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Interview mit Oliver Kirchner

Geschäftsführer der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft findet: „Busse am Sonntag sind Daseinsfürsorge“

Der Geschäftsführer der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft, Oliver Kirchner.
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Der Geschäftsführer der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft, Oliver Kirchner.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Bislang stehen die Busse in Rosenheim an Sonntagen in den Depots. Das könnte sich bald ändern. So plant zumindest der Geschäftsführer der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft, Oliver Kirchner. Auch an anderer Stelle soll sich das Angebot künftig verbessern.

Rosenheim – Seit Januar führt der Verkehrsplaner Oliver Kirchner die Geschäfte der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft. Der gebürtige Bad Homburger stellte sich am Mittwoch erstmals den Rosenheimer Stadträten vor. Mitden OVB-Heimatzeitungen sprach er über die Situation des Rosenheimer Stadtverkehrs und seine Pläne, diesen zu optimieren.

Den Rosenheimer Stadträten berichteten Sie: Sie hätten Ihr Leben lang nichts anderes gemacht als „Bus und Bahn“. Woher stammt diese Verbundenheit mit dem ÖPNV?

Oliver Kirchner: Ich habe quasi mein Hobby zum Beruf gemacht: Bus und Bahn haben mich schon von klein auf fasziniert. Sei es das Bereisen von Bahnstrecken als auch Besichtigungen von Städten und Regionen – vornehmlich in Deutschland, Österreich, Schweiz und Luxemburg. Und dann war da immer der Blick auf den ÖPNV vor Ort. Das heißt: Wie ist der öffentliche Nahverkehr in der jeweiligen Region organisiert, also welche Fahrzeuge werden eingesetzt, welche Strecken werden befahren, wie ist die Frequenz, wie ist die Abschlusssituation? Gerade das Zusammenspiel der Zahlen ist ja das Interessante!

Auch sonntags sollen die Busse in Rosenheim künftig fahren. Diese Vorstellung hat der Geschäftsführer der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft, Oliver Kirchner.

Mit welchen Erwartungen haben Sie sich für die Stelle bei der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft entschieden?

Kirchner: Ich möchte den ÖPNV in Stadt und Landkreis weiterentwickeln, da meines Erachtens viel verborgenes Potenzial bisher nicht genutzt wird. Dazu gehört im Zuge der Umsetzung des Nahverkehrsplanes einerseits die Erhöhung der Fahrplanfrequenz, andererseits im Zuge dessen eine Vertaktung beziehungsweise Rhythmisierung und Abstimmung der Fahrpläne untereinander. Insbesondere die im Umland vorherrschenden Bedienungsdefizite in den kommenden Jahren zu minimieren, wird eine Herausforderung sein.

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Gibt es weitere Dinge, die zu stemmen sind?

Kirchner: Eine weitere Herausforderung wird sein, im ÖPNV die Staatsgrenze aus den Köpfen zu bekommen. Es gibt genügend Tiroler, die in Stadt und Landkreis und darüber hinaus zur Arbeit fahren, einkaufen gehen oder dort ihre Freizeit verbringen. Andererseits gibt es viele Rosenheimer, die tagtäglich in benachbarte Landkreise oder insbesondere auch nach Tirol pendeln. Hier ist natürlich auch Tirol mit in der Verantwortung, seinen Beitrag dazu zu leisten.

Wie sind sie im Januar in Rosenheim empfangen worden?

Kirchner: Sehr herzlich und gefühlt mit offenen Armen. Hilfreich war natürlich auch, dass ich viele Akteure durch meine Zeit beim Amt der Landesregierung im Zuge der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit kenne.

Welche Situation fanden Sie beim Rosenheimer ÖPNV nach ihrem Antritt im Januar vor?

Kirchner: Coronabedingt einen teilweise eingeschränkten ÖPNV, der leider noch immer massiv unter dem pandemiebedingten Rückgang der Fahrgastzahlen leidet. Des Weiteren sind allerdings einige Haltestellen sowie die Bewerbung des vorhandenen Angebotes ausbaufähig.

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Welche Strukturen gehören Ihrer Meinung nach auf den Prüfstand?

Kirchner: Allgemein wichtig wird sein, Land und Leute mehr für den ÖPNV zu sensibilisieren und ein vermehrtes Umdenken hin zu Bus und Bahn zu erreichen. Denn: ÖPNV und SPNV – also Bus und Bahn – sind definitiv besser als ihr Ruf. Auch wenn es regional noch zum Teil erhebliche Angebotsdefizite gibt.

Was finden Sie gut am derzeitigen ÖPNV in Rosenheim?

Kirchner: Hier muss man unterscheiden zwischen der Stadt und dem Landkreis Rosenheim. Bei der Stadt ist unabhängig von der gegenwärtigen Taktfrequenz positiv hervorzuheben, dass das Stadtgebiet bis auf kleine Lücken flächendeckend erschlossen ist. Beim Landkreis Rosenheim bieten die Linien auf den Hauptachsen ein gutes Grundangebot. Was aber beiden gemein ist, ist der hohe Niederfluranteil im Fahrzeugeinsatz. Dies ist leider im Vergleich mit anderen Regionen noch keine Selbstverständlichkeit.

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Zur jüngsten Stadtratssitzung merkten Sie an, dass künftig alle Linien in einem 30-Minuten-Takt bedient werden sollen. Wie kann man dies umsetzen?

Kirchner: Das wird freilich nur mit finanzieller Unterstützung gelingen. Doch es braucht diesen Mut und die finanzielle Anstrengung, um langfristig einen akzeptablen ÖPNV zu etablieren. Und mit steigender Akzeptanz steigen die Fahrgastzahlen und damit auch die Einnahmen, wenngleich der ÖPNV als Teil der Daseinsvorsorge zumeist ein Zuschussgeschäft bleibt. Aber mal ehrlich: Ein Strom- oder Wasseranschluss wird ja auch nicht infrage gestellt. Außerdem: Auch für eine Klima- und Energiewende braucht es diesen Einsatz, denn die daraus entstehenden Schäden durch Nichtstun sind irreparabel und um ein Vielfaches teurer.

Auch einen Busverkehr am Sonntag haben Sie ins Spiel gebracht, selbst wenn sich dieser wohl nicht kostendeckend darstellen lässt. Wie wollen Sie dies den Stadträten für die Haushaltsplanung schmackhaft machen?

Kirchner: Ich denke, ein Vergleich mit anderen Städten ähnlicher Größe, die einen Sonntagsverkehr anbieten, kann einerseits sehr hilfreich sein. Es ist einfach nicht mehr zeitgemäß, wenn in einer Stadt mit etwa 64 000 Einwohnern sonntags kein Stadtverkehr existiert. Gerade zum Erreichen der Klimaschutz-Ziele ist der Sonntagsverkehr ein wichtiger Baustein. Und wenn am Sonntag der städtische Nahverkehr unterwegs ist, kann hinsichtlich der eigenen Pkw-Nutzung auch das Argument, es fahre ja kein Bus, nicht mehr herhalten. Auch aus sozialen Aspekten heraus, ist ein Stadtverkehr an Sonn- und Feiertagen ein Teil der Daseinsvorsorge. Denn zum einen ist nicht jeder gut zu Fuß und zum anderen kann sich nicht jeder ein Anruf-Sammel-Taxi leisten.

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