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„DIE MEISTEN KOMMEN NICHT FREIWILLIG“

Rosenheimer Experte der Fachstelle häusliche Gewalt spricht über den Umgang mit Tätern

Die Arbeit mit den Tätern: An der Fachstelle in Rosenheim kümmert man sich um Fälle häuslicher Gewalt.
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Die Arbeit mit den Tätern: An der Fachstelle in Rosenheim kümmert man sich um Fälle häuslicher Gewalt.
  • Korbinian Sautter
    VonKorbinian Sautter
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Christof Furtwängler kennt sie genau: die Täter häuslicher Gewalt. Der Sozialarbeiter der Fachstelle in Rosenheim arbeitet seit Jahren mit ihnen und versucht, die teilweise komplizierte Vergangenheit aufzuarbeiten. Doch mit der Corona-Pandemie wurde alles deutlich schwieriger.

Rosenheim – „Alles beginnt mit Stabilisation und Transparenz“, stellt Christof Furtwängler gleich zu Beginn des Gesprächs klar. Er meint damit den wichtigen ersten Schritt, der in der Rosenheimer Fachstelle die Täter häuslicher Gewalt zu weiteren Sitzungen bewegen soll.

Seit rund 25 Jahren das Gesicht der Rosenheimer Fachstelle: Sozialarbeiter Cristof Furtwängler.

Bevor die Arbeit überhaupt beginnen kann, muss der erste Kontakt so überzeugend sein, dass der Betroffene überhaupt darüber nachdenkt etwas in seinem Leben zu ändern und auch ein zweites Mal wiederzukommen. Mit klaren Worten versuche der Sozialarbeiter deshalb gleich zu Beginn , sein Programm als Chance zu verkaufen und die potenziellen Teilnehmer auf die Auswirkungen ihres Verhaltens aufmerksam zu machen.

„Der erste Schritt ist am schwersten“

Denn diese Auswirkungen in Form von Gewalt sind es, die den Weg zum Experten überhaupt erst notwendig machen. Laut einer Statistik seiner Fachstelle kommen die meisten Täter über die Staatsanwaltschaft, die Polizei oder die Gerichte und erhoffen sich von der Teilnahme an den Kursen eine strafmildernde Wirkung ihrer Vergehen.

Nur selten beruht demnach die Wahrnehmung des Angebots auf dem Überdenken des eigenen Verhaltens. Sätze wie: „Ich gehöre doch gar nicht dazu“, seien typischerweise das Erste, was der Sozialarbeiter zu hören bekommt.

Gruppensitzungen in Rosenheim

„Doch ist die Hürde der Überwindung erst einmal genommen, steigt die Motivation meist von Sitzung zu Sitzung“, betont Furtwängler. Über einen Zeitraum von knapp einem Jahr kümmert er sich in der Regel in Gruppensitzungen um die zum großen Teil männlichen Teilnehmer. Mit vielen Gesprächen, Konfrontationen und Interaktion mit der Gruppe versucht man bei der Fachstelle, ein Verständnis für die eigenen Handlungen bei den Tätern hervorzurufen.

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Dass dieses Vorgehen gemeinsam besser gelingt, ist für Furtwängler dabei klar, weshalb ihm der Ausbruch der Corona-Pandemie zu schaffen macht. Denn seit dem ersten Lockdown musste er seine Beratung größtenteils online und in Einzelgesprächen vornehmen. „Dabei ist es viel leichter für die Leute, bei unangenehmen Themen auszuweichen“, stellt der Rosenheimer fest. Zudem sei es sehr schwer, die Reaktionen des Gegenübers über den Bildschirm richtig zu interpretieren. Durch die hierfür notwendige hohe Konzentration sei man außerdem nach wenigen Stunden sehr ausgelaugt.

Kein Anstieg wegen Corona zu erkennen

Der durch die Pandemie befürchtete Anstieg der Täter häuslicher Gewalt blieb laut den Zahlen der Fachstelle allerdings aus. Das liegt für den Experten daran, dass Auslöser von Gewaltaktion wie starker Alkoholkonsum durch die Absage von Großveranstaltungen abgenommen hat. Furtwängler kann sich jedoch vorstellen, dass aufgrund der Kontaktbeschränkungen auch weniger Fälle gemeldet und damit nicht von der Statistiken erfasst wurden.

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Der Rosenheimer Sozialarbeiter hofft daher sehr, den direkten Austausch wieder forcieren zu können, sobald es die Corona-Beschränkungen wieder zulassen. Denn solch eine Ausnahmesituation wie während dem Lockdown habe er, trotz vieler Jahre Berufserfahrung, noch nicht erlebt.

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