Ein Tag mehr Rosenheimer Herbstfest 2021, aber kein Start am Freitagmittag

Ein Albtraum zu Corona-Zeiten: Dicht an dicht sitzen die Menschen im Bierzelt an den Tischen beim Rosenheimer Herbstfest. Im vergangenen Jahr ganz normal. Seit der Virus umgeht, undenkbar. Trotzdem äußert sich der Wirtschaftliche Verband nicht dazu, ob das Fest stattfinden kann oder nicht. SChlecker
  • Ilsabe Weinfurtner
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Die Absage des Herbstfestes in Rosenheim hat die Veranstalter schwer getroffen. Aber aufgrund der Corona-Pandemie war die Entscheidung im April wohl alternativlos. 2021 soll in Rosenheim wieder gefeiert werden. Und wie der Haupt- und Finanzausschuss nun entschieden hat: einen Tag länger als sonst.

Update 17. Juni

Stimmen zur Herbstfest-Verlängerung

Weil das Herbstfest im kommenden Jahr sein 160-jähriges Jubiläum feiert, hat sich der Wirtschaftliche Verband um Geschäftsführer Klaus Hertreiter etwas besonderes überlegt. So soll das Fest einen Tag früher losgehen und damit 17 statt wie bisher 16 Tage dauern. „Wir freuen, dass dem Antrag stattgegeben wurde“, sagt Hertreiter. Es sei ein „extra Zuckerl“ für das entfallene Herbstfest in diesem Jahr. Ein ähnliches Konzept habe es bereits 2011 gegeben, als das Herbstfest sein 150-jähriges Jubiläum feierte.

Ebenfalls im Ausschuss diskutiert wurde, ob eine Vorverlegung des Eröffnungsbeginns von 17 Uhr auf 12 Uhr sinnvoll wäre. Stadtrat Dr. Wolfgang Bergmüller (CSU) befürwortete die Verlängerung des Herbstfestes, sprach sich aber gegen eine Vorverlegung des Eröffnungsbeginns aus. So würden viele Festzugsteilnehmer um 12 Uhr noch arbeiten und müssten sich für den Festumzug Urlaub nehmen.

Auch der Fraktionsvorsitzende der CSU, Herbert Borrmann, begrüßte den zusätzlichen Tag. Allerdings kritisierte er die Begründung. „Da ziehen sich mir die Fußnägel auf“, sagte er. So lasse sich immer ein Grund finden, um eine Verlängerung zu beantragen. „Ich will nicht, dass das ausartet“, sagt er.

Stadträtin Sonja Gintenreiter (Grüne) begrüßte den Antrag, regte an einen Kompromiss zu finden und das Herbstfest, bereits um 15 Uhr beginnen zu lassen. So könnten die Teilnehmer bis mittags arbeiten und würden es trotzdem noch zum Umzug schaffen.

Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler/UP, Robert Multrus, widersprach, sagte ein Beginn um 17 Uhr sei ausreichend. Mit den Worten „Wer hat Lust auf einen Tag mehr Wiesn“ lies Oberbürgermeister Andreas März (CSU) schließlich abstimmen. Einstimmig sprachen sich die Stadträte für eine Verlängerung aus. Der Start des Einzuges allerdings bleibt bei 17 Uhr.

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Update 16. Juni

Herbstfest 2021 einen Tag länger als sonst

Der Wirtschaftliche Verband, Veranstalter des Herbstfestes in Rosenheim, hatte es beantragt: Das Herbstfest in Rosenheim soll nach der Corona bedingten Absage für das Jahr 2020 im kommenden Jahr einen Tag länger dauern.

Als "kleine Zugabe an die Schausteller für das entfallene Herbstfest 2020" bezeichnet der Wirschaftliche Verband die Verlängerung des Herbstfestes in seinem Antrag an die Stadt. Denn die Platzkosten sollen trotz längerer Dauer nicht angehoben werden.

