Nach wachsender Kritik

Rosenheimer „Mantelsonntag“ abgesagt: OB März zieht die Reißleine +++ NEU: Erklärung der Stadt

Der verkaufsoffene Sonntag ist ein Streitthema: Der Stadtrat sorgt sich um große Menschenansammlungen wie in den Jahren zuvor.
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Der verkaufsoffene Sonntag ist ein Streitthema: Der Stadtrat sorgt sich um große Menschenansammlungen wie in den Jahren zuvor.
  • Anna Hausmann
    vonAnna Hausmann
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Die Entscheidung trotz steigender Corona-Zahlen am Rosenheimer „Mantelsonntag“ am 25. Oktober 2020 festzuhalten, hat für wachsende Kritik in der Stadt gesorgt. OB Andreas März, der die Veranstaltung zunächst befürwortet hatte, wird nun auf die Notbremse treten.

Update, 23. Oktober 2020, 9.17 Uhr:

Pressemitteilung der Stadt Rosenheim:

Rosenheim. Die Nachricht von der auf 115 gestiegenen 7-Tage-Inzidenz erreichte Oberbürgermeister Andreas März bereits gestern Nachmittag. Noch am Abend  beschloss er in Absprache mit dem städtischen Justiziar Herbert Hoch, dass der Simon- und Judäi-Markt und der verkaufsoffene Sonntag nicht stattfinden.

„Wir befinden uns mittlerweile deutlich im dunkelroten Bereich der von der Bayerischen Staatsregierung eingeführten sogenannten ‚Corona-Ampel‘. Ab einem Inzidenzwert von 100 gelten ab heute verschärfte Beschränkungen. Unter diesen Voraussetzungen noch ein Marktgeschehen mit verkaufsoffenem Sonntag zu veranstalten, ist nicht angemessen. Jetzt muss jede Situation vermieden werden, die zu weiteren Infektionen beitragen könnte. Die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Bürgerinnen und Bürger stehen hierbei an erster Stelle. Wir bedauern die kurzfristige Absage sehr, aber die aktuelle Lage lässt uns keine Wahl. Wir hoffen, dass wir unseren Mantelsonntag im kommenden Jahr wieder wie gewohnt durchführen können“, so Oberbürgermeister Andreas März.

Update, 23. Oktober 2020, 9 Uhr

Rosenheim - Wie die OVB-Heimatzeitungen exklusiv vorab erfahren haben, wird die Stadt Rosenheim die Veranstaltung absagen. Eine Erklärung zu den Gründen soll im Laufe des Vormittags folgen.

Die Stadt Rosenheim hat laut Robert Koch Institut am Freitag, 23. Oktober, 114,9 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner binnen 7 Tagen gemeldet. Damit liegt sie über dem neuen „dunkelroten“ Warnwert von 100, den Ministerpräsident Söder ausgerufen hat. Das wird nach derzeitigem Stand zumindnest Auswirkungen auf Veranstaltungen haben, die generell nicht mehr als 50 Menschen besuchen dürfen und die Sperrstunde, die um 21 Uhr beginnt.

Wir halten Sie zu diesem Thema auf dem Laufenden.

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Lesen Sie hier den ursprüngliche Artikel vom 22. Oktober 2020:

Rosenheim zieht „Mantelsonntag“ trotz Corona durch: Meinungen im Stadtrat gespalten

Die Infektionszahlen steigen, auch Rosenheim kratzt an der dunkelroten Stufe der bayerischen Corona-Ampel. Dennoch hält Oberbürgermeister Andreas März am verkaufsoffenen Sonntag fest. Die Veranstaltung stieß im Stadtrat auf Kritik.

Rosenheim – Der geplante „Mantelsonntag“ am Sonntag, 25. Oktober, sorgt für Diskussionen: Diesen Sonntag findet in der Innenstadt von 9 bis 18 Uhr der Simon- und Judäimarkt statt, parallel dazu öffnen die Einzelhandelsgeschäfte von 12 bis 17 Uhr. Doch die Coronafallzahlen steigen, aktuell liegt auch der Rosenheimer Inzidenzwert bei 96 Neuinfektionen binnen sieben Tagen pro 100.0000 Einwohner (Stand: 22. Oktober) – kurz vor der dunkelroten Vorstufe „100“. In der Stadtratssitzung stieß die Veranstaltung auf Kritik, die Lager sind geteilt.

