WEGEN VERSUCHTER VERGEWALTIGUNG

Rosenheimer Schöffengericht verurteilt Bulgaren zu zwei Jahren ohne Bewährung

Vor dem Schöffengericht Rosenheim musste sich ein 43-Jähriger wegen sexueller Belästigung und versuchter Vergewaltigung verantworten.
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Vor dem Schöffengericht Rosenheim musste sich ein 43-Jähriger wegen sexueller Belästigung und versuchter Vergewaltigung verantworten.
  • vonTheo Auer
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Wegen sexueller Belästigung und versuchter Vergewaltigung hat sich ein Bulgare vor dem Rosenheimer Schöffengericht verantworten müssen. Erwiesen erschien dem Gericht, dass der 43-Jährige versucht hat, eine Verkäuferin zu vergewaltigen.

Rosenheim – Ein rumänischer Bautrupp verputzte seinerzeit ein Haus an der Rosenheimer Straße „Am Esbaum“. Beinahe täglich kauften die Arbeiter dort in einem benachbarten Bekleidungsgeschäft ein – sehr zur Freude der Betreiber des neu eröffneten Ladens, denn Corona bremste auch dort den Umsatz.

Gar nicht begeistert von einem der Besuche war hingegen eine 37-jährige Verkäuferin in besagtem Laden, als einer der Bulgaren am 14. Juni 2020 anfing, ihre Oberschenkel zu streicheln, während sie für ihn nach einem passenden Etui für sein Handy suchte. Freundlich, aber bestimmt wies sie ihn zurecht. Das hielt den 43-Jährigen aber nicht davon ab, nur Minuten später ihre Brüste zu berühren. Noch immer freundlich wies sie den Bauarbeiter in seine Schranken.

Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Angst und bange wurde ihr wohl, als er sie plötzlich von hinten ansprang, umklammerte und versuchte, ihre sommerlich kurze Hose nach unten zu ziehen. Kurz vor Schreck erstarrt, wehrte sie sich heftig gegen den Übergriff und entkam den Fängen des Bulgaren. Danach flüchtete der 43-Jährige aus dem Laden.

Vor Gericht bestritt der Angeklagte vehement, überhaupt etwas mit dem Vorfall zu tun zu haben.

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Er habe an besagtem Tag einfach nur dort eingekauft. Etwas später habe er mit bulgarischen Kollegen das Geschäft nochmals aufgesucht, da man ihm dort einen Diebstahl vorgeworfen habe. In den Laden sei er nur gegangen, um diesen Vorwurf zu entkräften. Im Gespräch habe er der Verkäuferin besänftigend über den Rücken gestreichelt.

DNA-Spuren an der Kleidung

Was ihn dazu veranlasste, den Vorfall auf diese Art und Weise zu schildern, wurde während der Beweisaufnahme deutlich. Hier kam ans Licht, dass man an der Kleidung der Verkäuferin seine DNA-Spuren gefunden hatte. Zudem versuchte er, das Opfer in ein schlechtes Licht zu rücken: Er berichtete, die Verkäuferin habe ihm während seiner Untersuchungshaft einen Brief geschickt. In diesem Schreiben, sagte der Bulgare, habe sie Geld von ihm gefordert.

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Da aber jegliche Post an Inhaftierte kontrolliert wird, war es dem Gericht ein Leichtes, diese Schilderung des Bulgaren als Lüge zu enttarnen. Das Opfer hingegen schilderte nach Auffassung der Kammer glaubhaft und ohne „Belastungseifer“ den Hergang. Auch hartnäckige Nachfragen des Verteidigers verwirrten die Verkäuferin nicht in ihrer Aussage.

Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafe

Schließlich musste der Verteidiger des Angeklagten erkennen, dass auch die übrigen Zeugen mit ihren Aussagen kaum vermochten, seinen Mandaten zu entlasten. Entsprechend fiel das Plädoyer der Staatsanwaltschaft aus: Sie hielt es für erwiesen, dass sich der Bulgare der sexuellen Belästigung und versuchten Vergewaltigung schuldig gemacht habe.

Verteidigung bestreitet Vergewaltigung

Einzig, dass der Bauarbeiter nicht vorbestraft und es beim Versuch einer Vergewaltigung geblieben sei, spreche für ihn. Die Anklage beantragte, den Bulgaren mit einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten zu belegen.

Der Anwalt des Opfers, das als Nebenklägerin am Prozess beteiligt war, stützte diesen Antrag der Staatsanwaltschaft und verwies auf die Folgeschäden, unter denen das Opfer noch immer zu leiden habe. In ihrem Plädoyer bestätigte die Verteidigung, ihr Mandant habe sich der sexuellen Belästigung schuldig gemacht.

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Allerdings sei eine Absicht, die Verkäuferin vergewaltigen zu wollen, durch nichts zu beweisen. Wenn überhaupt, handle es sich in diesem Fall um einen „freiwilligen Rücktritt vom Versuch“. Demnach sei der Angeklagte in diesem Punkt freizusprechen, wie die Verteidigung dann auch gegenüber der Kammer beantragte. Im Blick auf die übrigen Vorwürfe beantragte sie eine Haftstrafe von maximal zwei Jahren, die zur Bewährung auszusetzen sei.

Keine „besonderen Umstände“

Das Gericht stimmte der Staatsanwältin in allen Punkten zu. Lediglich vom beantragten Strafmaß wich die Kammer ab, da es sich „nur um einen Versuch“ gehandelt habe. Im Ergebnis verurteilte sie den Bulgaren zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren – ohne Bewährung. Aus diesen zwei Jahren Gefängnis solle der Angeklagte lernen. „Bei einer Strafe von über einem Jahr bedarf es besonderer Umstände, die eine Bewährungsstrafe ermöglichen“, sagte Richter Merkel. „Solch besondere Umstände vermag das Gericht hier beim besten Willen nicht zu erkennen! Wären Sie geständig gewesen und hätten Ihrem Tatopfer diese peinlichen Aussagen vor Gericht erspart – das wären besondere Umstände gewesen!“, schrieb Merkel dem Angeklagte nach der Urteilsverkündung ins Stammbuch. ---Theo Auer

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