Rosenheimer Nachtleben verliert eine seiner schillernsten Figuren: Hans Auer ist tot

Das Jägerstüberl war Rosenheims erste Bar für Homosexuelle. Es war der Lebensinhalt von Wirt Hans Auer. Auer ist jetzt im Alter von 79 Jahren gestorben.
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Das Jägerstüberl war Rosenheims erste Bar für Homosexuelle. Es war der Lebensinhalt von Wirt Hans Auer. Auer ist jetzt im Alter von 79 Jahren gestorben.
  • Silvia Mischi
    vonSilvia Mischi
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Hans Auer, der langjährige Besitzer und Wirt des Jägerstüberls in der Nikolaistraße in Rosenheim, ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Ein Nachruf auf eine Legende des Rosenheimer Nachtlebens.

Rosenheim – „Wenn die Sonne des Lebens untergeht, leuchten die Sterne der Erinnerung“ – mit diesen Worten verabschiedet das Jägerstüberl seinen Hansi auf der Facebook-Seite des Lokals. Die Nachricht, dass Hans Auer, über 50 Jahre lang Wirt des Tanz- und Nachtclubs an der Nikolaistraße, gestorben ist, erschütterte gestern nicht nur die Bürger in der Stadt, sondern über die Landkreisgrenzen hinaus. 20 000 Aufrufe binnen eineinhalb Tagen sprechen für den Verlust der Rosenheimer Nachtlokal-Legende.

Jägerstüberl war eine Besonderheit

Das Jägerstüberl war eine Institution und in mehrfacher Hinsicht eine Besonderheit. So leitete Auer zunächst eine Brathendl- und Schaschlickstation und war einer der Ersten in Rosenheim, der Essen zum Mitnehmen anbot. Auer, der aus Feldkirchen in Kärnten stammt und dort am 1. Juni 1941 geboren wurde, hatte Anfang der 60er-Jahre „Willy’s Paprika-Stüberl“ übernommen und zunächst gemeinsam mit seiner Mutter geführt.

Eine der ersten Bars für Homosexuelle

Die schmackhaften Rezepte sorgten dabei schnell für einen stetig wachsenden Kundenstamm. Was viele Rosenheimer in den Anfängen noch nicht ahnten oder wahrhaben wollten: Auer betrieb zugleich eine der ersten Bars für Homosexuelle und „jeden, der gerne fröhlich und friedlich miteinander feiern wollte“, wie er betonte.

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Sein Credo: „Seid wie ihr wollt, kommt wie ihr wollt!“ Das taten die Gäste sogar bis aus München. Und nicht nur das: Auch der gebürtige Rosenheimer Siegfried Fischbacher, Teil des ehemaligen Magierduos „Siegfried und Roy“ gehörte zu seinen Bekannten.

Auf Facebook gedenken Gäste auf besondere Weise

Für seine herzliche Art war „der Hansi“, wie er von allen genannt wurde, bekannt und beliebt. Auf Facebook gedenken die Gäste seiner auf besondere Weise: „Mit Hansi verliert Rosenheim nicht nur seinen besten und erfolgreichsten Wirt, sondern auch einen besonders herzlichen Menschen“ heißt es da ebenso wie

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„Du hast im Jägerstüberl in einer damals schwierigen Zeit, in der man noch nicht frei leben konnte, einen wunderbaren Platz geschaffen“. Auer war mit der Institution Jägerstüberl eng verbunden. So hieß das Pub in der Szene auch schlicht „Zum schwulen Hans“.

Nach kurzer und schwerer Krankheit gestorben

Am Freitag ist die Legende des Rosenheimer Nachtlebens im Alter von 79 Jahren nach kurzer und schwerer Krankheit gestorben. Vor sechs Jahren ging „der Hansi“ in den Ruhestand. Er verkaufte das Jägerstüberl an seinen Ex-Mann Toni Sollfrank. Die Leitung des Lokals übernahm schließlich Enzo Gerardi. Er und Auer kennen sich seit über 20 Jahren. Doch ein Jägerstüberl ohne Auer? Da fehlte einfach etwas. Deshalb half Hansi im Jägerstüberl bis zum Corona-Lockdown hinter dem Tresen aus.

Wurde ihm der Trubel zu viel, suchte er Erholung in seinem Ferienhaus auf Cran Canaria (Spanien). Oder aber er entwickelte Dekorationsideen – opulente und farbenfrohe. Das war eine Passion des Verstorbenen. Und noch ein „Accessoire“ gehörte zu ihm: sein Lieblingsdrink, der „Flying Hirsch“. Diesen soll es auch auf der Beerdigung – im engsten Familien- und Bekanntenkreis – geben. Weitere Wünsche des Verstorbenen: Ein Glas wird über seinem Grab ausgeschüttet, die Trauergemeinde muss bunte Kleidung tragen.

Separate Trauerfeier für Weggefährten

Für weitere Weggefährten und Gäste soll es zu einem späteren Zeitpunkt eine separate Trauerfeier geben. Dazu sammelt Gerardi per Post oder E-Mail Schriftstücke mit Erinnerungen an Auer. „Ein Stück Rosenheimer Geschichte haben wir verloren. Mit dem Buch will ich es bewahren“, betont Gerardi gegenüber unserer Zeitung.

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