Rosenheimer Innenstadt: Optiker zieht in Eisenwarenhandlung

Enge Zusammenarbeit: Seit vielen Monaten plant Jakob Förg (rechts) die Neueröffnung in den Räumen an der Heilig-Geist-Straße. Mieter wird die Optiker-Familie Häckl sein: (von links) Heike Häckl, Andrea Häckl, Erich Häckl und Simon Häckl. Schlecker

In die ehemalige Eisenwarenhandlung Förg kommt neus Leben. Nach Monaten der Sanierung ist ein neuer Mieter gefunden. Familie Häckl richtet ein Optiker-Geschäft ein.

Rosenheim– Mit dem Neuanfang wird sich ein Kreis schließen: Wenn Anfang April der neue Mieter in die Räume der ehemaligen Eisenwarenhandlung Förg in Rosenheim einzieht, dann übernimmt mit Erich Häckl ein alter Freund von Günter Förg die Räume. Eine Fügung, für die sich alle Beteiligten nach Förgs überraschendem Tod von vor bald einem Jahr eingesetzt haben.

Altes wird um Neues ergänzt

Wer eintritt in den ehemaligen Verkaufsraum der Eisenwarenhandlung an der Heilig-Geist-Straße spürt: Hier ist Altes erhalten und um Neues sorgfältig ergänzt.

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Das Gewölbe des rund 200 Quadratmeter großen Raumes ist restauriert, die Wände sind ausgetrocknet und frisch gestrichen, eine Fußbodenheizung sorgt für Wärme. Auch im Lager, das sich an den Verkaufsraum anschließt, ist alles von Grund auf saniert. Für Helligkeit sorgt das Licht, das durch zwei Fenster fällt. Sie ersetzen das kleine Schießschartenfenster und die Stalltür, die es hier noch vor Monaten gegeben hatte.

Sanierung als Kraftakt

Im April vergangenen Jahres hatte Jakob Förg, der Sohn von Günter Förg, damit begonnen, die Eisenwarenhandlung zu sanieren und umzubauen. Für den damals 23-Jährigen ein Kraftakt. Nicht nur, weil er selbst die Pläne entworfen, die Bauleitung übernommen und mit angepackt hatte. Sondern vor allem, weil er, wie auch seine Mutter Maria, vom Tod des Vaters vollkommen überrascht worden war. Das Geschäft, so hatte Jakob Förg gesagt, sei immer „Sache des Vaters“ gewesen. Er selbst wollte es nie übernehmen. Eine Entscheidung, die der Vater immer mittrug. Günter Förg selbst wusste: Lange würde die Eisenwarenhandlung nicht mehr zu halten sein. Doch das 100-jährige Bestehen, das sollte das eigentümergeführte Geschäft noch erleben, hatte sich Günter Förg als Ziel gesetzt. 2022 wäre das Jubiläum zu feiern gewesen. Doch es kam anders: Am 30. Januar 2019 starb Günter Förg im Alter von 64 Jahren.

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Heute, bald ein Jahr später, steht Jakob Förg mit den neuen Mietern im Verkaufsraum. Erich Häckl, seine Frau Heike und die beiden erwachsenen Kinder Andrea und Simon werden hier Anfang April ein neues Optiker-Fachgeschäft eröffnen. Es ist das zweite der Familie in Rosenheim – Verkauf und Beratung an der Münchener Straße werden weiterlaufen. Das Geschäft dort gibt es seit 1984.

Wo jetzt die Handwerker auf Leitern stehen und Wände streichen, werden die Häckls Sehschärfe-Tests anbieten, Vorsorge-Messungen durchführen und bei der Auswahl von Brille oder Kontaktlinse helfen. Für Erich Häckl ist das Geschäft an der Helig-Geist-Straße nicht nur eine unternehmerisch spannende Aufgabe, die wohl auch vier bis fünf zusätzliche Arbeitsplätze für die Stadt bringen wird. Es geht ihm um eine Herzensangelegenheit. „Wir fühlen uns der Familie Förg verpflichtet, sagt er. Der 65-Jährige kannte Günter Förg schon seit der Schulzeit. Bereits kurz nach dessen Tod, habe er daher zu Jakob Förg Kontakt aufgenommen. Und gemeinsam habe man rasch Einigkeit gefunden, darüber wie es einmal weitergehen könnte mit den Räumen, in denen Günter Förg über viele Jahre der Herr der Schrauben gewesen war.

