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Interview

Rosenheimer Tierärztin ist sich sicher: Auch Haustiere leiden unter der Corona-Pandemie

Tierärztin Dr. Tanja Frey aus Rosenheim mit Hund Bruno im Behandlungszimmer ihrer Praxis.
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Tierärztin Dr. Tanja Frey aus Rosenheim mit Hund Bruno im Behandlungszimmer ihrer Praxis.
  • Alexandra Schöne
    VonAlexandra Schöne
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Rosenheim – Die Corona-Pandemie hat den Alltag von Tierärzten genauso verändert wie den von Humanmedizinern. Doch weniger zu tun hat die Rosenheimer Tierärztin Dr. Tanja Frey trotzdem nicht. Im Interview spricht sie über Arbeitsbelastung und warum auch Haustiere zu wenig Kontakt haben können.

Frau Dr. Frey, ein Jahr Corona liegt hinter Ihnen. Was hat sich für Sie als Tierärztin verändert?

Dr. Tanja Frey: „Bei den kleinsten Krankheitssymptomen werden die Mitarbeiterinnen sofort freigestellt und zum Test geschickt – zum Glück hatten wir bisher nur negative Testergebnisse. Das plötzliche Fehlen einer Tierärztin bringt den Terminplan aber ganz schön durcheinander. Das Tragen einer Maske ist auch wirklich mühsam, wenn man einen langen Arbeitstag zu bewältigen hat. Anfangs haben wir in zwei Teams im täglichen Wechsel gearbeitet. Aber da es auf Dauer zu viele Patienten waren, mussten wir zwischendurch wieder mit dem kompletten Team arbeiten.“

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Das heißt, es kommen mehr Menschen mit ihren Tieren als vor der Pandemie?

Frey: „Wir haben im vergangenen Jahr schon einen deutlichen Kundenanstieg verzeichnet. Ob das an der Pandemie liegt, ist schwer zu beurteilen. Es ist aber richtig, dass sich einige, gerade zu Beginn der Pandemie, vermehrt Hundewelpen angeschafft haben. Außerdem sind die Besitzer mehr um ihre Tiere herum und bemerken schneller die Krankheitsanzeichen.“

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Finden Sie es sinnvoll, sich in so einer Zeit ein Tier anzuschaffen?

Frey: „Sofern sich die Tierbesitzer über alle Langzeitkonsequenzen genügend Gedanken gemacht haben, ist der Zeitpunkt nicht unbedingt als schlecht zu werten. Schließlich kann jetzt mehr Zeit aufgewendet werden, sich mit der guten Grundausbildung seines Welpen zu befassen. Leider kommt es aber nicht allzu selten vor, dass sich die Leute jetzt Tiere anschaffen, weil sie sich langweilen. Ich bin mir nicht sicher, ob später noch genügend Zeit für die Tiere bleibt.“

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Was macht das dann mit den Tieren?

Frey: „Viele Katzen genießen jetzt zum Beispiel die extreme Zuwendung ihrer Besitzer, die im Home Office sind. Ändert sich das und die Katzen sind wieder ganz allein zu Hause, kann es zu psychischen Problemen bei diesen sensiblen Tieren kommen. Auch Hundeschulen und Welpenspielstunden sind zurzeit nicht geöffnet, was eventuell zu einer schlechten Sozialisierung der Welpen führen kann. Aus diesem Grund bin ich nicht unbedingt dafür, sich jetzt ein Tier anzuschaffen.“

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Also können auch Tiere – ähnlich wie wir Menschen – zu wenig Kontakt zu anderen Tieren haben?

Frey: „Grundsätzlich kommt es leider – immer, nicht nur in Corona-Zeiten – dazu, dass Tiere zu wenig Kontakt zu Artgenossen haben. So gibt es eigentlich gesellig lebende Kaninchen oder Meerschweinchen, die in Einzelhaltung gehalten werden. Das ist nicht artgerecht und damit tierschutzwidrig. Junge Hunde jetzt ohne Kontakt zu anderen zu halten, birgt die Gefahr der fehlenden Sozialisierung. Das kann später zu Haltungsproblemen führen, wenn wieder alle zusammen dürfen oder in der Fußgängerzone aufeinandertreffen.“

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Der Kontakt zu anderen Tieren ist also wichtig. Was ist mit dem Kontakt zu den Besitzern, wenn die Tiere zu Ihnen in die Praxis kommen?

Frey: „Von einem Besuch ohne Besitzer halte ich nicht viel, da die Tiere meistens wesentlich entspannter sind, wenn der Besitzer dabei ist. Aber wir lassen nur eine Begleitperson pro Tier mit in den Behandlungsraum.“

Wie viele Tiere mit Corona hatten Sie schon in Ihrer Praxis?

Frey: „Keine offiziell bestätigten Fälle. Tiere, die in engem Kontakt mit Corona-positiven Menschen leben, können sich schon anstecken und Atemwegsymptome zeigen. Die Einhaltung der Hygienemaßnahmen verringert dieses Risiko aber sehr stark.“

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