INTERVIEW MIT DEM SENIORENBEAUFTRAGTEN JOSEF KUGLER

Digitale Impftermin-Vergabe in Rosenheim: „Nicht alle können mit Technik umgehen“

Vornehmlich online sollen sich Senioren über 80 nach den Vorstellungen des gemeinsamen Impfzentrums von Land und Kreis Rosenheim anmelden.
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Vornehmlich online sollen sich Senioren über 80 nach den Vorstellungen des gemeinsamen Impfzentrums von Land und Kreis Rosenheim anmelden.

Rosenheim – Wer sich für Impftermine gegen das Corona-Virus registrieren lassen will, kann das im Moment nur online machen. Gerade für ältere Menschen ist das nicht immer einfach. Ein Interview mit dem Seniorenbeauftragten der Stadt Josef Kugler.

Viele Senioren haben sich ja bereits um einen Termin bemüht. Halten Sie es für sinnvoll, dass nunmehr nochmals rund 20.000 Senioren angeschrieben werden sollen?

Der Seniorenbeauftragte der Stadt Rosenheim, Josef Kugler fände eine telefonisch Impftermin-Registrierung besser.

Josef Kugler: „Ja, es haben tatsächlich schon viele versucht, sich um einen Termin zu kümmern und sich vormerken lassen. Ich selbst habe mich vor zwei Tagen hierfür registriert und bekam eine Bestätigung, dass ich per E-Mail informiert werde, sobald ein Termin für mich frei ist. Ob man nun wieder 20.000 wegschicken sollte, weiß ich nicht. Man hat ja gar nicht so viel Impfstoff. Die Impfdosen müssten besser aufgeteilt werden. Nun stellt sich für einige vielleicht die Frage: Muss ich mich jetzt zweimal anmelden. Das ist schon ein Durcheinander.“

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Kommt die Einladung Ihrer Ansicht nach zu spät?

Kugler: „Sicherlich kommt sie zu spät, aber es war ja nicht möglich, die Leute zu impfen. Die Helfer stünden in der Halle auf der Loretowiese Gewehr bei Fuß, aber sie haben keinen Impfstoff. Man meldet ja auch, man solle sich unter der Nummer 116 117 anmelden. Hierzu rate ich aber nicht, weil dort niemand rangeht. Man hätte die Möglichkeiten, sich für einen Impftermin zu melden, konzentrieren oder über das Landratsamt steuern sollen. Dort, wo genügend Leute an den Telefonen sitzen. Was soll das?“

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Das Impfzentrum will die Angeschriebenen explizit dazu auffordern, sich online registrieren zu lassen und die Hotline des Impfzentrums nur dann zu nutzen, wenn keine andere Möglichkeit besteht. Notfalls sollen onlineaffine Angehörige oder Bekannte Hilfestellung geben. Geht diese Aufforderung nicht an den Bedürfnissen der Senioren vorbei?

Kugler: „Es können ja nicht alle Senioren mit dieser Technik umgehen Es gibt auch Ältere, die haben weder einen PC noch ein Handy und können darüber kommunizieren. Für Ältere wäre es sicherlich besser gewesen, sich telefonisch anmelden zu können. Aber hierfür müssen natürlich entsprechende Leitungen geschaltet werden. Wenn ich mich nicht auskenne, würde ich sicherlich dem Vorschlag folgen und Angehörige oder Freunde fragen, die sich mit dieser Technik auskennen.“

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Sehen Sie Versäumnisse bei der bisherigen Organisation der Impfkampagne?

Kugler: „Der Start wurde immer wieder angekündigt und angekündigt. Und dann wurde trotzdem nicht geimpft, da ja nichts zum Impfen da war. Sicherlich sind hier Versäumnisse geschehen.“

Einige vertreten die Auffassung, die Prioritäten bei der Impfaktion seien von vornherein falsch gesetzt worden. Statt Senioren in Pflegeheimen als erste zu impfen, die ja bereits weitestgehend isoliert sind, wäre es sinnvoller gewesen, zunächst das Pflegepersonal mit dem Vakzin zu versorgen. Teilen Sie diese Auffassung?

Kugler: „Natürlich sollten die Senioren zuerst geimpft werden. Diese wünschen sich ja auch wieder Besuch und kommen sonst nicht mehr raus. Aber natürlich brauchen wir auch gesunde Ärzte und Pfleger. Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust, da ich selbst schon über 80 Jahre alt bin.“

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Welche Wünsche haben Sie als Seniorenbeauftragter für den weiteren Verlauf der Impfaktion?

Kugler: „Dass möglichst viel geimpft wird und dass auch die Hausärzte mit einbezogen werden, um die Dosen zu verabreichen. Es gibt ja in der Zwischenzeit auch Impfstoffe, die nicht sehr stark gekühlt werden müssen. Eine weitere Idee wäre zudem, ob man – wie bei der Grippeimpfung – auch die Apotheker die Injektionen vornehmen lässt, die über eine entsprechende Ausbildung verfügen. Dann ginge es noch viel schneller.“

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