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Angeklagter: „Wir tun keinem was“

Rosenheimer Cannabispatient wegen Nutzhanf vor Gericht

Der Rosenheimer Cannabispatient Karl Huber musste sich wegen zwei Nutzhanfpflanzen vor Gericht verantworten
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Der Rosenheimer Cannabispatient Karl Huber musste sich wegen zwei Nutzhanfpflanzen vor Gericht verantworten
  • Jennifer Bretz
    VonJennifer Bretz
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Am Freitag, 30. April musste sich der Rosenheimer Karl Huber, der seit April 2015 wegen seiner damaligen Alkoholabhängigkeit legal kiffen darf, wegen zwei Nutzhanfpflanzen vor dem Amtsgericht Rosenheim verantworten.

Rosenheim - Jahrzehnte lang hat er getrunken, immer wieder Rückfälle erlitten, nun ist Karl Huber trocken - mit der Hilfe von Cannabis. Doch das war für den Rosenheimer ein langer Kampf. Am vergangenen Freitag, 30. April saß der 56-Jährige, der wegen seiner Kleinwüchsigkeit auch „Shorty“ genannt wird, auf der Anklagebank des Amtsgerichtes Rosenheim. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Das Aufziehen von zwei Cannabispflanzen im Juli 2020 und der daraus resultierende Ertrag von 1,45 Gramm getrocknetem Cannabis mit einem Wirkstoffgehalt von 0,7 Prozent. Für alle anderen gefundenen medizinischen Cannabisblüten konnte Huber ein Rezept vorweisen.

Angeklagter: „Wir tun keinem was“

Da der Wirkstoffgehalt der bei der Hausdurchsuchung gefundenen Cannabisblüten so gering war, waren die Pflanzen nach Shortys Aussage für die Herstellung von CBD gedacht gewesen. Der 56-Jährige bekommt auf Grund einer Gesetzesänderung keine Genehmigung dafür, Cannabis bei sich zuhause anbauen zu dürfen. „Ich halte das Gesetz zum Eigenanbau für Verfassungswidrig“, sagte Shorty am Freitag vor Gericht. „Wir tun keinem etwas, wir gefährden höchsten uns selbst. Wegen zwei Pflanzen die Türe eintreten, das steht doch nicht im Verhältnis. Das sind medizinische Produkte.“

„Sie haben ein Rezept, dass Sie Cannabis konsumieren dürfen, das heißt nicht, dass Sie es anbauen dürfen“, sagte die Richterin. „Wenn Sie etwas angebaut hätten, was Null Prozent THC gehabt hätte, dann wären wir nicht im Betäubungsmittelrecht. Hubers Entgegnung darauf: „Wir reden hier über 0,7 Prozent THC-Gehalt, das ist so wenig, da tritt nichtmal eine berauschende Wirkung ein. Das ist Nutzhanf. Ich mache da Massageöl draus.“ Er trägt vor Gericht auch vor, dass er eine Selbsthilfegruppe gegründet hat, die jedoch von der Krankenkasse nicht gefördert wird, da die Patienten kein einheitliches Krankheitsbild haben. „Ich habe schon so vielen Menschen geholfen. Ich verstehe nicht, warum ich hier sitze.“

Verfahren ausgesetzt

Auf dem Schwarzmarkt würde Huber für fünf Gramm Cannabis 50 Euro bezahlen. In der Apotheke koste es 78 Euro, rechnete er vor. „80 Prozent der Anträge von Patienten auf Übernahme der Kosten fürm das medizinische Cannabis werden von den Krankenkassen abgelehnt. Der Dealer am Schulhof fragt nicht nach dem Ausweis und da redet man immer von Jugendschutz“, ärgerte er sich.

Ob das Verfahren gegen den Rosenheimer eingestellt wird, ist noch offen, da es am Freitag zu keiner Verurteilung kam. Es fehlt ein weiteres Gutachten, das nun nachgeholt wird. Bis dahin ist die Verhandlung ausgesetzt. Die Reichterin sagte aber: „Es bleiben im Endeffekt 1,45 Gramm Rest aus Pflanzen übrig, die er angebaut hat. Das ist ja eine derart krass geringe Menge. Außerdem hat er keine Vorstrafen.“ Ein glatter Freispruch würde das laut ihrer Aussage aber nicht werden, weil man sich immer noch im Rahmen des Betäubungsmittelgesetzes bewege. „Es könnte aber rauskommen, dass das Verfahren eingestellt wird“, so die Vorsitzende.

jb

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