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Kein Beharren auf Inzidenz-Grenze

Rosenheim will als Modellstadt für Test-Öffnungen schnell aus dem Corona-Lockdown

Ödland: Rosenheims Max-Josefs-Platz kurz vorm nächsten Lockdown.
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Ödland: Rosenheims Max-Josefs-Platz kurz vorm nächsten Lockdown.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Hart statt smart: So würden viele Entscheider aus der Region die jüngsten Lockdown-Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz bezeichnen. Es gibt flexiblere Konzepte. Und die sollen nach Ostern auch erprobt werden. Hat Rosenheim eine Chance, zum Vorreiter aus dem Lockdown-Schlamassel zu werden?

Rosenheim – Wieder Lockdown, wieder Kontaktbeschränkungen. Harte Einschnitte statt smarter Öffnungen: Die Region Rosenheim reagiert genervt auf die Beschlüsse der Runde der Ministerpräsidenten. Was Hoffnung gibt: Bayerns Ministerrat ließ am Dienstag sozusagen eine Überholspur öffnen: Rosenheim könnte mit etwas Glück schneller lockern als gedacht.

Denn es sollen Modellstädte für ein Testkonzept zur Öffnung einzelner Bereiche des öffentlichen Lebens ausgewählt werden. Das begrüße er ausdrücklich, sagte am Dienstag Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März. „Wir haben bereits mehrere Testzentren. Deshalb werden wir selbstverständlich unseren Hut als Modellstadt in den Ring werfen.“

„Ich hoffe sehr darauf“, sagt Rosenheims Zweiter Bürgermeister Daniel Artmann. Rosenheim befinde sich in einer herausfordernden Lage und leide, sagt er. „Kunst, Kultur, Bildungseinrichtungen, der Einzelhandel und viele weitere Bereiche lechzen nach Öffnungen.“ Klaus Stöttner, tourismuspolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, sieht Rosenheim für den System-Test „prädestiniert“. Stöttner weiter: „Ich habe die große Hoffnung, dass wir ausgewählt werden.“

Rückenwind für Rosenheims Bewerbung

Für Rosenheims Vorreiterrolle als Modellstadt in puncto Lockdown-Lockerungen setzt sich auch die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU) bei Ministerpräsident Söder ein: „Wir alle, die Stadt, der Landkreis, die Gastronomie und der Einzelhandel haben ein sehr hohes Interesse daran.“

Relativ hohe Inzidenzzahlen, die Nähe zu Österreich und die lange Zwangspause des Einzelhandels empfehlen nach ihren Worten Rosenheim genauso wie die Teststationen, die seit Montag laufen. „Vielleicht kann uns Markus Söder eine Chance geben“, sagt Ludwig, „das wäre toll.“

Lederer will Systemwechsel

Bereits vor einer Woche hatte Andreas März im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen ein Konzept skizziert, ein Umdenken und die Abkehr von der Inzidenz-Zahl gefordert. In den Tagen danach hatten auch Rosenheims Landrat Otto Lederer sowie seine Kollegen aus Traunstein und Mühldorf, Siegfried Walch und Max Haimerl, Vorschläge unterbreitet.

Lesen Sie auch: „Widerwärtig und kriminell: Rosenheimer vergleicht Corona- Impfstoff mit Mordgas der Nazis

Gemeinsamer Nenner: weg von der starren Inzidenzzahl-Regelung. Und hin zu flexibleren Konzepten der Pandemie-Eindämmung, etwa mit massenhaften Schnelltests.

Dabei gehe es nicht mehr primär darum, „schneller zu öffnen, sondern es geht um einen Systemwechsel“, betonte Otto Lederer gestern nochmals auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Künftig sollten Impfquote, Auslastung des Gesundheitssystems, Virusvariantenaktivität, 7-Tage-Inzidenz oder lokale Ausbruchsgeschehen, mit beachtet werden. „Begleitet werden müssen die Öffnungsschritte von Teststrategien, Hygienekonzepten und Nachverfolgung.“

Echo auf Alternativ-Konzepte ist gut

Zu „hundert Prozent“ trägt Theresa Albrecht, Hotelchefin aus Rohrdorf und Kreisvorsitzende des Hotel und Gaststättenverbands, den Rosenheimer Vorschlag mit. Auch der IHK-Regionalvorsitzende Andreas Bensegger würde unterstützen, was Hoffnung auf Entspannung macht. „Öffnungsschritte mit minimalem Risiko, das finden wir nach wie vor wichtig“, sagt der Rosenheimer Unternehmer. „Wenn neue Mutationen kommen, wollen wir drei Jahre lang auf und zu machen?“ Man müsse mehr zulassen und ausprobieren, im Rahmen sinnvoller Konzepte, mit kundiger Begleitung und „ein wenig mehr Digitalisierung“, sagt Bensegger. „Da haben wir viel verpennt.“

Beschlüsse aus Berlin nur noch schwer zu vermitteln

Die Ansätze aus der Region erreichen die Regierung des Freistaats offenbar an einem kritischen Punkt. Denn die Beschlüsse, die Kanzlerin Merkel und die Runde der Ministerpräsidenten in Berlin fällen, sind vielen Menschen nur noch schwer zu vermitteln. „Ich fürchte, dass die Entscheidungsträger Vertrauen verspielen“, sagt Thomas Geppert, der als CSU-Stadtrat in Bad Aibling und als Landesgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands an der Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft steht.

„Ein rabenschwarzer Tag“, sagt Paul Adlmaier, Besitzer eines Herrenmoden-Geschäfts und Vorsitzender des City-Marketings Rosenheim.

Ein Schlag für die Tourismusbranche

Für Ärger sorgt vor allem der „Malle-Freibrief“: Flüge nach Mallorca, aber keine Ausflüge in die Region? Das löst Kopfschütteln aus. „Enttäuscht“ zeigte sich der Rosenheimer Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner. Noch nicht einmal von der Idee des kontaktarmen Urlaubs in der Ferienwohnung habe die Bundeskanzlerin etwas hören wollen.

Einen „Schlag ins Gesicht“ ihrer Branche verspürt da Christina Pfaffinger vom Chiemsee-Alpenland-Tourismus. „Bitter“ findet Theresa Albrecht, dass die einen zu Hause bleiben sollen, während die „staatlich subventionierten Fluglinien“ die andern auf die Party-Insel bringen. „Ein solcher Quatsch“, schimpft Paul Adlmaier. „Ich kann doch nicht sagen, fliegt fröhlich nach Mallorca, während die Menschen hier zu Hause sitzen, nur eine Kontaktperson sehen dürfen und nicht mal zum Spitzingsee fahren sollen.“

Wie soll die Schließung an Gründonnerstag funktionieren?

Auch die Verwandlungen von Gründonnerstag und Karsamstag in Feiertage sorgt für Irritationen. Die Unsicherheit darüber, wie das funktionieren soll, ist groß. Wie schlägt sich das auf dem Arbeitszeitkonto nieder, wie reagiert man auf die Unterbrechung von Lieferketten? Da gibt es noch einiges zu klären.

„Da fehlt mir das Verständnis“, sagt Bensegger. „Allein wegen der Vorlaufzeit – das ist viel zu kurzfristig.“

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