Rosenheimer Förderverein für Bolivien: Corona reißt die Armen in den Abgrund

Ganz nah dran an den Kindern ist Maria Berger, die Schriftführerin des Rosenheimer Fördervereins bei einem ihrer Besuche in Bolivien. Überhaupt pflegen die Rosenheimer engen persönlichen Kontakt zu den Bedürftigen und zur Fundacion „Estrellas en la Calle“, den sie finanziell unterstützen.
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Ganz nah dran an den Kindern ist Maria Berger, die Schriftführerin des Rosenheimer Fördervereins bei einem ihrer Besuche in Bolivien. Überhaupt pflegen die Rosenheimer engen persönlichen Kontakt zu den Bedürftigen und zur Fundacion „Estrellas en la Calle“, den sie finanziell unterstützen.
  • Ilsabe Weinfurtner
    vonIlsabe Weinfurtner
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Die Not vieler Menschen in Bolivien ist groß. Und die Corona-Pandemie verschärft die Situation gerade für die Ärmsten der Armen noch einmal dramatisch. Das berichten die Vorstandsmitglieder des Rosenheimer Fördervereins „Sterne auf den Straßen Boliviens“.

Rosenheim– Der Verein unterstützt in Cochabamba die Fundacion „Estrellas en la Calle“, ein Hilfsprojekt von Bolivianern für Bolivianer und bittet dringend um finanzielle Unterstützung.

Die Fundacion ist eine vom bolivischen Staat anerkannte, gemeinnützige Organisation in Cochabamba. Sie hilft Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in extremer Armut und bildungsfern aufwachsen, teilt der Verein in einem Rundbrief mit. Perspektiven für diese Menschen gebe es nicht.

Kampf dem Leben auf der Straße

Sie lebten auf der Straße und seien dabei „sehr stark durch Drogenabhängigkeit, Missbrauch, Prostitution und häusliche Gewalt gefährdet“. Mehr als 400 dieser Bedürftigen würden durch die Fundacion betreut. Verschiedene Projekte, darunter Straßensozialarbeit, der Betrieb einer Kindertagesstätte und eines Horts, hätten zum Ziel „pädagogische, psychologische, soziale, gesundheitliche und familiäre Unterstützung zu leisten“ – immer in der Hoffnung, dass möglichst viele der Betroffenen das Leben auf der Straße hinter sich lassen können, meldet der Verein.

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Erschwert wird demnach die Arbeit vor Ort derzeit vor allem durch die restriktiven Ausgangsbeschränkungen und die vermehrten Kontrollen durch Militär und Polizei. Einige Hilfe sei gar nicht mehr möglich, unter anderem, weil die Mitarbeiter von „Estrellas en la Calle“ nicht mehr zu den Bedürftigen fahren können.

Bitte um Lebensmittel

Die Situation ist offensichtlich so gravierend schlecht, dass einige der betreuten Familien direkt im Büro der Fundacion vorgesprochen und um Lebensmittel gebeten haben. Hamsterkäufe, enorme Preisanstiege und stark eingeschränkte Öffnungszeiten sorgten zudem für viele Probleme. Ein wenig Linderung immerhin habe Ende April eine Sondergenehmigung gebracht, mit der die Mitarbeiter der Fundacion nun Lebensmittel kaufen können. Vorausgegangen sei ein sechswöchiger Verhandlungsmarathon mit den Behörden, den Victor Arellano, der Leiter der Fundacion, geführt habe, meldet der Verein.

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Eine zusätzliche Schwierigkeit für das Engagement sei, dass die Räume der Fundacion an weit verstreuten Standorten in Cochabamba lägen. Zumeist seien sie für lediglich zwei Jahre angemietet, was in Bolivien vielfach üblich sei. In der Folge aber müssten immer wieder neue Räume gefunden werden, was vor allem für die Kinder und Jugendlichen eine große Ungewissheit mit sich bringe, ob und in welcher Form sie die Räume, in denen die Projekte stattfinden, überhaupt noch erreichen können.

Eigenes Haus geplant

Daher will der Verein nun die Idee verwirklichen, ein eigenes Haus zu bauen, in dem sämtliche Projekte stattfinden können und in dem auch das Büro der Fundacion Platz finden kann. Ein rund 500 Quadratmeter großes Grundstück ist bereits gekauft. Nun sollen die Bauarbeiten beginnen. Die Kosten für den Bau liegen laut Verein bei etwa 280 000 Euro.

Konkrete Einzelposten

Um diesen Plan verwirklichen zu können, bittet der Rosenheimer Förderverein „Sterne auf den Straßen Boliviens“ um Unterstützung. Dabei ist möglich, die Kosten für bestimmte Arbeiten oder einzelne Materialien zu übernehmen. Der Verein benennt dafür gerne konkrete Einzelposten. Die „Estrellas en la Calle“ erhält vom bolivianischen Staat keinerlei finanzielle Hilfe, meldet der Verein.

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