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In erster Linie soll das Herbstfest aber aufgrund der runden Auflage verlängert werden. Es findet im kommenden Jahr zum 160. mal statt. Und beim 150. Jubiläum habe man bereits gute Erfahrungen mit einer vorgezogenen Fest-Eröffnung und damit einer Verlängerung um einen Tag gemacht, begründet der Veranstalter seinen Antrag.

Das Herbstfest 2021 würde dann vom 27. August bis 12. September stattfinden. Platzreservierungen, das kündigt der Wirtschaftliche Verband schon an, soll es dann für den Eröffnungsabend "möglichst keine geben".

Der Haupt- und Finanzausschuss stimmte dem Antrag des Wirtschaftlichen Verbandes bei seiner Sitzung am Dienstagnachmittag (16. Juni) einstimmig zu.

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Update 28. April, 18 Uhr: 

Rosenheimer Herbstfest 2020 findet nicht statt

Gemeinsame Presseerklärung der Stadt Rosenheim und des Wirtschaftlichen Verbands der Stadt und des Landkreises Rosenheim e.V.

Rosenheim. Die Stadt Rosenheim hat dem Wirtschaftlichen Verband der Stadt und des Landkreises Rosenheim e.V. mit Festsetzungsbescheid vom 10.05.2017 die Durchführung des Rosenheimer Herbstfests für die Jahre 2017 bis 2021 gestattet. 

Zwischenzeitlich hat der Wirtschaftliche Verband als Veranstalter des Rosenheimer Herbstfestes beantragt, diese Festsetzung für 2020 aufzuheben, da er im Hinblick auf die kursierende Infektionsgefahr durch die Corona-Pandemie das Herbstfest 2020 absagen möchte.

Die Stadt Rosenheim hat diesem Antrag heute (28.04.2020) stattgegeben. Damit erlischt sowohl die Verpflichtung als auch die Berechtigung für den Wirtschaftlichen Verband, das Herbstfest 2020 durchzuführen.

Absage unumgänglich

„Die Stadt Rosenheim und der Wirtschaftliche Verband sind sich darin einig, dass angesichts der zwingenden Notwendigkeit, Infektionsketten zu durchbrechen und eine weitere Verbreitung des Corona-Virus zu unterbinden, die Absage des Rosenheimer Herbstfests im Jahr 2020 unumgänglich ist. Eine frühzeitige Absage des Herbstfests ermöglicht es allen Beteiligten, sich hierauf rechtzeitig einzustellen und einen möglichen wirtschaftlichen Schaden so gering wie möglich zu halten“, erklärten der Vorsitzende des Wirtschaftlichen Verbandes, Reinhold Frey, und Rosenheims Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl zur heutigen Entscheidung.

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Update 21. April

Es wird eng für die Volksfeste

Rosenheim – Mit Bangen und voller Sorge hatte man gestern auf die Pressekonferenz von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gewartet. Klar war, wenn sie das Oktoberfest in München absagen, dann wird es ganz ganz eng für viele andere Volksfeste in der Region. Natürlich auch für das Herbstfest in Rosenheim.

Veranstalter vertröstet auf Mai

Noch hält sich der Veranstalter, der Wirtschaftliche Verband (WV), mit einer klaren Aussage zurück. Teilt lediglich schriftlich mit, man werde sich „zu gegebener Zeit“ äußern. Bis zum Söder-Reiter-Auftritt gestern hatte der WV stets gemeldet, man werde im Mai an die Öffentlichkeit treten, im Benehmen mit der Stadt. Ob es dabei bleibt, und warum man sich erst so spät zu Wort melden möchte, bleibt unklar.

Klar aber ist, mit wem man auch spricht: Hoffnung, man könnte um die Absage herumkommen, hat niemand. Die Stimmung ist niedergeschlagen. Zu viele Branchen wird die im Raum stehende Absage betreffen.

