Doppel-Jubiläum für „Mann der Tat“

Rosenheimer Josef Kaffl feiert an Silvester 80. Geburtstag

Mitten im Geschehen: Josef Kaffl (Mitte, mit Warnweste) zusammen mit Sohn Michael.
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Mitten im Geschehen: Josef Kaffl (Mitte, mit Warnweste) zusammen mit Sohn Michael.

Josef Kaffl ist ein Mann der Tat. Er ist immer zur Stelle, wenn es sein muss und packt an, ohne auch nur einen Augenblick zu zögern. Am Donnerstag, 31. Dezember 2020, wird das Telefon des Panger Urgesteins nicht mehr still stehen. Der umtriebige Unternehmer feiert an Silvester seinen 80. Geburtstag.

Rosenheim – Doch das ist nicht der einzige „Runde“ in diesem Jahr, auf den er blickt. Kaffl organisiert seit 60 Jahren die Pfingstwallfahrt nach Altötting und steht damit seit sechs Jahrzehnten an der Spitze hunderter Wallfahrer aus Rosenheim und darüber hinaus. Wie alles begann und was ihn antreibt, dieser großen Verantwortung Jahr für Jahr gerecht zu werden, darüber haben Sohn Michael und Weggefährte Hans Bachmaier jetzt mit den OVB-Heimatzeitungen gesprochen.

Der Glaube gibt ihm viel Kraft

Frühjahr 1961: In den Vereinigten Staaten von Amerika ist vor wenigen Wochen John F. Kennedy als neuer Präsident vereidigt worden. Im Sommer soll der Bau der Berliner Mauer beginnen. Josef Kaffl, 20 Jahre alt, ist auf dem elterlichen Bachlbauer-Hof in Pang aufgewachsen – damals noch eine eigenständige, bäuerlich geprägte Gemeinde vor den Toren Rosenheims. Dass er acht Jahre später den Grundstein für sein eigenes Unternehmen legt, weiß er damals noch nicht. Fest steht dagegen schon: Kaffl hat einen unheimlichen Drang, etwas Eigenes auf die Füße zu stellen. Er ist zuverlässig und arbeitet hart. Kraft gibt ihm nicht zuletzt sein Glaube.

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Seine Tante Elisabeth ist währenddessen als Pfarrersköchin im nahen Heilig Blut tätig. Sie erzählt ihm von einer Wallfahrt, die Stadtpfarrer Otto Stauß an Pfingsten nach Altötting plant – für den Frieden und für die Wiedervereinigung. „Da geh‘ ich auf dem linken Fuß mit“, soll der junge Kaffl der „Lies“ geantwortet haben. Ein Scherz war das nicht, bestenfalls teilweise. Denn der junge Mann brach tatsächlich auf in die ihm noch unbekannte, ferne Pilgerstadt.

Um 3 Uhr an der Pfarrkirche

Um 3 Uhr früh fand er sich am Pfingstwochenende vor der Pfarrkirche St. Nikolaus in Rosenheim ein und wartete erst einmal gute 20 Minuten alleine in der Nacht, bis schließlich seine Begleiterinnen eintrafen: Zu seiner Verwunderung handelte es sich um 14 betagte Damen, jede davon ausgestattet mit einer mal mehr, mal weniger großen Reisetasche. Kaffl erkannte schon damals die Situation und machte sich nützlich, indem er den Betenden die Taschen abnahm, immer, wenn sie zu schwer wurden.

Beim 50-jährigen Jubiläum: Josef Kaffl (rechts) mit Anderl Wimmer, ehemaliger Wirt von Emertsham, dessen Tochter Maria und dessen Enkelin Anna Maria.

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Doch bei dieser Funktion blieb es nicht. Stattdessen wuchs die Gruppe der Teilnehmer konsequent an und die Aufgaben für den Wallfahrer aus Pang wurden genauso wie die Verantwortung mehr und mehr.

1970 wurde zum Schlüsseljahr für den damals 29-Jährigen. Dem Initiator, Pfarrer Otto Stauß, gibt der junge Fahrzeugbauer per Handschlag das Versprechen, auch weiterhin die Wallfahrer der Legio Mariens sicher nach Altötting zu führen, komme, was wolle. Nur kurz danach stirbt der Geistliche überraschend.

Umfassende Sicherungsmaßnahmen

Die Pflicht liegt nun alleine beim jungen Kaffl. Nach und nach erhält dieser jedoch Unterstützung. Denn die Auflagen werden strenger, die Bürokratie wird mehr und ein steigendes Verkehrsaufkommen erfordert gute und umfassende Sicherungsmaßnahmen, obwohl die Strecke meist über Nebenstraßen sowie Wirtschafts- und Feldwegen führt.

