Offener Brief an den Dehoga

Rosenheimer Wirt Toni Sket findet: Gastronomen sind so relevant wie Bäcker und Metzger

Macht seinem Ärger schriftlich Luft: Der Rosenheimer Gastwird Toni Sket hat einen offenen Brief an den bayerischen Gaststättenverband Dehoga geschrieben.
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Macht seinem Ärger schriftlich Luft: Der Rosenheimer Gastwird Toni Sket hat einen offenen Brief an den bayerischen Gaststättenverband Dehoga geschrieben.
  • vonJens Kirschner
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Der Rosenheimer Gastwirt Toni Sket ist sauer. Zumindest lässt sich dies ohne Schwierigkeiten aus einem offenen Brief herauslesen, den Sket an den bayerischen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga geschickt hat. In diesem kritisiert der Gastronom, dass die Interessenvertreter zu wenig Lobbyarbeit leisten.

Rosenheim – Konkret stört Sket in dieser Sache ein Umstand: Supermärkte dürfen öffnen, Gaststätten müssen geschlossen bleiben. In seinen Augen gehören aber gerade Speiselokale wie seine genauso zur Grundversorgung wie Tankstellen oder Apotheken. Sein Gefühl: Man wirft ihn und Vergnügungslokale in einen Topf, und das passt einfach nicht, meint der Gastronom. 

Gastronomie als Grundversorgung

Sein Schreiben hat er an die Vorsitzende der Dehoga Bayern, Angela Inselkamm er, geschickt. „Warum sollten wir, die traditionsreichen Speiselokale, wo wir ausschließlich Essen im Zentrum bis 21 Uhr anbieten, auch als gastronomischer Betrieb mit den Vergnügungslokalen gleichgestellt werden?“, fragt Sket die Dehoga-Landespräsidentin in seinem Brief.

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Die Gastwirte seien für die Versorgung ihrer Kunden ebenso da wie Metzger, Bäcker oder Supermärkte. „Das sollte nicht unterschieden werden“, meint Sket und fordert eine Lösung für den „nächsten Lockdown“. Denn er vermutet, dass es mit dem 31. Januar mit dem geltenden Öffnungsverbot wohl noch nicht vorbei sein dürfte. Ebenso sinnvoll wäre nach seiner Vorstellung, wenn sich die Politik zu einem grundsätzlich verminderten Mehrwertsteuersatz für Speisen und Getränke der Gastronomie durchringt.

Dreiviertel der Betriebe gefährdet

Beim Landesverband zeigt man Verständnis für den Unmut Toni Skets, weist aber den Vorwurf zurück, man sei nicht wirklich hinterher, der Politik die Sorgen und Nöte der Gastwirte in Bayern deutlich zu machen: „Wir können trotz unseres unermüdlichen Engagements den verzweifelten Hilferuf von Toni Sket absolut verstehen. Man muss sich vor Augen führen: Dreiviertel aller Hoteliers und Gastronomen sehen ihren Betrieb durch die Corona-Krise in seiner Existenz gefährdet und ein knappes Viertel zieht trotz ausgesetzter Insolvenzantragspflicht bereits konkret eine Betriebsaufgabe in Erwägung“, meint der Verband auf Anfrage. .

Verzweiflung nimmt überhand

Sket sei kein Einzelfall. „Wir versuchen nach wie vor mit aller Kraft, die Pandemie zu überstehen und mit Zuversicht in das zweite Coronajahr zu schauen“, beschreibt Dehoga-Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer die Situation. Angesichts der Verlängerung des Lockdowns bis Ende Januar nehme allerdings in weiten Teilen des Gastgewerbes die Verzweiflung und auch die Existenzangst überhand.

Beihilferahmen erhöhen

Dabei rennt Sket mit seinen Forderungen ohnehin bei der Dehoga Bayern offene Türen ein, denn „Der Lockdown kann nicht ewig ohne eine echte Perspektive verlängert werden“, sagt der Dehoga-Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert. Man erwarte „Planbarkeit und Verlässlichkeit“ politischer Entscheidungen. Geppert verweist auf weiteren politischen Handlungsbedarf: „Größere Betriebe oder verbundene Unternehmen können beispielsweise aktuell nur einen Antrag bis zur beihilferechtlich zulässigen Höchstgrenze stellen. Das geht nicht. Der EU-Beihilferahmen muss ausgesetzt oder zumindest deutlich von einer auf fünf Millionen erhöht werden.

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Die in Zeiten wirtschaftlichen Wohlstandes gesetzten Obergrenzen können nicht Maßstab inmitten der schlimmsten Krise seit Ende des Zweiten Weltkrieges sein.“ Zudem brauche man einen bayerischen Sonderfonds für Härtefälle, ,,die unverschuldet in Not geraten und bislang durch jegliches Raster gefallen seien“, ergänzt Dehoga-Landespräsidentin Inselkammer. Ohne finanzielle Hilfen könnten Arbeitsplätze nicht erhalten werden.

Albrecht: Verband tut, was er kann

Auch die Rosenheimer Dehoga-Kreisvorsitzende Theresa Albrecht zeigt Verständnis für Sket, muss jedoch konstatieren: „Der Verband tut, was er kann, findet aber in der Politik kaum Gehör und ist offenbar nicht systemrelevant“, klagt sie. Albrecht ist sich sicher: In Hotels und Gaststätten sei das Ansteckungsrisiko ungleich geringer als in Privathaushalten, wo keine Hygienekonzepte einzuhalten seien.

„Das Gastgewerbe muss bei Lockerungen der jetzt nochmals verlängerten Maßnahmen von Anfang an dabei sein. Pandemiebekämpfung und ein offenes Gastgewerbe mit Hygienekonzepten stehen nicht im Widerspruch. Wir sind Teil der Lösung und nicht Teil des Problems“, meint die -Landesverbandspräsidentin.

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