Corona-Abstand Fehlanzeige?

Rosenheimer Eltern beklagen „desolate Zustände“ im Bus: Jetzt äußert sich die Stadt

Volle Busse und Kinder, die an Haltestellen stehengelassen werden: In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Andreas März übten sieben Elternbeiratsvorsitzende Kritik an der Stadt und dem ÖPNV.
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Volle Busse und Kinder, die an Haltestellen stehengelassen werden: In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Andreas März übten sieben Elternbeiratsvorsitzende Kritik an der Stadt und dem ÖPNV.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Andreas März (CSU) haben die Rosenheimer Elternbeiräte die „desolaten Zustände“ bei der Schülerbeförderung kritisiert. Eine Antwort der Stadt ließ drei Wochen auf sich warten.

Rosenheim – Thomas Tramp ist niemand, der schnell aufgibt. Aber nach drei Wochen ohne Antwort hat auch bei dem Elternbeiratsvorsitzenden des Ignaz-Günther-Gymnasiums Resignation eingesetzt. „Ich fand es sehr ernüchternd, wie mit unserem Anliegen umgegangen wurde“, sagt er. Gemeinsam mit sechs anderen Elternbeiratsvorsitzenden hatte er, wie berichtet, einen offenen Brief an die Stadt geschrieben und darin unter anderem die „proppevollen Schulbusse“ und die fehlenden Abstandsregeln kritisiert.

Eltern wollen Antworten von der Stadt

„Es ist den Kindern nicht zu vermitteln, warum im ÖPNV die Abstandsregeln nicht gelten, aber in der Schule sehr wohl“, heißt es. Eine Lösung müsse her. Trotz Lockdown und Ferien. Denn sobald es die ersten Lockerungen gebe und die Schule wieder losgeht, sei davon auszugehen, dass die Fahrgastzahlen weiter steigen würden.

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„Wir wollen einfach wissen, wie die Stadt plant, mit dieser Situation umzugehen“, sagt Tramp. Doch auf eine Antwort auf diese Frage musste der Elternbeiratsvorsitzende fast drei Wochen warten. „Uns ist klar, dass die Zeiten nicht einfach sind und jeder an der Stadt zerrt. Aber es ist einfach eine Frage des Umgangs.“ Ihn habe vor allem gestört, dass anstatt direkt mit den Eltern zu sprechen, nur über sie gesprochen wurde.

Wogen sind mittlerweile geglättet

Doch mittlerweile scheinen die Wogen geglättet. Es habe sowohl ein Telefonat mit der Stadt, als auch ein Antwortschreiben gegeben. „Ich glaube, dass unsere Botschaft verstanden wurde. Wir sind eben keine hysterischen Eltern“, sagt Tramp.

In ihrem Antwortschreiben, das auch unserer Zeitung vorliegt, erklärte die Stadt, dass man die Sorgen der Eltern verstehe, aber nicht ganz nachvollziehen könne.

Mangelnde Kommunikation

So seien die Beschwerden, dass die Busse proppevoll seien und Schüler an den Haltestellen stehen gelassen würden, „nicht mehr berechtigt“. Es stimme zwar, dass zu Beginn des Schuljahres „Busse so voll waren, dass Kinder nicht mehr mitgenommen werden konnten“, aber schon da habe es ein Missverständnis gegeben. Denn ein Verstärkerbus habe dieselbe Haltestelle wenig später angefahren, um auch die restlichen Schulkinder einzusammeln. „Die Kommunikation war anfangs nicht gut“, gibt die Stadt zu.

Masken ja, Mindestabstand nein

Doch diese Probleme seien mittlerweile behoben. Das hatte auch Ingmar Töppel, Geschäftsführer des Rosenheimer Stadtverkehrs, bestätigt. Hinzu komme, dass die generelle Entscheidung, dass im ÖPNV aufgrund der dort geltenden Maskenpflicht keine Mindestabstände einzuhalten sind, nicht in die Zuständigkeit von Stadt und Landkreis oder der gemeinsamen Rosenheimer Verkehrsgesellschaft fällt.

Ampelregelung schützt vor überfüllten Bussen

Und auch den Vorwurf, dass die Busse proppevoll seien, wollte die Stadt so nicht auf sich sitzen lassen. So habe man zu Beginn der Pandemie festgelegt, dass in den Bussen „nicht die Gesamtkapazität der Sitz- und Stehplätze genutzt wird“. Laut Stadt wurde deshalb eine Art Ampelregelung besprochen.

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Grün bedeutet, dass bis zu 70 Prozent der zulässigen Kapazität erreicht ist. Bei der Farbe gelb, also einem Belegungsgrad zwischen 70 und 80 Prozent, nimmt der Busunternehmer Kontakt mit dem Aufgabenträger auf. Springt die Ampel auf Rot, bedeutet das, dass alle Sitzplätze und 50 Prozent der Stehplätze belegt sind. Hier muss ein Verstärkerbus eingesetzt werden. „Der Stadtverkehr versichert uns glaubhaft, dass diese Vorgaben regelmäßig eingehalten werden“, teilt die Stadt in ihrem Antwortschreiben mit. Das hätten auch „stichpunktartige Kontrollen“ ergeben.

Drei Din-A4-Blätter mit Problemen

Weil die Stadt die Sorgen der Eltern aber trotzdem Ernst nehmen will, bot sie an, Lösungen für konkrete Einzelfälle zu suchen und die Probleme zu beheben.

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Elternbeiratsvorsitzender Thomas Tramp nimmt das Angebot gerne an, hat drei Din-A4-Blätter mit konkreten Problemen im Busverkehr zusammengeschrieben und diese an die Stadt geschickt. „Ich bin gespannt, wie es Anfang Januar weitergeht“, sagt er. Dranbleiben will er auf jeden Fall.

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