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Mit Leidenschaft und vielen Worten

40 Jahre Priester zwischen Bischofswiesen und Rosenheim: Andreas Maria Zach setzt auf Humor

Auch mit 67 nach 40 Jahren Priesteramt immer noch mit Feuer und Flamme in der Seelsorge: Andreas Maria Zach
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Auch mit 67 nach 40 Jahren Priesteramt immer noch mit Feuer und Flamme in der Seelsorge: Andreas Maria Zach
  • VonThomas Stöppler
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Pfarrer Andreas Maria Zach feierte dieser Tage sein 40-jähriges Priesterjubiläum. Sein Dienst an den Menschen führte ihn unter anderem lange Zeit nach Bischofswiesen, seit 15 Jahren ist er Pfarrer in Rosenheim. Dabei kam er nicht ganz freiwillig.

Rosenheim – Zum 50. Geburtstag musste sich Pfarrer Andreas Zach dem Verfahren der Heiligsprechung stellen. Vertreter der Kirche hatten damit allerdings wenig zu tun. Sein Bruder und einer seiner besten Freunde waren es, die vor der versammelten Gästeschar Zachs Wunder und Verfehlungen diskutierten. Da es bei diesem privaten Heiligsprechungsverfahren keine Protokolle gibt, fehlen die meisten Informationen über die Taten des Jubilars, aber an den größten Vorwurf kann dieser sich natürlich noch erinnern: „Wie viele Leute der schon tot geredet hat“, fragte sein Bruder und Zach gibt ganz offen zu, dass er gerne viel redet. „Geschichten zu erzählen ist wirkmächtiger, als Formeln zu kreieren“, erklärt er.

Humor und Pastoral gehört zusammen

Zach listet dann auch nicht einfach auf, was das Wichtigste ist, das man als Seelsorger mitbringen muss. Er erzählt, dass er das als junger Kaplan von seinem damaligen Chef gelernt habe. 1982 in St. Michael in Berg am Laim in München: Ein gutes Team, ein guter Draht zur Jugend und nicht zuletzt, dass „Humor und Pastoral“ zusammengehören.

Bei der Primiz am 26.Juni 1982 

Über genau diese Dinge redet Zach auch am meisten, wenn man ihn fragt, warum er seit 40 Jahren Priester ist. Um genau zu sein, spricht er recht wenig über Humor. Er hat ihn einfach. Auch und vor allem über sich selbst. Zum Beispiel, wenn er erzählt, wie er nach Rosenheim gekommen ist, dann sagt er: „Es war nicht meine Qualität, es war der Mangel von anderen.“ Davor hat Zach „das ganze Alpenland heimgesucht“. Kaplan in Lengries, Jugendpfarrer in Miesbach und Pfarrer in Bischofswiesen. Drei sehr unterschiedliche Stationen.

1200 Menschen kamen zur Beichte

In Lengries, erzählt er, „kamen am Karfreitag und -samstag schon mal 1200 Menschen zur Beichte.“ Als Jugendpfarrer war das anders, für die jungen Menschen waren Riten nicht mehr so wichtig. Das hieß freilich nicht, dass die jungen Menschen nicht mehr zu ihm kamen. Sie suchten das Beichtgespräch, aber es ging Ihnen nicht um den Erlass ihrer Sünden: Es ging um Lebenshilfe, konkreter Natur oder allgemeiner. „Die Gespräche waren therapeutisch“, erzählt Zach und sie sind es bis heute. „Auch wenn ich keine Kinder habe, haben mir die Jugendlichen doch so einige schlaflose Nächte bereitet.“

Tracht statt Talar

Trotz schlechter Nächte war Zach gerne Jugendpfarrer: „Ich hatte so viele Freiheiten“, sagt er rückblickend. Freiheiten, die er genutzt hat, auch wenn es zumindest einmal einen Rüffel von oben gab: Zach trat in Tracht auf, statt im Talar, aber viel Ärger gab es nicht. Freiheiten, die es bei der nächsten Station nicht gab: In Bischofswiesen erwartete ihn die klassische Volkskirche. „Aber auch da war ich gerne“, sagt der Pfarrer.

Nach 12 Jahren kam dann der damalige Weihbischof Franz Dietl zu ihm. Die Stelle in Garmisch war frei geworden: „Sie haben sich jetzt lang genug versteckt, jetzt wird es Zeit für etwas größeres“, habe er gesagt, erinnert sich der heute 67-Jährige. Aber Zach wollte nicht: „Das wäre wie Ehebruch gewesen“, sagt er lachend. Aber ein Jahr später war es soweit. 2007 braucht es einen Seelsorger in Rosenheim. Zach hat Respekt vor der Stelle: „Ich dachte, ich muss mich ganz geschwollen ausdrücken, aber die Heiterkeit der Rosenheimer hat mich erstaunt.“

Doch nicht alles sollte so einfach sein, wie der Umgang mit den Rosenheimern: „Als ich anfing, waren wir sechs residierende Pfarrer. Heute sind wir nur noch drei“, erzählt Zach. Die gesamte Seelsorge musste umgebaut werden. Verlassen konnte Zach sich dabei stets auf sein Team und die vielen Ehrenamtlichen. „Wenn wir ehrlich sind, sind die Ehrenamtlichen die Schmiere, die alles am Laufen hält“, gibt er unumwunden zu.

Jeden Tag mit Leidenschaft

Dass die Kirche gerade nicht so läuft, schmerze, sagt Zach. Im Vorfeld seines Jubiläums habe er sich natürlich gefragt, ob man das angesichts der Skandale und den Austrittszahlen überhaupt feiern könne. „Aber ich mache meine Arbeit auch heute noch leidenschaftlich gern und außerdem wollte ich Danke sagen“, seinen Mitarbeitern, seinen Ehrenamtlichen. Und nicht zuletzt: „Wir als Kirche bieten immer noch eine Vision, eine Perspektive, die unser Leben bereichert. Ich kann Rosenheim nicht retten, die Welt schon gar nicht, aber ich kann meine Arbeit gut machen.“

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