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„Größer denken“ heißt die Devise

Rosenheimer Schüler diskutieren in länderübergreifendem Jugendparlament drängende Zukunftsthemen

Diskutieren mit Jugendlichen aus ganz Europa über wichtige Zukunftsthemen: (von links) Riana Sima, Marie Knoblauch, Angelina Mikulicic, Finn Butenandt, Timo Heunisch, Franziska Schroeder und Johanna Zeitz.
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Diskutieren mit Jugendlichen aus ganz Europa über wichtige Zukunftsthemen: (von links) Riana Sima, Marie Knoblauch, Angelina Mikulicic, Finn Butenandt, Timo Heunisch, Franziska Schroeder und Johanna Zeitz.
  • VonKilian Schroeder
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Krieg, Pandemie, Klimawandel: Die Herausforderungen für die Politik heute sind immens. Was die Lösungen dafür sein könnten, interessiert aber nicht nur die Politiker im Bundestag, sondern auch die Schüler am Karolinen-Gymnasium Rosenheim.

Rosenheim – Im „Jugendparlament zur Alpenkonvention“ (kurz YPAC) hat eine Delegation der Schule gemeinsam mit rund 100 Schülern aus dem Alpenraum darüber diskutiert, wie die Gesellschaft den Problemen der Zukunft begegnen kann. Aber mit dem Ende der Sitzungswoche vom 14. bis zum 18. März hört die Arbeit für die Nachwuchspolitiker nicht auf.

Braucht es einen Systemwandel?

„Die Jugend kann hier ihre Meinung repräsentieren“, sagt Lucie Butenandt. Die 18-Jährige besucht die zwölfte Klasse und hat das YPAC als Parlamentspräsidentin geleitet. Das Thema der Sitzungswoche war in diesem Jahr, ob es einen Systemwandel bräuchte, um die derzeitigen Herausforderungen zu meistern – bewusst wollten die Schüler sich nicht auf kleine Lösungen begrenzen: „Bei den aktuellen Krisen müssen wir größer denken“, sagt Butenandt. Das sei nicht nur eine Sache für professionelle Politiker. „Jeder hat das Zeug dazu.“

Für sie war es bereits das dritte YPAC. Jedes Jahr kommen die Schüler aus Deutschland, Slowenien, Österreich, Italien, Frankreich, der Schweiz und Liechtenstein zusammen, um Probleme des Alpenraums zu diskutieren – alles in englischer Sprache. Für Rosenheim haben in diesem Jahr sechs Schüler teilgenommen. Aufgeteilt in vier Komitees, die in etwa mit Ausschüssen vergleichbar sind, versuchen sie Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Acht Resolutionen beschlossen

In der Generalversammlung debattiert das Jugendparlament dann diese Postulations und stimmt darüber ab – am Ende beschließen die Parlamentarier acht davon als Resolutionen. Dazu gibt es eine Pressegruppe, die ein tägliches Magazin erstellt. In diesem Jahr beschäftigten sich die Komitees mit dem Systemwandel in der Regierung, der Wirtschaft, der Gesellschaft und der Mobilität. Beschlossen wurden unter anderem Ideen zur Schaffung von Jugendvertretern, Angaben zur CO2-Belastung von Produkten und Unterstützung für klimaneutralen Transport.

Angelika Mikulicic arbeitete als Delegierte zum Thema Mobilität. Die 17-Jährige geht in die zehnte Klasse und war zum ersten Mal Teil des Parlaments. Eine Resolution, die ihr besonders am Herzen liegt, dreht sich um den Zugang zur Mobilität. „Die Frage ist: Wie können ältere Menschen, oder Menschen mit Behinderung Zugang zu Mobilität bekommen und gleichzeitig das Auto umgehen?“ Der Lösungsvorschlag der Schüler: Alle Bürger sollen ein Jahresticket kaufen können, mit dem sie kostenlos mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren können.

Den politischen Prozess hautnah mitzuerleben, war für Mikulicic eine wichtige Erfahrung: „Politiker zu sein ist echt nicht so leicht. Es gibt für Probleme nicht immer nur eine Lösung, die Diskussion ist anstrengend und kompliziert. Aber es lohnt sich.“

„Die Schüler lernen wahnsinnig viel“

Das sei einer der wichtigsten Aspekte der Parlamentssimulation, sagt Winfried Adam. Der Lehrer am Karolinen-Gymnasium betreut die Rosenheimer Delegation. „Die Schüler lernen wahnsinnig viel“, sagt er. Im Unterricht sei es oft nicht möglich, zu vermitteln, wie der politische Prozess funktioniert. Standpunkte zu vertreten und Kompromisse auszuhandeln, das seien wichtige Erfahrungen für Schüler. Aber auch der persönliche Kontakt mit Gleichaltrigen aus anderen Ländern sei nicht zu unterschätzen. „Dieses politische Engagement und die europäische Dimension machen das YPAC so interessant“, sagt Adam.

Was den persönlichen Kontakt in diesem Jahr deutlich erschwert hat, war, dass die Sitzungswoche digital stattfinden musste. Eigentlich wären alle Schüler gemeinsam nach Vaduz in Liechtenstein gefahren – die Gastgeberschule wechselt jährlich. Die Pandemie hat die Reise unmöglich gemacht, aus Rosenheim durfte nur Butenandt als Präsidentin nach Liechtenstein. Trotzdem haben die Delegationen den Kontakt untereinander gesucht: Die Innsbrucker Schüler kamen zum Beispiel auf Besuch nach Rosenheim, die Gastgeber aus Liechtenstein sandten Essenspakete zu den einzelnen Delegationen – die dann gemeinsam gekocht haben.

Gespräch mit CSU-Abgeordneten

Mit dem Ende der Sitzungswoche geht aber ein weiterer Teil der politischen Arbeit erst los: Damit das YPAC nicht nur ein Planspiel bleibt, wollen sie ihre Resolutionen an die „echte“ Politik bringen. „Wir haben teilweise andere Meinungen, die wir vertreten können“, sagt Riana Sima (18). Sie hat als Vorsitzende das Komitee „Gesellschaft“ geleitet. Bereits jetzt ist die Delegation in Gesprächen mit der Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig (CSU) und dem Umwelt- und Verkehrsausschuss im Bayerischen Landtag. „Das YPAC ist die Zukunft der Jugend in der Politik, unsere Stimmen müssen gehört werden“, sagt Sima. Die Arbeit, sich Gehör zu verschaffen, läuft.

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