Zehnköpfiges Organisationsteam

Heute steht der Panger an der Spitze eines zehnköpfigen Organisationsteams. Neben seiner Frau Magdalena wirken darin unter anderem Sohn Michael aus Pang, Neffe Franz Kaffl aus Westerndorf am Wasen, Wegbegleiter Hans Bachmaier aus Hohenofen und weitere Helfer aus dem Raum Bad Aibling mit.

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Denn waren es anfangs 15 Wallfahrer, sind es heute mehrere hundert Menschen, die stets am Pfingstsonntag um 3 Uhr am Schloßberg starten. Neben dem festen Stamm mit Teilnehmern aus Stadt und Landkreis Rosenheim, aus den Kreisen Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen, aus Tirol und sogar aus der Schweiz sind jedes Jahr etliche neue Gesichter zu sehen.

Über Halfing, Obing, Kienberg und Engelsberg gelangen sie zum Etappenziel Garching an der Alz. Dort nächtigen zwischen 900 und 1000 Menschen überwiegend in Privatquartieren, bevor es nach Heiligenstatt (Markt Tüßling) geht, wo am Kloster die weiteren Gruppen eintreffen. Gläubige aus Freising, aus der Landeshauptstadt und aus weiteren Gegenden schließen sich zu einem großen Zug zusammen.

Gottesdienst zum Abschluss

Am Ziel angekommen findet der große Abschlussgottesdienst statt, zelebriert jedes Jahr von einem anderen Geistlichen. Wenn diese Eucharistiefeier zu Ende ist und sich die Katholiken nach und nach auf dem Weg zu ihren Bussen gemacht haben, gönnt sich Kaffl ein Weißbier. „Das ist dann der Moment, in dem sich die Anspannung langsam auflöst“, so Sohn Michael.

Im Laufe der 60 Jahre haben sich ihm zufolge entsprechend viele Freundschaften gebildet. Es sind tiefe Gespräche zu Stande gekommen und berührende Begegnungen geschehen.

Zum 50-jährigen Jubiläum der Pfingstwallfahrt überreichte Weggefährte Hans Bachmaier (links) aus Hohenofen Josef Kaffl eine Urkunde.

Zum Beispiel, als der Wirt von Emertsham (Gemeinde Tacherting) die nach Dauerregen völlig durchnässten Wallfahrer bei sich aufnahm und spontan den Ofen der Wirtsstube einheizte, damit sie sich wärmen und von den Strapazen erholen konnten.

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Es bedanken sich jedes Jahr Teilnehmer mit netten Postkarten beim Organisator, die Kraft schöpfen aus dem zweitägigen Marsch. Seine Herbergsmutter in der Alz-Gemeinde Garching ist noch immer dieselbe, inzwischen über 90 Jahre alt und nimmt den Veranstalter jedes Jahr mit Freude bei sich auf. „Ganz besonders aber freut es meinen Vater, dass die Jugend so zahlreich vertreten ist“, so der 41-jährige Sohn Michael im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Stille, aber kein Schweigemarsch

Denn die Pfingstwallfahrt soll auch in den kommenden 60 Jahren kein Schweigemarsch sein – obwohl die bewusste Stille im Lauf des mehrtägigen Bittgangs ihren festen Platz hat. Das Motto vom Rosenheimer Pfarrer Stauß, fröhliche Wallfahrer zu sein und bei jedem Wetter betend und singend zur Gottesmutter nach Altötting zu ziehen, soll stattdessen an nachfolgende Generationen weitergegeben werden. „Eben nicht nur die Gebete, sondern auch die Gespräche mit anderen Männern und Frauen, die oft mit großen Sorgen diese Wallfahrt mitgehen und dankbar sind für das Zuhören, stehen im Mittelpunkt“, heißt es.

Hoffen auf ein Ende der Pandemie

Schließlich hoffen alle, dass nach der pandemiebedingten Pause in diesem Jahr an Pfingsten 2021 wieder alles wie geplant laufen kann. Josef Kaffl denkt nämlich keinesfalls ans Aufhören, im Gegenteil. In Dankbarkeit und Ehrfrucht nimmt er sein Amt so lange wahr, wie ihn seine Füße tragen – gemäß seines Versprechens an den Rosenheimer Stadtpfarrer Otto Stauß.

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