Alter Schrank wird eingebaut

Eine Entwicklung, mit der der Vater ganz bestimmt einverstanden gewesen wäre. Zumal das Optiker-Handwerk dessen Traumberuf gewesen sei, sagt Jakob Förg. Und dass nun auch der alte Schrank mit den unzähligen Schubladen sowie die große Verkaufstheke wieder Platz finden im neuen Geschäft – das lässt die Freude ein ganzes Stück größer sein. Da mag es auch auszuhalten sein, dass der Fußboden aus alten Eichendielen nicht mehr zu retten war. Dass unter den Dielen nicht einmal eine Bodenplatte zu finden war, sondern lediglich einige Baumstämme im Kies lagen, das war eine der weniger schönen Überraschungen während der Bauarbeiten. 250 Kubikmeter Aushub waren allein an dieser Stelle abzutransportieren. „Wochenlanges Schubkarre-Fahren“ war das, erinnert sich Jakob Förg.

Freude über gelungene Arbeit

Nun aber ist alles auf einem guten Weg, das Ende der Sieben-Tage-Woche auf der Baustelle für den heute 24-Jährigen abzusehen. Und dann?

Eigentlich hatte Jakob Förg, Student der Holztechnik, im April vergangenen Jahres in die USA gehen wollen, um dort seinen Master zu machen. Ein Plan, den er jetzt nicht mehr verwirklichen wird. Zwei Wochen Pause will er sich nehmen im März. „Das braucht es dann. Mal alles sacken lassen“, sagt er. Es klingt ein wenig müde. Aber auch zufrieden. Er weiß, es ist ein Neuanfang im Sinne des Vaters. Auch Günter Förg hatte immer wieder über eine Sanierung nachgedacht. Vater und Sohn hatten darüber gesprochen. Jetzt hat Jakob Förg alles zu einem guten Ende gebracht. „Ich habe es halt nur ein bisschen größer aufgezogen“, sagt er – ein leichtes Schmunzeln zieht über sein Gesicht.

Neues Leben an der Heilig-Geist-Straße

Mit der Eröffnung von Optik Häckl in der Heilig-Geist-Straße 2a in Rosenheim kehrt nicht nur Leben zurück in die ehemalige Eisenwarenhandlung Förg. Es wird auch der Straße selbst wieder neues Leben eingehaucht. Denn in den vergangenen Monaten hatte es einigen Leerstand in der kleinen Fußgängerzone vor der Heilig-Geist-Kirche gegeben. Hatte zunächst das Sportgeschäft „Eiger und Jungfrau“ auf Nummer 7 geschlossen, folgte im November 2019 das Ende für den Rosenheimer Fischladen von Manfred Buck auf Nummer 2, im Haus der Familie Bierbichler.

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Eine Entwicklung, die der Vorsitzende des Rosenheimer City-Managements, Paul Adlmaier, nicht beunruhigt. Ein „gewisser Strukturwandel“ sei „attraktiv“, nicht alles müsse deshalb wegbrechen. Und tatsächlich: Neben der Neuvermietung bei Familie Förg blickt auch Irmi Bierbichler zuversichtlich auf die kommenden Monate: Die Idee, einen Mieter für ein erneutes Fischgeschäft zu finden, habe sich zwar zerschlagen. Doch nun würden Wohnungen und Laden erst einmal saniert. Im Sommer dann, so hofft sie, ist dann alles bereit für einen neuen Mieter. Es gebe Verhandlungen mit einem Gastronomen für ein Fischlokal, sagt Irmi Bierbichler. Schwieriger offensichtlich ist es, einen Nachmieter für das ehemalige Sportgeschäft zu finden. Zwischenzeitlich als Outlet-Store von Marco Polo genutzt, stehen die Räume nun schon seit Wochen erneut leer. Ein Plakat weist darauf hin, dass auch eine Zwischennutzung möglich ist.

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