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Energiepreise steigen

Holzklau in der Region Rosenheim: Mit Hightech auf der Spur der Diebe

Begehrter Rohstoff: Holz, gestapelt am Rande eines Forstwegs in der Region Rosenheim.
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Begehrter Rohstoff: Holz, gestapelt am Rande eines Forstwegs in der Region Rosenheim.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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  • Sophia Huber
    Sophia Huber
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Energie wird teuer, und damit wächst eine Versuchung - die zum Holzklau. Auch in der Region Rosenheim warnen Experten vor einem Irrtum. Und wappnen sich mit Hightech gegen Diebe.

Rosenheim/Wasserburg – In manchem Wald ist gründlich der Wurm drin – und zwar für den Holzdieb: ein Loch vm Durchmesser einer Steckdose in den gelagerten Stamm gebohrt, ein Gerät reingesteckt, etwas Rinde drüber, und schon kann der Besitzer das Holz wieder orten, wenn sich‘s denn unvorhergesehen seinen Standort verlassen hat. Mit Hightech wie GPS-Trackern wappnen sich die bayerischen Staatsforsten auch in der Region gegen den Holzklau im großen Maßstab.

Denn die Diebestour ins Gehölz könnte bald verlockend werden. Wegen Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der macht Energie teuer. Öl, Gas, Kohle, alles kostet deutlich mehr Geld als vor dem Krieg im Osten Europas. Da wird dann auch Holz als Energieträger attraktiver.

Ab Herbst könnte Holz zum Heizen viel teurer werden

Derzeit sei noch kein Preisanstieg zu vermelden, sagt etwa Max Haimmerer von Holz Haimmerer in Rosenheim. „Wir haben Frühjahr, wir müssen nicht heizen“, sagt er. Aber: Er habe schon, früher als sonst, Nachfragen von Kunden erhalten: Ob er nicht schon im August liefern könne. „Das beginnt eigentlich normal so im September, Oktober.“ Es scheint, als bereitete sich, wer kann, auf einen Winter ohne russisches Gas vor.

Waldbesitzer aus der Region, aber auch die Mitarbeiter der bayerischen Staatsforsten, stehen daher in den Startlöchern. „Es kommt schon mal vor, dass sich da einer den Kofferraum volllädt“, sagt Jörg Meyer, Leiter des Forstbetriebs Schliersee, der 34000 Hektar Staatliche Forsten auch in der Region Rosenheim, darunter das Revier Oberaudorf, betreut. Kein ganz neues Phänomen, sagt er, „Holz kann ab und an Füße bekommen“. Ein Kavaliersdelikt sei der Holzklau dennoch nicht, erst recht nicht, wenn organisierte Ganoven mit dem Holzlaster vorfahren und ganze Stämme verladen.

Diebe müssen sich schon auskennen mit Holz und Gegend

Daher setze man ja auch auf die GPS-Technik, sagt Meyer. Wenn das sozusagen verwanzte Holz aus einem bestimmten Radius wegbewegt wurde, wird Alarm ausgelöst. Der Transportweg wird aufgezeichnet, die Polizei kann sich nach der Route vom Diebes-Navi zielgenau auf den Holz-Weg machen. So könnte die Holzwanze Dieben mehr Stress verursachen als der Borkenkäfer den Waldbesitzern.

Wenn Holzdiebe von kleinerem Kaliber auch nicht aufs große Gerät angewiesen sind, so benötigen sie doch ein Mindestmaß an Sachkenntnis. Nicht jedes Holz ist als Brennholz geeignet, und nicht jedes Brennholz ist schon reif für den heimischen Kamin.

„Eigentlich ist es ziemlich unsinnig, Holz zu stehlen“, meint sogar Dr. Heinz Utschig, Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten in Wasserburg. Das Holz, das im Wald gelagert werde, sei ja kein Brennholz. „Das ist frisch“, erklärt Utschig, „und muss erst einmal trocknen.“ Ein Prozess, der eineinhalb Jahre dauert. Ein Dieb müsste also schon ganz schön in die Zukunft planen.

Im Wald unbeobachtet bleiben? Nicht so einfach

Zudem sei es nicht so, dass Holzdiebe nicht auch beobachtet werden könnten. „Man meint immer, im Wald da ist niemand. Aber das stimmt nicht: Der Wald hat 1000 Augen.“ Jäger, Forstarbeiter, Spaziergänger und Pilzsucher, sagt Utschig, „da ist immer was los.“ Ähnlich äußert sich Alexander Graßl, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Wasserburg-Haag. „Unsere Wälder sind klein“, sagt er. Auch er warnt etwaige Diebe davor, die Ruhe im Wald nicht zu unterschätzen. „Vor allem bei Privatbesitz ist sehr oft jemand vor Ort, der sich gut auskennt.“ Die Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden, sei also groß.

Bislang ist Holzklau so etwas wie das Spurenelement in der Kriminialitätsstatistik, vermeldet die Polizei auf Nachfragen der OVB-Heimatzeitungen. Auch Jörg Meyer und Heinz Utschig wissen bislang nur von wenigen Fällen Holzdiebstahls im großen Maßstab zu berichten. Was anderes sei es kurz vor Weihnachten. „Christbäume werden schon eher gestohlen“, berichtet Heinz Utschig.

Schon lange vor dem ersten Advent werden bestimmte andere Holzsorten knapp werden, prophezeit Holzhändler Max Haimmerer. Und bei diesem Engpässen hilft dann auch kein noch so verstohlener Ausflug in den heimischen Forst: Sibirische Lärche, aufgrund ihres feinen Wuchses und und Haltbarkeit für Terrassen und Gartengebrauch immer gern verwendet, werde bald nicht mehr erhältlich sein, sagt Haimmerer.

Sie wächst eben, wie es schon der Name sagt, nicht in der Region Rosenheim, sondern im Osten Europas, in Russland. Und dorthin führt derzeit nicht so schnell ein Weg, auch nicht für Diebe.

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