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Brauchtum oder Rowdytum in Rosenheim?

„Heftige Schläge aus dem Nichts“ und Kinder in Angst: Ärger um Perchtenlauf in der Kastenau

Themenbild: Wilde Prügelei oder harmloses Brauchtum? Immer wieder gibt es Diskussionen um Perchtenläufe.
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SYMBOLBILD: Wilde Prügelei oder harmloses Brauchtum? Immer wieder gibt es Diskussionen um Perchtenläufe.
  • Thomas Stöppler
    VonThomas Stöppler
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Nach einem großen Erfolg sah der Perchtenlauf im Rosenheimer Stadtteil Kastenau zunächst aus. Aber nun häufen sich die Beschwerden: zu grob, zu harte Schläge. Der Veranstalter zeigt sich gesprächsbereit.

Rosenheim - „Es handelte sich keineswegs um burschenhafte Streiche, sondern um haltloses, unkontrolliertes Prügeln“, schreibt OVB-Leser Horst Krumpenschmied über den Perchtenlauf in der Kastenau. Der 70-Jährige war mit Tochter und Enkel zugegen und beschreibt dramatische Szenen. Kinder, die verängstigt Schutz bei ihren Eltern suchen und immer wieder etwas mehr als den Klaps mit der Route.

Der Rosenheimer wollte eigentlich „einen schaurig-schönen Abend erleben, aber geblieben sind Angst und Schrecken.“ Schon bei seiner Ankunft habe er „heftige Schläge aus dem Nichts“ abbekommen, später hätte ihn ein Perchte „rüde zur Seite geschubst“ - pikant dabei: Der Perchte wurde gerade von einem Ordner ermahnt, etwas vom Gas zu gehen.

Eine Perchtengruppe wird nicht mehr eingeladen

Krumpenschmieds Bericht ist nicht der Einzige dieser Art. Das sagt auch der Veranstalter des Perchtenlaufs Johann Raßdorfer, erster Vorstand des Burschenvereins Kastenau. „Wir sind mit den Menschen in Kontakt und versuchen das zu klären“, sagte er gegenüber dem OVB. Auch Krumpenschmieds Bericht ist ihm bekannt. Zeitnah will er Kontakt aufnehmen. Raßdorfer gibt unumwunden zu, dass es teilweise wild zu ging. Besonders mit einer neuen Perchtengruppe, die wohl auch nicht mehr eingeladen werden soll. Zwar seien in einem Vorgespräch klare Regeln festgehalten worden, aber als Veranstalter „hätten sie keinen direkten Einfluss - trotz der Ordner.“

Aber, erklärt Raßdorfer, das sei nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass ein Perchtenlauf eben kein reines Vergnügen ist. „Das Hauptproblem ist, dass viele Menschen gar nicht wissen, was ein Perchtenlauf ist.“ Und der Kastenauer Perchtenlauf sei eben kein reines Showevent, das hätte mit dem alten Perchtenbrauchtum ja nichts mehr zu tun. Traditionell gehört es nämlich dazu, dass die Perchten die Schaulustigen mit den Reisig-Ruten schlagen. Die Frage ist eben, wie fest.

Die Perchten sind nicht anonym

„Wir haben auch Beschwerden, dass es zu harmlos gewesen sei“, erzählt Raßdorfer. Letzteres ist sonst eher selten. Immer wieder gibt es Beschwerden über unverhältnismäßige Gewalt durch Perchten. Deshalb trugen auch alle Perchten in der Kastenau Nummern, um identifizierbar zu sein. Aber Raßdorfer weist auch darauf hin, dass die Perchten selbst von den Schaulustigen angegangen werden: „Denen wird teilweise sehr stark an den Hörnern gezogen und die Männer sehen kaum etwas durch die Maske“, erklärt er. Daher würde dann aus Reflex auch mal schnell die Rute geschwungen werden. Auch der ein oder andere Rempler ließe sich mit dem eingeschränkten Sichtfeld der Krampusse - ob auch der gegen Horst Krumpschmied, weiß Raßdorfer nicht.

So schlimm, dass die Polizei eingeschaltet wurde, war es in der Kastenau zumindest nicht - die Rosenheimer Beamten registrierten keine Zwischenfälle.

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