesundheitssystem in Deutschland wesentlich besser. Wir verbringen deshalb auch viele Monate im Jahr in Rosenheim bei unserer Familie und unseren Freunden. Den Rest der Zeit reisen wir durch Italien.“

Lorenzer: „Viele beneiden uns, um diesen Lebensstil. Und es ist auch schön. Aber man darf auch nicht vergessen, dass wir im letzten halben Jahr in acht verschiedenen Wohnungen gelebt haben. Das ist eine sehr privilegierte Sache, aber uns fehlt es dabei oft auch an Alltag oder Routine.“

Mehr zum Thema

Kommentare