Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Experten sind unterschiedlicher Meinung

Nach Flyer-Kritik: Wie realistisch ist ein großflächiger Blackout in Rosenheim?

Der Blackout-Flyer samt Anschreiben, den die Stadt vor einigen Tagen an alle Rosenheimer Haushalte verschickt hat.
+
Der Blackout-Flyer samt Anschreiben, den die Stadt vor einigen Tagen an alle Rosenheimer Haushalte verschickt hat.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
    schließen

Besorgte Anrufer, eine bundesweite Berichterstattung und viel Kritik in den sozialen Medien: Der Blackout-Flyer der Stadt Rosenheim sorgt weiterhin für Diskussionsstoff. Nicht nur in der jüngsten Sitzung des Stadtrates, sondern auch in Expertenkreisen - wie sehr sich die Meinungen unterscheiden.

Rosenheim - Das mit dem rosa Elefanten ist so eine Sache. Wenn man nicht an ihn denken soll, denkt man an nichts anderes. Ähnlich ist es mit dem Blackout-Flyer der Stadt, der - so teilte es Oberbürgermeister Andreas März (CSU) in einem Anschreiben mit - keinesfalls Panik erzeugen sollte. „Haben Sie wirklich geglaubt, dass durch den Handzettel keine Panik erzeugt wird?“, fragte Abuzar Erdogan während der jüngsten Sitzung des Stadtrates.

Erstellung und Versand nicht mit Stadtrat abgestimmt

Er kritisierte vor allem, dass die Erstellung und Versendung des Flyers nicht mit dem Stadtrat abgestimmt wurde. „Ich glaube, dass es gut gemeint, aber nicht gut kommuniziert war“, sagte der SPD-Politiker und weiter: „Unseren Segen findet das Schreiben nicht.“ Lob für das Handeln der Stadt gab es hingegen von Stadtrat Horst Halser (ÖDP): „Es ist wichtig, die Bürger auf eine solche Situation vorzubereiten.“

Handzettel „nicht glücklich formuliert“

Robert Multrus, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler/UP merkte an, dass der Info-Flyer nicht „glücklich formuliert“ gewesen sei, es diese Art von Informationen jedoch brauche, „solange es Leute gibt, die versuchen, ihre Wohnung mit einem Holzkohlegrill zu heizen“. Damit erinnerte Multrus an einen Vorfall Ende September, der sich in Mühldorf zugetragen hatte.

Zahlreiche Anrufe aus anderen Kommunen

Die Kritik nachvollziehen konnte Oberbürgermeister März während der Sitzung nur zum Teil: „Ich habe wirklich geglaubt, dass der Flyer zur Information dient.“ Zumal er, wie März während der Sitzung anmerkte, zahlreiche Anrufe aus anderen Kommunen und Landkreisen erhalten habe, die um die Übermittelung des Flyers gebeten hätten. Um welche Städte es sich genau handelt, wollte ein städtischer Sprecher auch einige Tage nach der Sitzung nicht bekannt geben. Er verriet nur so viel: „Es handelt sich um Gemeinden und Landkreise aus ganz Bayern.“

Selbsthilfekurse beim MHW

Dass ein möglicher Blackout zunehmend für Verunsicherung in der Bevölkerung sorgt, weiß auch Matthias Fischer vom Medizinischen Katastrophen-Hilfswerk Deutschland (MHW). Seit mehr als zehn Jahren bietet das MHW einen Selbsthilfekurs für die Bevölkerung im Landkreis Rosenheim an, in dem Experten unter anderem Themen wie Kochen ohne Strom, Trinkwassergewinnung und die Notbevorratung thematisieren.

Privat auf mögliche Krisen vorbereiten

„Noch nie konnte das MHW eine so große Nachfrage verzeichnen wie seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine“, sagt Fischer. Eine Veränderung durch die verteilten Flyer habe er nicht feststellen können. Seiner Meinung nach ist es durchaus sinnvoll, sich privat auf mögliche Krisen und Katastrophen vorzubereiten. „Mit den Flyern hat die Stadt Rosenheim nun das Thema bis in jeden Haushalt gebracht und wichtige Aufmerksamkeit erregt“, erklärt er. Zumal die Inhalte auf den Handzetteln laut Fischer nicht neu sind. So verteile das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bereits seit einigen Jahren Broschüren, in denen genau diese Themen anschaulich geschildert werden.

Einsatzkräfte entlasten

„Die Region Rosenheim verfügt mit seinen Hilfsorganisationen über einen starken Katastrophenschutz“, bestätigt Fischer auf Nachfrage. Aber auch dieser werde bei weitreichenden Krisen an seine Grenzen kommen. „ Aus diesem Grund ist eine vorbereitete Bevölkerung entscheidend. Jeder der sich in der Krise selbst und bestenfalls auch anderen helfen kann, entlastet uns Einsatzkräfte“, sagt er.

Großflächiger Blackout für äußert unwahrscheinlich

Anders als Matthias Fischer hält Fiete Wulff, Pressesprecher der Bundesnetzagentur, einen großflächigen Blackout für äußerst unwahrscheinlich. „Das elektrische Energieversorgungssystem ist mehrfach redundant ausgelegt und verfügt über zahlreiche Sicherungsmechanismen, die selbst bei größeren Störungsereignissen einen völligen Zusammenbruch des Übertragungsnetzes verhindern sollen“, teilt der Pressesprecher auf OVB-Anfrage mit. Die Systemverantwortung für einen sicheren und zuverlässigen Betrieb der Übertragungs- und Verteilernetze liege beim jeweils verantwortlichen Netzbetreiber.

Kühlen Kopf bewahren und besonnen reagieren

„Netzbetreiber sind gesetzlich verpflichtet, ein sicheres, zuverlässiges und leistungsfähiges Energieversorgungsnetz diskriminierungsfrei zu betreiben, zu warten, bedarfsgerecht zu optimieren, zu verstärken und auszubauen“, sagt Fiete Wulff.

Krisen nur gemeinsam bewältigen

Matthias Fischer vom MHW rät währenddessen dazu, einen kühlen Kopf zu bewahren und besonnen zu reagieren. „Krisen können nur gemeinsam bewältigt werden. Es gibt viele gute Möglichkeiten, sich auf eine solche vorzubereiten“, sagt er. Jeder Einzelne müsse sich Gedanken machen, welche Utensilien er im Notfall benötigt. „Checklisten sind hier äußert sinnvoll, um strukturiert und nicht überstürzt Vorbereitungen zu treffen“, sagt Fischer. Ein „willkürliches Hamstern“ sei seiner Meinung nach mehr als unklug.

Mehr zum Thema

Kommentare