Wir das Rosenheimer Bildungswerk Senioren spielerisch die digitale Welt erklärt

Während der Corona-Pandemie haben sich viele Dinge in die digitale Welt verlagert. Das ist oft ein Nachteil für Senioren. Das Bildungswerk will sie mit einer Projektreihe online fit machen.
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Während der Corona-Pandemie haben sich viele Dinge in die digitale Welt verlagert. Das ist oft ein Nachteil für Senioren. Das Bildungswerk will sie mit einer Projektreihe online fit machen.
  • vonAnna Hausmann
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Rosenheim – Senioren spielerisch die neuen Medien vermitteln: Das ist das Ziel des Rosenheimer Bildungswerks mit der Veranstaltungsreihe „Wege in die digitale Welt – Medienkompetenz für Senioren“. Initiatorin Barbara Schwendenmann spricht im Interview über die Herausforderungen und Chancen.

Frau Schwendenmann, wie kam Ihnen die Idee, Kurse für Senioren anzubieten?

Barbara Schwendemann: „Die Corona-Pandemie hat als Katalysator funktioniert und das Thema Digitalisierung vorangetrieben. Das hat man im Schulbereich gemerkt. Auch im Bildungswerk Rosenheim mussten wir den Blick auf diese Entwicklung richten. Viele mussten zu Hause bleiben, darunter auch Senioren als Risikogruppe. Sie konnten den Kontakt zu Familie und Freunden nur über das Telefon oder auch Videogespräche halten. Manche hat das beflügelt. Andere sind auf der Strecke geblieben, die die Geräte dazu vielleicht nicht hatten. Vieles wurde nur noch online angeboten: Online-Tickets, Online-Banking, Online-Terminvereinbarungen. Nicht alle Senioren konnten noch am gesellschaftlichen Leben teilhaben.“

Was ist das Ziel der neuen Veranstaltungen?

Schwendemann: „Zum einen die Zusammenarbeit mit anderen Anbietern in der Stadt und auch im Landkreis. Mir ist die gesellschaftliche Teilhabe ganz wichtig. Ziel des Projekts ist, Menschen ab 60 fit zu machen, um die digitalen Möglichkeiten gut zu nutzen und die persönliche Medienkompetenz zu vertiefen. Die verschiedenen Geräte und Nutzungsmöglichkeiten werden bei den Veranstaltungen „seniorengerecht“ erklärt. Das Projekt ist zum einen in Präsenzform geplant. Inhalte sind Grundlagen wie Kaufberatung, Geräteschulung und PC-Kurse. Des Weiteren bauen wir parallel Angebote in sogenannten Online-Stammtischen auf. Außerdem wollen wir durch das Kursangebot einen neuen Raum für persönliche Kontakte schaffen.“

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Vor welchen digitalen Hürden stehen Senioren?

Schwendemann: „Bei Senioren ist sicherlich von unterschiedlichen Gruppen auszugehen. Die sogenannten Babyboomer, die Generation, die jetzt in Rente geht, weiß schon sehr viel über die Digitalisierung. Das ist sicher auch beruflich bedingt. Für diese Personengruppe ist es kein Problem, direkt unser Café Digital, also unsere Online-Stammtische, mit den verschiedenen Themen und Vorträgen zu besuchen. Dann haben wir die etwas älteren Senioren. Da setzt unser Angebot zwischen Präsenzschulungen und den digitalen Treffen auf Online-Plattformen an. Viele kaufen ein Handy oder haben eines geschenkt bekommen. Ich denke, die Handhabung des Gerätes ist mit Unsicherheit und Unerfahrenheit verbunden. Es braucht Zeit, um die Funktionen erklärt zu bekommen und immer wieder zu üben. Dann gibt es noch die Gruppe von Senioren, die mit dem Ganzen eigentlich nichts mehr zu tun haben wollen und nun doch nicht drumherumkommen.“

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Welche Probleme gibt es speziell in Rosenheim?

Schwendemann: „Ich glaube nicht, dass es speziell ein „Rosenheimer Problem“ gibt. Wichtig ist, zu wissen, wo man sich Hilfe holen kann und wer was anbietet. Bisher waren die Angebote für Senioren – auf das Stadtgebiet bezogen – nicht im Gesamten erkennbar. Das wollen wir nun mit der Reihe ändern.“

Wie kann man Senioren Digitalisierung nahebringen?

Barbara Schwendenmann vom Bildungswerk.

Schwendemann: „Das wird sicher auf mehreren Wegen geschehen. Zum einen in allgemeinen Workshops und Schulungen, die wir aktuell anbieten. Dann auch stark im Einzeltraining, so wie unsere Kooperationspartner vor Ort es schon tun. Außerdem sicher mit geduldiger Beratung und der Sensibilisierung vor Gefahren. Und natürlich auch mit dem Aspekt der Gemeinschaft und der Kultur, wie zum Beispiel bei dem Filmenachmittag der AWO.“

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Vor welchen Herausforderungen stehen wir – vielleicht auch als Gesellschaft?

Schwendemann: „Wir müssen einen guten Weg miteinander finden. Einen Weg, der auch ohne „digital“ funktioniert. Es gilt zu respektieren, dass es nach wie vor Menschen gibt, die kein Whatsapp oder keine Email-Adresse haben und die Dinge nicht im Internet bestellen wollen. Diesen Spagat zu meistern, wird eine Herausforderung sein. Es kann nicht sein, dass ein Mensch, der keinen Computer oder ein elektronisches Gerät zu Hause hat, vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen wird. Eine tolle Chance sehe ich darin, dass zum Thema „Digitales“ Jung und Alt gut zusammenkommen. Es gibt viele Beispiel von Patenprojekten, in denen junge Menschen den Älteren das Handy zeigen und erklären und durch dieses Gerät miteinander in Kontakt kommen.“

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