Rosenheimer Trachtengeschäfte: Volle Fahrt voraus trotz Fest-Absagen

Dirndl, Lederhosen, Schürzen: Im Trachtenladen Auanger von Renate Plumari läuft das Geschäft nach der Corona-Pause wieder an. Schlecker
  • vonAlexandra Schöne
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Die Wiesn ist abgesagt, Frühlingsfeste und Festwochen fallen aus: Viele Gelegenheiten für das Tragen von Dirndl und Co. gibt es heuer nicht. Trotzdem läuft der Betrieb in den Läden in der Stadt nach dem Corona-Stillstand wieder an. Aus manchen Trachtenwaren ist sogar etwas Neues geschneidert worden.

Rosenheim – Dirndl, Lederhosen, Blusen: Die bayerische Trachtentradition ist auch in der Rosenheimer Region tief verankert. Obwohl Frühlingsfeste, Wiesn und Oktoberfest aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen, geht es in den Trachtengeschäften in der Stadt nach wochenlanger Durststrecke langsam wieder bergauf.

Im „Trachten Auanger“, ältestes Trachtengeschäft in Rosenheim, hält Inhaberin Renate Plumari ihren Dirndl-Verkaufsschlager in die Kamera des Fotografen. Sie ist „voll zufrieden“. Denn jetzt, nach dem Corona-Stillstand, ist sie zuversichtlich. Das Geschäft sei vier Wochen nach Wiedereröffnung am 22. April zunächst schleppend angelaufen. Deshalb habe sie sie eine „radikale Reduzierungsaktion“ veranstaltet. „Da hat es Klick gemacht“, sagt Renate Plumari. „Die Leute wollen wieder Tracht anziehen. Man merkt, dass es ihnen fehlt.“

„Rosenheim war eine tote Stadt“

Langsam geht es auch in der Rosenheimer Filiale des Karl-Jäger-Trachtenhauses bergauf. Als die Gasthäuser wieder geöffnet haben, sei es laut Filialleiter Martin Kolb besser geworden. „Vorher war Rosenheim eine tote Stadt.“ Die abgesagten Feste spielen jedoch momentan eine große Rolle. Denn es gebe viele Kunden, die für Jubiläumsfeiern oder ähnliche Festivitäten traditionelle Trachtenbekleidung brauchen. Diese fehlten zurzeit.

Martin Kolb vom Trachtenhaus Karl Jäger sagt, dass sich die Absage von Festen im Laden bemerkbar macht.

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In das Trachtengeschäft Auanger kämen schon einige Leute, um sich für Firmungen und Erstkommunionen auszustaffieren. Für Manfred Käsweber ist dieses Thema nur ein kleiner Trost. Der Rosenheimer ist der Gründer der Schuhmarke Xaver Luis und entwirft unter anderem Trachtenschuhe. Käsweber vertreibt seine Waren in Deutschland und Österreich. Für ihn war die Absage von Oktoberfest und Co. „ein schwerer Schlag“. Anstatt von 100 Bestellungen, die er in den vergangenen Wochen normalerweise in seinem Online-Shop verzeichnet, waren es nur zwei. Für Käswebers Unternehmen haben die Absagen einen hohen fünfstelligen Umsatzverlust zur Folge.

Stammkunden und Urlauber kommen ins Geschäft

Finanziellen Schaden gibt es bei Trachten Unterseher ebenfalls. Auch hier läuft das Geschäft nur gemächlich wieder an, wie Paul Unterseher junior berichtet. Die Trachtenbranche hänge eben an den Festen und Veranstaltungen. Außerdem: „Mit der Maske im Gesicht hat niemand so richtig Lust, Dirndl oder Lederhosen anzuprobieren“, stellt Unterseher fest. Es seien vor allem Stammkunden und ein paar Urlauber, die ins Geschäft kommen. Den Umsatzverlust könne man wohl nicht aufholen, mutmaßt er. „Es geht auch niemand zum Wirt und isst drei Schnitzel auf einmal, weil man drei Tage lang zuvor keins gegessen hat.“ Genauso sehe die Situation beim Kauf von Trachtenbekleidung aus.

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Trachten Auanger-Inhaberin Renate Plumari findet es schade, dass alle Feste abgesagt wurden. Sie sieht aber auch Positives. „Der Vorteil in dieser Branche ist, dass die Tracht zeitlos ist und nicht so vergänglich wie andere Moden“, erklärt sie. Die Bestellung für 2021 könne sie zurückschrauben, da sie jetzt genügend Ware für das nächste Jahr habe.

Lager platzt aus allen Nähten

Alle Rosenheimer Trachtenexperten blicken in eine ungewisse Zukunft. Martin Kolb hofft, dass im Herbst wieder Hochzeiten stattfinden können. Denn ins Trachtenhaus Karl Jäger kämen viele Brautpaare, die sich für ihren großen Tag einkleiden wollen. Auch Manfred Käsweber ist gespannt, wie es weitergeht. Denn seiner Meinung nach sind Schuhe und Bekleidung das Letzte, was in einer solchen Krisensituation gekauft wird. Er zeigt auf ein Paar seiner Schuhe, von denen der Großteil in Italien, Spanien und Portugal produziert.

Manfred Käsweber ist gespannt, wie es weiter geht. Er designt unter seiner Marke „Xaver Luis“ Trachtenschuhe.

„In Spanien ging in den Fabriken wochenlang gar nichts“, berichtet er. An so einer Produktion würden aber unheimlich viele Arbeitsplätze hängen. Die Schuhe, die noch gefertigt wurden, bekommt er jetzt alle geliefert. „Mein Lager platzt aus allen Nähten. Ich musste Regale dazu kaufen“, erzählt Käsweber.

Masken aus Dirndlstoff gefertigt

In den Wochen, in denen die Geschäfte geschlossen waren, lagen deren Inhaber trotzdem nicht auf der faulen Haut. „Unsere Schneiderin wurde zur Maskennäherin eingeteilt“, sagt Renate Plumari. Aus Dirndl- und Schürzenstoffen, die sie heuer nicht gut verkaufen kann, fertigte die Schneiderin im Trachtenladen Auanger Mund-Nasen-Schutze. 30 bis 40 Stück habe Plumari pro Tag verkauft. „Sie sind sehr gut angekommen“, bestätigt sie. Mit den Masken wollte sie die Kunden nach der Wiedereröffnung zurück ins Geschäft locken. Auch Paul Unterseher junior hat mit seinem Team zuhause Masken genäht. Er verkauft sie in seinem Laden.

So sind die bunten Stoffe im Gesicht anstatt im Rock oder der Schürze zu finden.

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