Rosenheimer Fotograf Willi Kasprzyk (31) hält das Leben in Benin in Bildern fest

Der Fotograf Willi Kasprzyk und seine Werke: 30 Bilder schmücken die Ausstellung im Huber-Seiler-Haus.
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Der Fotograf Willi Kasprzyk und seine Werke: 30 Bilder schmücken die Ausstellung im Huber-Seiler-Haus.

Der freiberufliche Fotograf Willi Kasprzyk (31) aus Rosenheim hat mit seiner Kamera im vergangenen Jahr zwei Wochen lang das Leben in Benin eingefangen. Entstanden sind dabei berührende Einblicke aus einem der ärmsten Länder der Welt.

Von Anna Hausmann

Rosenheim/Calavi – Im Rahmen des Austauschprogramms des Jugendhilfeträgers „Startklar“ in Rosenheim begleitete der freiberufliche Fotograf Willi Kasprzyk (31) zwei Wochen lang die Beniner und Rosenheimer nicht nur beim gemeinsamen Fußballspiel. Mit seinen Fotos – aktuell zu sehen im Huber-Seiler-Haus – entführt er die Betrachter in eines der ärmsten Länder der Welt.

Sengende Hitze, bewegende Eindrücke

Die Sonne brannte schon den ganzen Tag vom Himmel über Benin, als er und die anderen Helfer einen Anruf bekamen erinnert sich Kasprzyk zurück. In einem kleinen Dorf, nicht weit weg von ihnen, sollte eine Schule entstehen. Helfende Hände waren gefragt. Denn die Grundmauern des Gebäudes standen schon. Doch im Inneren war alles voller Sand.

„Wir haben sofort mitangepackt“

Seit Stunden schaufelten ihn Anwohner heraus, um einen ebenerdigen Boden zu schaffen. Darunter Kinder, die nicht älter waren als zehn Jahre. Mütter, die ihre Säugline am Rücken trugen. Kasprzyk drückte auf den Auslöser, eine Momentaufnahme mitten aus dem Leben in Benin. „Wir haben sofort mitangepackt.“ Die Hitze des Landes ist auf seinen Fotos förmlich zu spüren, ebenso die sandigen Straßen unter den Füßen der Menschen. Sie leben in Lehmhäusern und Hütten, aus einfachsten Mitteln gebaut. Eins ist klar: Dieses Land ist arm, sehr arm. „Für ein afrikanisches Land haben die Leute hier sehr wenig. Sie haben nicht mal Geld, ihre Kinder in die Schule zu schicken“, erzählt der gebürtige Rosenheimer. Es sind bewegende Eindrücke, selbst für den erfahrenen Globetrotter, der sonst als Fachkraft für Abwassertechnik bei der Stadt Rosenheim angestellt ist.

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Für die Beniner ist es der Alltag, aber ihre Lebensfreude ist ungetrübt. Da war etwa das Mädchen Monique, das Kasprzyk beim Besuch einer Schulklasse kennenlernte. Das Gebäude hatte Löcher statt Fensterrahmen, allein die Schieferntafel erinnerte an ein Klassenzimmer. Der Rosenheimer ging durch die Räume, als er in einen Deutschunterricht gerufen wurde. Mittendrin auch Monique, die den den Fotografen um ein Foto bat. Fröhlich lacht sie in die Kamera. Es sind Schnappschüsse, die der Rosenheimer in seiner Bildersammlung hat. Von tausenden an Fotos musste er auswählen, 30 davon schafften es in seine Ausstellung „Colours of Benin“. Fotografie war schon immer seine große Leidenschaft. Ob Landschaftsaufnahmen, Sportfotografie, Portraits, Hochzeiten – es ist das pure Leben, das ihn interessiert. Und das erwartete ihn in Benin.

„Eigentlich war meine Hauptaufgabe, für den Förderverein „Startklar“ einen Dokumentarfilm über den Aufenthalt zu drehen und die Impressionen einzufangen.“ Fernab vom Fußballfeld, auf denen Rosenheimer und Beniner spielten, entstanden ganz nebenbei die Fotografien.

Bunte Facetten des Kulturaustauschs

Mit Willi Kasprzyk hat er den richtigen Mann für das Fotoprojekt gefunden, ist sich Projektkoordinator Christian Hlatky von Startklar sicher. „Willi hat es geschafft, die Menschen nicht nur als Hilfsbedürftige darzustellen, sondern ihnen auf Augenhöhe zu begegnen.“ Seine Arbeit zeige die Facetten eines beeindruckenden Kulturaustausches. Die Beniner seien trotz ihrer Armut in ihren kleinen Lehmhäusern so zufrieden, lebensfroh und gastfreundlich. Ein Leben in Europa könnten sie sich gar nicht vorstellen, sie möchten gar nicht aus ihrer Heimat weg. „Diese Atmosphäre hat Willi perfekt eingefangen.“

Die Ausstellung im Huber-Seiler-Haus in Rosenheim ist jeden Freitag von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Die Vielfalt des westafrikanischen Staats zeigt der Fotograf in seiner Ausstellung „Colours of Benin“.
Trotz Armut voller Lebensfreude: Kasprzyk konnte den Alltag in den Dörfern einfangen.Kasprzyk/privat
Ein Portrait einer Dame, die half, den Sand aus einer Schule zu schaufeln.

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