Rosenheimer rastet aus: 20-Jähriger schlägt Polizistin ins Gesicht

Zu viel Alkohol und Cannabis:Ein 20-jähriger Rosenheimer wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe verurteilt. An den Tatvorwurf könne er sich nicht mehr erinnern.  dpa
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Zu viel Alkohol und Cannabis:Ein 20-jähriger Rosenheimer wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe verurteilt. An den Tatvorwurf könne er sich nicht mehr erinnern. dpa

Das Jugendschöffengericht Rosenheim verurteilte einen 20-jährigen Rosenheimer wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Angriffs beziehungsweise Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten.

Rosenheim – Der Arm des Gesetzes schien auf den jungen Mann bisher keinen allzu großen Eindruck gemacht zu haben. Bereits einmal vorgeahnt und nur fünf Tage nachdem er eine Anklage wegen Handelns mit Betäubungsmitteln zugestellt bekommen hatte, folgte ein regelrechter Ausraster.

„Ich kann mich an nichts erinnern, aber ich bestreite auch nichts“, sagte der 20-Jährige vor dem Jugendschöffengericht und bedauerte, dass die Situation am Abend des 18. Augusts vor einer Rosenheimer Bar so eskaliert sei.

Prellung des Jochbeins

Er habe wohl zu viel getrunken und Cannabis konsumiert, mehr könne er zum Tatvorwurf nicht sagen. Detaillierter war hier die Anklageschrift. Demnach versetzte der Angeschuldigte einem 31-jährigen Rosenheimer vor dem Lokal ohne Vorwarnung einen gezielten Kopfstoß. Der Geschädigte erlitt dabei eine Prellung des Jochbeins.

Unerwarteter Kopfstoß

Man habe sich vor dem Lokal unterhalten, als der Angeklagte plötzlich aufgetaucht sei und versucht habe, bei ihrer Freundin anzudocken, sagte eine 26-jährige Zeugin. Ihr Begleiter habe das lapidar mit den Worten: „Oh du hast Besuch bekommen“ kommentiert und schon habe der Angeklagte mit dem Kopf zugestoßen.

Zeugin verständigt Polizei

Der anderweitig Verfolgte H. habe ihn dann weggezogen und festgehalten. Die Zeugin verständigte daraufhin eine Polizeistreife, die sich in unmittelbarer Nähe befand. Währenddessen war wohl eine weitere Auseinandersetzung mit mehreren namentlich nicht identifizierten Personen entfacht.

Angeklagter schlägt Polizistin

Mittendrin erneut der Angeklagte. Beim Eintreffen der Beamten schlug der 20-jährige gerade auf eine unbekannte Person ein und musste auch selbst einige Schläge einstecken.

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Die Polizisten gaben sich daraufhin lautstark als Gesetzeshüter zu erkennen und trennten alle Beteiligten voneinander, indem sie sich dazwischen schoben. Während sich die meisten der Gruppe daraufhin beruhigt hätten, seien der Angeschuldigte und der anderweitig Verfolgte H. aggressiv geblieben.

Mit Kräften gewehrt

Als einer der Polizisten die Ausweise der beiden Männer verlangte, holte der Angeschuldigte zum Schlag aus und traf mit der Rückhand eine Polizistin, die hinter ihm stand, im Gesicht. Als H. den Angeschuldigten anschließend gegen eine Säule drückte, wehrte der sich und schlug der Polizistin erneut und gezielt ins Gesicht. Aufgrund seiner anhaltenden Aggressivität wurde der Rosenheimer schließlich zu Boden gebracht.

Aufgeben kam nicht in Frage

Doch aufgeben kam für den Angeschuldigten offensichtlich auch dann noch nicht in Frage. Er habe sich weiter nach Kräften gewehrt und versucht, ihm einen Faustschlag zu versetzen, schilderte ein am Einsatz beteiligter Beamte. Erschwerend sei hinzugekommen, dass H. den Angeschuldigten fest umklammert habe und man schließlich zu viert zu Boden gegangen sei. Mit Hilfe weiterer Kollegen sei es schließlich gelungen, die Situation zu klären und den Mann zu fixieren, berichteten die Polizisten.

Täter unternimmt Fluchtversuch

Auf der Dienststelle sei der Rosenheimer erst unkooperativ, später nach einem Fluchtversuch aber gesprächsbereit gewesen. Aus Sicht der Jugendgerichtshilfe sollte Jugendstrafrecht aufgrund von Reifeverzögerungen zur Anwendung kommen. Allerdings hätten die bisherigen Auflagen nicht zu einer Veränderung geführt und schädliche Neigungen seien nicht auszuschließen.

Nicht der erste Ausrutscher

Die Anklagevertretung sah den Sachverhalt bestätigt und forderte eine Einheitsjugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, einen vierwöchigen Dauerarrest und gemeinnützige Arbeit. Im Antrag enthalten: das Urteil wegen des Betäubungsmittelhandels mit einem zweiwöchigen Dauerarrest und acht Tagen gemeinnütziger Arbeit.

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Die Entscheidung über eine Bewährung sollte aus Sicht des Staatsanwalts ausgesetzt werden, „weil es nicht der erste Ausrutscher war“.

Verteidigerin Gabriele Sachse plädierte für eine Jugendstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Ihr Mandant sei mit 1,37 Promille deutlich alkoholisiert gewesen. In der Regel trinke er nicht so viel. Alkohol und Drogen hätten zu dem Ausraster geführt.

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Die Verteidigerin sprach sich dafür aus, die Strafe gleich zur Bewährung auszusetzen, weil ihr Mandant zuverlässig die im vorangegangenen Verfahren auferlegten Sozialstunden geleistet und die Abstinenzweisung erfüllt habe.

Ein Jahr und sechs Monate

Das Jugendschöffengericht sah eine Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten für tat- und schuldangemessen, nicht zuletzt weil der Angeklagte die Tat zwar nicht bestritten aber auch nicht gestanden habe. Er habe den Geschädigten grundlos attackiert, sich den Polizeibeamten gegenüber renitent und aggressiv verhalten und am Ende Glück gehabt, dass es zu keinen schweren Verletzungen gekommen sei, betonte Richterin Verena Köstner in ihrer Urteilsbegründung.

Gemeinnützige Arbeit auf 18 Tage aufgestockt

Er müsse künftig sehr aufpassen, denn er wisse, dass Alkohol und Drogen Probleme bereiten. Das bereits auferlegte Konsumverbot und die Drogenscreenings wurden aufrechterhalten, die gemeinnützige Arbeit auf insgesamt 18 Tage aufgestockt. Der zweiwöchige Dauerarrest wurde nicht erhöht, weil das aus Sicht des Gerichts aus erzieherischer Sicht nicht notwendig war.

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