Wie ein Rosenheimer dazu kam, 1.000 Sportbälle für Stadt in Tansania zu sammeln

Janis Sepper aus Rosenheim hat 2014 in der Stadt Mwanza in Tansania die Organisation „Sports Charity Mwanza“ mitbegründet. Sie setzt sich dafür ein, Sport für Kinder und Jugendliche zugänglich zu machen. Für die SC hat Sepper 1000 Sportbälle gesammelt. Privat
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Janis Sepper aus Rosenheim hat 2014 in der Stadt Mwanza in Tansania die Organisation „Sports Charity Mwanza“ mitbegründet. Sie setzt sich dafür ein, Sport für Kinder und Jugendliche zugänglich zu machen. Für die SC hat Sepper 1000 Sportbälle gesammelt. Privat
  • vonAlexandra Schöne
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Janis Sepper aus Rosenheim ist Fußballer, Jugendtrainer und Lehramtsstudent. Der 25-Jährige hat vor sechs Jahren die „Sports Charity Mwanza“ in Tansania mitbegründet. Ein Porträt.

Rosenheim/Mwanza – Janis Sepper (25) sitzt im Café und trinkt einen Cappuccino. Er ist groß, trainiert, hat blonde Haare, trägt Bart und Brille. Der gebürtige Rosenheimer studiert Mathe und Sport auf Lehramt in Würzburg. Er spielt Fußball im Verein und trainiert dort Jugendliche.

Vor allem aber ist Janis Sepper ein Mensch, der sich sozial engagiert. Der etwas bewirken und verändern will. Und verändert hat er mit seinen 25 Jahren schon einiges. Die Leben von Kindern und jungen Erwachsenen in der afrikanischen Stadt Mwanza zum Beispiel. 2014 gründete Sepper dort die „Sports Charity (SC) Mwanza“. Die Organisation fördert in Mwanza den Ausbau der Sportinfrastruktur.

„Ich wollte einfache Verhältnisse erleben“

Als vor sechs Jahren das Projekt in Tansania seinen Lauf nahm, war Janis Sepper 19 Jahre alt. Er hatte gerade sein Abitur am Karolinen-Gymnasium gemacht. Studieren wollte er aber nicht sofort. Es zog ihn in die Welt. Aber nicht wie die meisten seiner Altersgenossen ins entwickelte Australien oder Neuseeland. „Ich wollte einfache Verhältnisse erleben, eine andere Seite der Welt sehen“, betont er.

Sepper ist ein Mensch mit Prinzipien. Er habe nicht eingesehen, viel Geld an eine Freiwilligenorganisation zu zahlen, „nur um mich sozial zu engagieren“. Er entschied sich deshalb für die „SC Mwanza“. Die Freiwilligen tragen alle Kosten selbst – von Flügen bis zur Unterkunft vor Ort. „Ich bereue die Entscheidung bis heute überhaupt nicht“, sagt er.

Zwei Sportzentren sind schon entstanden

Seit er vor fünf Jahren aus Tansania zurückgekehrt ist, hat sich dort einiges getan. Zwei Sportzentren mit Plätzen für die vier beliebtesten Mannschaftssportarten Fußball, Basketball, Volleyball und Netball sind entstanden. Das Ziel: In jedem Viertel der Stadt eine Stätte errichten. „Die Sportzentren kommen super an“, bestätigt Sepper. Sie werden rein durch Spenden finanziert. Während er von dem Projekt spricht, macht er um sich selbst keinen großen Wirbel. Trotzdem sei er stolz auf das, was er und die anderen Freiwilligen in Mwanza aufgebaut haben.

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Dort arbeiten die freiwilligen Helfer der „Sports Charity“ mit Verbänden zusammen. „Das Sportangebot soll strukturierter werden. So wie der Vereinssport hier in Deutschland, mit festen Trainingszeiten und Gruppen“, erklärt Sepper.

Doch das habe sich zu Beginn schwieriger als gedacht gestaltet. „Es läuft in Tansania einfach vieles anders als hier“, sagt er. Er spricht reflektiert über die Schwierigkeiten, die er als Freiwilliger in Mwanza hatte. Training, Hausaufgabenbetreuung, Englisch lernen – all das habe er auf einmal anbieten wollen. „Da kommen dann Probleme auf dich zu, an die man vorher gar nicht gedacht hat.“

Mit lokalen Trainern zusammenarbeiten

Von dem „von außen aufzwängen“ sei man bei der „SC Mwanza“ mittlerweile abgerückt. Die Freiwilligen fokussierten sich mehr auf die Zusammenarbeit mit den lokalen Trainern – nicht nur was das Training, sondern auch was Werte und Pädagogik angeht.

Aus diesem Miteinander in Tansania hat Sepper viel für sein Leben und die berufliche Laufbahn mitgenommen. Er erinnert sich gerne an die Zeit zurück. Eigentlich habe er diesen Sommer wieder nach Tansania fliegen wollen. Doch dann brach die Corona-Pandemie aus.

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Dennoch ist er immer noch eng mit der Organisation verbunden. Die Freiwilligen der „SC Mwanza“ veranstalten jedes Jahr eine Spenden- und Sammelaktion. Sie hätten sich heuer für Sportbälle statt entschieden, sagt Sepper.

Im Juni 1.000 Bälle gesammelt

Sein Ziel: 1.000 Bälle in Rosenheim sammeln. Ein großes Vorhaben, wie er zugibt. Er schrieb Vereine an, sprach mit Privatpersonen. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich 1.000 Stück schaffe. Auf den letzten Metern hat es dann aber geklappt.“ Im Haus seiner Eltern habe er die Bälle zwischengelagert. „Das ganze Wohnzimmer war voll“, erinnert er sich und lacht. Mit der Hilfe von Familie und Freunden ließ er die Luft aus den Bällen und verpackte sie in Kisten. Lkws sammelten die Bälle in ganz Deutschland ein. In Hamburg wurden sie auf ein Containerschiff verfrachtet.

Vor Kurzem ist die fünfstellige Anzahl an Sportbällen in Tansania angekommen. Sepper freut sich, dass – trotz Schwierigkeiten mit dem Zoll in Afrika – alles geklappt hat. Er hofft, dass er im nächsten Jahr erneut eine Ballsammelaktion veranstalten kann. Und dass noch mehr zusammenkommen.

Infos und Kontakt zur „SC Mwanza“:

Mehr Informationen gibt es unter www.scmwanza.org. Alternativ kann man eine E-Mail an info@scmwanza.org schreiben oder die Facebook- und Instagramseite der Organisation besuchen.

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