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Umfrage: Was die Menschen in Rosenheim vom geplanten Mantelsonntag halten

SPD: Entscheidung nicht nachvollziehbar

Der Mantelsonntag ist seit Wochen eigentlich beschlossene Sache. Doch das Anliegen drängte so sehr, dass Abuzar Erdogan (SPD) fernab von der Tagesordnung die Frage aufwarf: „Macht es Sinn, mit diesen Zahlen den verkaufsoffenen Sonntag aufrechtzuerhalten?“

Er verstehe die Sorgen und Nöte des Einzelhandels, könne die Entscheidung des Oberbürgermeisters Andreas März nicht nachvollziehen. „Man müsste in seiner Linie stringent sein.“ Unterstützung erhielt er von Georg Kaffl (CSU), er appellierte mit Nachdruck: „Jetzt heißt es: Daheim bleiben und nicht noch mehr Möglichkeiten zum Furtgehen schaffen.“ Es sei wichtig, in solch einer Lage nicht kontraproduktiv zu handeln.

Loretowiese oder Innenstadt?

Zu Beginn der Pandemie hatte der Arbeitskreis zur „Bekämpfung der Pandemie-Folgen in Gastronomie, Veranstaltungswesen und Kultur“ laut Franz Opperer (Bündnis 90/Grüne) geplant, die Marktstände auf der Loretowiese anzusiedeln. Die Entscheidung, die Stände doch in der Innenstadt unterzubringen, stieß bei ihm auf Unverständnis.

„Das Marktgeschehen neben dem Testzentrum zu platzieren ist eine Geschmacksfrage“, erwiderte OB März und sorgte für vereinzelte Lacher. Für ihn ist klar: Das Infektionsrisiko sei an einem Sonntag nicht höher als unter der Woche. Von einem Lockdown sei bisher keine Rede und den gelte es unter allen Umständen zu vermeiden.

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Er hat Vertrauen in die Disziplin der Rosenheimer. „Es muss möglich sein, in so einem Ausnahmejahr auch traditionelle Veranstaltungen unter bestimmten Vorgaben aufrechtzuerhalten.“ Die Stände des Marktes seien sowieso von über 90 auf die Hälfte reduziert worden.

Kontrollen vor Ort

Das Ordnungsamt und Polizei würden vor Ort sein und kontrollieren, dass sich nicht allzu große Menschentrauben bilden, erklärte Stadtsprecher Christian Schwalm auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen.

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Stadt beobachtet Entwicklung der Zahlen

Herbert Hoch, Dezernent für Recht, Sicherheit und Ordnung, ergänzte, dass die Stadt die nächsten Tage die Entwicklung der Infektionszahlen beobachte. „Wir sind weit entfernt von Werten wie im Berchtesgadener Land. Solange sollten wir den Bürgern noch ein gewisses Maß an Normalität vermitteln.“ So handhabe das auch der Münchner Stadtrat: Dort soll der Christkindlmarkt unter Auflagen stattfinden. „Das ist dasselbe Signal mit ähnlicher Infektionslage.“ Zumal da die Veranstaltungen unter freiem Himmel stattfänden.

Sabrina Obermoser, Geschäftsführerin des City-Managements, lehnte eine Stellungnahme ab.

Schausteller freuen sich

Für die Schausteller ist der Mantelsonntag nach einer langen Durststrecke ein willkommenes Ereignis. Das betont auch Schausteller Hendrik Branicki junior aus Rott am Inn: „ Seit dem ‚Sommer in Rosenheim‘ hatten wir quasi keine Veranstaltungen mehr.“ Er sieht in den Märkten eine Chance: Man könne zeigen, dass Veranstaltungen an der frischen Luft möglich sind. Jeder Fierant habe sein eigenes Hygienekonzept. Branicki etwa trägt beim Bedienen Maske und Hygienehandschuhe. „Und die Passanten tragen sowieso eine Maske.“

Veranstaltungen in der Region abgesagt

Andere Städte reagierten bereits auf die steigenden Coronazahlen, so auch Bad Aibling. Die Kommune sagte den Kathreinmarkt, der am 7. und 8. November stattfinden sollte, ab. Der dortige Markleiter Peter Kajetan Schmid, der auch selbst Händler ist, erklärt: „Ich möchte nicht gegen die Stadt Rosenheim schießen, aber es ist schwierig, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird.“ Heuer habe er auf über 60 Veranstaltungen verzichten müssen. Warum der Mantelsonntag stattfindet, ist ihm unerklärlich. „Es fehlt an Transparenz.“ Abgesagt sind auch der Kathreinmarkt in Wasserburg am 22. November und der Allerseelenmarkt in Haag am 25. Oktober.

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