Besonders dramatisch wird der Ausschlag nicht nur für die Schausteller sein, sondern auch für den Einzelhandel, die Taxler und viele, viele mehr. Für die Caterer, Gaststätten, Bars und für die Beherbergungsbetriebe. „Es ist eine Katastrophe“, sagt Theresa Albrecht, die Rosenheimer Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes. Es gebe im Verband so viele, die spezialisiert seien auf das Herbstfest. Denen die Wiesn eine wichtige und bisher verlässliche Einnahmequelle gewesen ist. Bis die Corona-Krise kam. Bis der Virus nach und nach auch alle Hoffnung auf ein besseres „Später“ zunichte machte. „Wer jetzt einen Sitzplatz nicht belegen kann, der kann ihn gar nicht mehr besetzen“, sagt Theresa Albrecht.

Auch beim Einzelhandelsverband geht die Angst um

Aber auch, dass es schwer vorzustellen sei, wie das Herbstfest coronasicher zu feiern sei. Also mit der Einhaltung der Hygienevorschriften und des Mindestabstandes. „Man sitzt Körper an Körper, so ist das bei Volksfesten halt“, sagt sie. Und kann sich nicht vorstellen, dass in einem Bierzelt tatsächlich „nur vier Leute an einem Biertisch sitzen“. Angesichts des nun schon Wochen andauernden Lockdowns während Corona-Krise und der jetzt drohenden Absage des Herbstfestes sei es für viele Mitglieder im Verband schwierig, sich zu motivieren, der Zukunft etwas Positives abzugewinnen.

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Ein klein wenig hoffnungsvoller begegnet Maria Reiter der Situation. Sie führt in Rosenheim die „Boutique Beo“ am Max-Josefs-Platz und verkauft dort neben Mode auch Trachten. Juli, August und September: Das waren bisher die Monate, in denen das Geschäft besonders gut lief: Trachten waren gefragt, ein neues Gwand für die Wiesn, das hob den Umsatz regelmäßig um rund 50 Prozent, sagt Maria Reiter. Sie ist Vorsitzende des Rosenheimer Einzelhandelsverbandes und sagt, es sei schon „die Angst umgegangen“, dass die Wiesn ausfallen könnte.

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Sollte es so kommen, wovon sie ausgeht, treffe es den Einzelhandel nicht ganz unvorbereitet, aber doch hart. Allerdings es sei schwer, sich vorzustellen wie solche Volksfeste veranstaltet werden können, ohne die Sicherheitsbestimmungen, einzuhalten, die während der Corona-Krise gelten. Insgesamt, sagt Reiter, habe sich der Verband ein zügigeres Vorgehen von der Politik gewünscht. So habe sie selbst vor „über drei Wochen“ einen Antrag auf Soforthilfe gestellt. Geld sei bisher nicht bei ihr angekommen. Dass nun wohl auch das Herbstfest ausfällt, mache die finanzielle Lage nicht leichter. Dass nun auch der Wirtschaftliche Verband mit einer klaren Ansage zögert, bedauert sie. „Ich wäre froh, wenn sie sich äußern würden.“

Herber Schlag mitten in der Krise

Dass es in diesem Jahr keine Wiesn in Rosenheim geben wird, davon ist auch Sabrina Obermoser vom City-Management Rosenheim überzeugt. Sie spricht von einem herben Schlag, der die Großen im Geschäft genauso treffe, wie die Kleinen. Selbst für die WC-Dame im Festzelt oder auch für den Studenten, der sich während der Wiesn etwas dazuverdient, habe das verheerende Folgen. Folgen, die dann wiederum Kreise ziehen. Denn Geld, das nicht verdient werden kann, wird nicht ausgegeben und fehlt in den Kassen der Rosenheimer Einzelhändler.

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Wichtig sei es, nicht mutlos zu werden, nach Perspektiven zu suchen, sagt Sabrina Obermoser trotzdem. So wolle das City-Management auf Wirte zugehen und darüber ins Gespräch kommen, wie man das Herbstfest über kleine Akzente wie Trachtenveranstaltungen in die Gasthäuser bringen kann. „Wir lassen uns das Thema Herbstfest“ nicht nehmen, sagt Sabrina Obermoser. Nur die Gastronomie, die muss dann erst einmal wieder geöffnet sein.

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