Ein Rosenheimer Original lebt nicht mehr

Sehr bekannt:Erich Künzel aus Rosenheim. Privat

Rosenheim – Bei Wind und Wetter war er unterwegs, der „Zeitungsmo“ von Rosenheim.

Radelte und lief durch die Straßen seiner Stadt, um den Menschen ihre tägliche Lektüre zu bringen. Erich Künzel war der Mann mit den Zeitungen. Jetzt ist er im Alter von 87 Jahren gestorben.

Zuletzt hatte der gebürtige Rosenheimer im Pflegeheim Elisabeth am Oberdonauweg gelebt. Immer wieder war er krank. Und doch sei sein Tod plötzlich gekommen, sagt Hubert Lohberger (52), der Geschäftsführer der gleichnamigen Rosenheimer Metzgerei.

Lohberger war in den vergangenen zehn Jahren der Vormund von Erich Künzel. Seit 1994 hatte der „Zeitungsmo“ bei Lohberger im Haus gewohnt. Doch die beiden Männer kannten sich sehr viel länger. Als Hubert Lohberger noch ein Kind war, schenkte ihm Künzel hin und wieder Mickey-Mouse-Hefte, die er nicht hatte verkaufen können.

Erich Künzel lebte in bescheidenen Verhältnissen. Mehr als ein Zimmer brauchte er all die Jahre nicht. Lieber war er unterwegs, trug die Schlagzeilen des Tages von Haus zu Haus. Am 31. Januar 1932 geboren, war er am Schloßberg aufgewachsen, hatte von 1938 bis 1945 die Volksschule besucht. Eine Malerlehre musste er aus gesundheitlichen Gründen abbrechen, wurde schließlich Zeitungszusteller. Fünf Jahrzehnte lang stand er zeitig auf und machte sich auf den Weg. Erst im Alter von 78 Jahren gab Künzel seine Arbeit auf, eine längere Krankheit zwang ihn dazu. Er sei ein sehr bescheidener und zufriedener Mensch gewesen, obwohl er von einer minimalen Rente habe leben müssen, sagt Lohberger über seinen Freund. Beerdigt wird Erich Künzel morgen um 13.15 Uhr im städtischen Friedhof. bw

Kommentare