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TRAUERMÖGLICHKEITEN EINGESCHRÄNKT

Rosenheimer Dekanin über Beerdigungen in Corona-Zeiten: „Trauern kostet viel mehr Kraft“

Vor geschlossenen Särgen: Bestatter Michael Hartl beklagt die eingeschränkten Trauermöglichkeiten.
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Vor geschlossenen Särgen: Bestatter Michael Hartl beklagt die eingeschränkten Trauermöglichkeiten.

Kein offener Sarg, kein Weihwasser, kein Gesang und viel Abstand: Durch die Corona-Pandemie haben sich Beerdigungen verändert. Ein Bestatter, eine Seelsorgerin und eine Dekanin sehen die Entwicklung kritisch.

Rosenheim – Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 ist die Besucherzahl für Beerdigungen unbegrenzt. Liegt die Inzidenz über 100, dürfen nur 30 Personen an einer Trauerfeier teilnehmen. Seit April wurde dieser Schwellenwert in Rosenheim nicht mehr unterschritten. Für die Angehörige Verstorbener ist die Situation belastend.

Kunden sind verunsichert

Beim Bestattungsunternehmen Hartl rufen Kunden an und fragen, wie viele Personen an einer Beerdigung teilnehmen können. „Das kann ich unmöglich sagen“, meint Geschäftsführer Michael Hartl. Die Inzidenz schwanke, und die dadurch entstehende Planungsunsicherheit sei ein Problem.

Wenn nur wenige Personen an einer Beerdigung teilnehmen, ist das schmerzhaft für die Angehörigen. „Trauern kostet viel mehr Kraft“, sagt Dagmar Häfner-Becker, Dekanin der Erlöserkirche. Zu sehen, wer Abschied nähme, sei ein großer Trost. Bestattermeister Hartl bestätigt, wie wichtig Anteilnahme ist: „Es ist schön, wenn man merkt: Ich bin nicht alleine.“

Hinterbliebene brauchen den Austausch

Im Augenblick ist es selbst in kleinem Kreise nicht möglich, mit Verwandten zu trauern. Angehörige, die aus der Ferne anreisen, müssen nach der Beerdigung gleich wieder nach Hause fahren. Ein Trauermahl darf nicht stattfinden. „Das ist ganz schlimm“, sagt die katholische Seelsorgerin Hannelore Maurer. Ihrer Erfahrung nach ist es für die Hinterbliebenen besonders wichtig, zusammenzusitzen und sich über den Verstorbenen auszutauschen.

Bestatter Hartl bedauert indes, dass Angehörige nicht wie zuvor Abschied am offenen Sarg nehmen können. Wenn eine mit dem Coronavirus infizierte Person beerdigt wird, muss sie in ein desinfiziertes Leinentuch gewickelt werden. Eine Trauerfeier mit geöffnetem Sarg ist in diesen Fällen unmöglich. „Dabei ist das der wichtigste Prozess“, sagt Hartl.

Bestattungsunternehmen verdienen weniger

Angehörige könnten dem Verstorbenen so einen Brief mitgeben oder ihm etwas sagen, was bislang unausgesprochen blieb. „Sie gehen dann viel gelöster mit dem Tod um“, erklärt der 38-Jährige. Er wünscht sich die Möglichkeit, ein Infektionsschutzkonzept zu erarbeiten, damit die Verabschiedung am offenen Sarg wieder möglich ist. Doch das ist derzeit nicht erlaubt.

„Das wäre viel wichtiger, als dass der ein oder andere Euro fehlt“, sagt Hartl. Denn Bestattungsunternehmen verdienen seit Beginn der Pandemie weniger. Viele Menschen vermuten das Gegenteil. Sie glauben fälschlicherweise, dass aufgrund von Corona insgesamt mehr Bürger sterben.

Gesunkene Sterbezahlen

„Die Sterbezahlen sind vergleichsweise sogar niedriger als sonst“, sagt Hartl. 2019 starben laut Statistischem Landesamt 619 Personen in Rosenheim, 2020 waren es mit 588 Sterbefällen also weniger als im Vorjahr – trotz Pandemie. Hartl beklagt sich nicht über den fehlenden Umsatz: „Das finde ich nicht vertretbar, es steht uns einfach nicht zu.“ Den Trauernden gehe es schließlich schlechter.

Nicht für alle Personen ist die veränderte Situation schwierig. „Manche wollen auch alleine trauern“, sagt Dekanin Häfner-Becker. Hannelore Maurer bestätigt, dass zu viele Kontakte für manche Trauernde zu anstrengend seien: „Die Menschen sind emotional an der Grenze.“ Unabhängig davon, wie viele Personen Abschied nehmen, versucht Maurer, jede Beerdigung liebevoll zu gestalten: „Der letzte Tag soll immer etwas Glanz ausstrahlen.“

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