Das Geschäft vom Vater übernommen

Filigranes aus Holz: Rosenheimer Krippenschnitzer Bernd Bechtold erweckt Figuren zum Leben

Aus Holz wird Skulptur: Bechtold arbeitet mit seinem Schnitzeisen an der Vollendung seiner Krippenszene.
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Aus Holz wird Skulptur: Bechtold arbeitet mit seinem Schnitzeisen an der Vollendung seiner Krippenszene.
  • Korbinian Sautter
    vonKorbinian Sautter
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Imposante Statuen bilden das Empfangskomitee am Eingang zur Holzschnitzerei Bechtold in Rosenheim. Mit einem ehrfurchtsvollen Blick auf mannshohe Eulen und Engel betritt man den Laden, und sofort fällt der Blick eine lange Reihe kunstvoll gefertigter Figuren. Der Ofen knistert, es duftet nach Holz – und sofort drängt sich ein Gefühl auf, das aufgrund der Corona-Krise in weite Ferne gerückt zu sein schien: Es ist Weihnachten.

Rosenheim - Bernd Bechtold, der den Laden 2012 von seinem Vater Klaus übernommen hat, kommt aus seiner kleinen Werkstatt geeilt, in der er aus einem Stück Holz verschiedene Gestalten formt. Der 41-Jährige hat sich sakrale Arbeiten spezialisiert: Krippen, Kreuze, Reliefs, Putten und Engel sind die täglichen Wegbegleiter. Wie aber wird aus einem groben Stück Holz eine filigrane Figur mit feinen Gesichtszügen? Bechtold erklärt es.

Vom Rohling zur Krippenfigur

„Alles beginnt mit einem Rohling, der grob aus dem Holz geschnitzt wird“, sagt er. Früher musste dieser für jede Figur handgefertigt werden. Eine mühselige Arbeit, die schon bei kleinen Krippenfiguren mehrere Stunden dauert. Seit etwa 25 Jahren übernimmt diese Arbeit allerdings mehr und mehr eine Maschine. In Großproduktionen wird die grobe Form anhand von Schablonen in Massen vorgefräst. Begeistert ist Bechtold davon allerdings nicht: „Als mein Vater vor 45 Jahren die Schnitzerei gründete, war das alles noch viel persönlicher. Aber so ändern sich eben die Zeiten“, sagt der leidenschaftliche Schnitzer.

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Heute beginnt die Arbeit in kleineren Fertigungsstätten meist erst mit dem zweiten Schritt, dem sogenannten Hinschnitzen. Wer keine vorgefertigte Figur für die heimische Krippe will, kann an den Rohlingen noch Veränderungen vornehmen lassen – etwa eine andere Haltung oder ein bestimmter Gesichtsausdruck. Ist die richtige Form gefunden, beginnt die Grundierung und Bemalung. Mit feinen Pinselstrichen und spezieller Farbe wird dem Holz Leben eingehaucht. Auch hierfür müssen noch einmal einige Stunden eingerechnet werden.

In seinem Element: Bernd Bechtold inmitten seiner Sammlung von Krippen und Figuren.

Besonders ins Schwärmen kommt Bechtold, der gelernter Industriekaufmann ist, wenn es um größere Figuren geht. Am Beispiel einer ein Meter großen Krippenszene erklärt er, wie viel Arbeit hinter einer handgefertigten Holzskulptur steckt: „Zunächst braucht man einen passenden Baum, von dem das Kernstück als Grundlage verwendet wird.“

Schrittweise wird dieses dann von grob zu fein bearbeitet, zuerst mit der Kreissäge und schließlich mit einem kleinen Schnitzeisen. Es kann durchaus bis zu einem halben Jahr dauern, ehe Bechtold ein solches Unikat fertigstellt hat. Das macht sich dann auch am Preis bemerkbar: Einen vierstelligen Eurobetrag müssen Kunden für diese außergewöhnlichen und aufwändigen Figuren zahlen.

Weihnachten ist das Hauptgeschäft

Die wichtigste Zeit des Jahres beginnt für Bechtold im Advent: Fast zwei Drittel des Jahresumsatzes macht der Rosenheimer im Dezember mit seinem Laden und dem Stand am Christkindlmarkt. Dass dieser heuer coronabedingt ausgefallen ist, bedeutet für Bechtold hohe Verluste. „Bisher war das für uns immer eine ganz große Geschichte. Ich bin zusammen mit einer Aushilfe auf dem Markt, während mein Vater die Arbeit im Laden übernimmt.“

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Doch daraus wurde in diesem Jahr nichts. Bechtold blieb in seiner  Schnitzerei und musste auf ein System zurückgreifen, mit dem er sich schon während des ersten Lockdowns im März über Wasser gehalten hatte: Mit einer Mischung aus Lieferservice und Versand versorgte er seine Kunden mit seiner Schnitzkunst. „Ich habe dieses Jahr viel mehr verschickt als je zuvor“, sagt er. Ein weiteres wichtiges Standbein sind Restaurationen. Gerade größere Skulpturen, die im Freien stehen, müssen intensiv gepflegt werden.

Eine Krippe voller Rohlinge: In dieser Variante der Heiligen Nacht sind die Figuren noch unbemalt.

Bechtold hat sich schon im Alter von vier Jahren in der Werkstatt seines Vaters spielerisch mit dem Material Holz auseinandergesetzt: Mit einem kleinen Messer schnitzte er mit großer Leidenschaft seine ersten kleinen Figuren. Für die Zukunft baut Bechtold darauf, dass seine personalisierte Arbeit nach der Corona-Krise wieder vermehrt zur Geltung kommen kann. Er möchte sich gerne auf die Schnitzarbeit konzentrieren, um seinen Kunden exklusive Einzelstücke anbieten zu können. Die Figuren sollen die weihnachtliche Stimmung von der Schnitzerei in die Wohnzimmer der Region gelangen.

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