Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Einzigartige Idee

Wie Rosenheimer Friseure mit Haaren die Weltmeere retten wollen

Wollen der Umwelt helfen: Renate Hess-Müller, Geschäftsführerin des Haarcenter Hess und ihre Tochter Savina Hess sammeln die abgeschnittenen Haare ihrer Kunden ein, damit sie später als natürliche Filter eingesetzt werden.
+
Wollen der Umwelt helfen: Renate Hess-Müller, Geschäftsführerin des Haarcenter Hess und ihre Tochter Savina Hess sammeln die abgeschnittenen Haare ihrer Kunden ein, damit sie später als natürliche Filter eingesetzt werden.
  • Korbinian Sautter
    VonKorbinian Sautter
    schließen

Die natürliche Kraft der Haare nutzen, um die Gewässer in der Region zu reinigen. Das ist der Wunsch von den Friseuren, die sich der Aktion „hair help the oceans“ angeschlossen haben. Angefangen hat es im Mittelmeer.

Rosenheim – Bei dem in Frankreich entwickelten Konzept werden abgeschnittene Haare in den Salons gesammelt statt weggeschmissen, um anschließend ihre Eigenschaft als Filter für Öl und andere Schadstoffe zu nutzen. Das Haarcenter Hess hat von der Aktion, die mittlerweile auch in Deutschland verbreitet ist, erfahren und will nun ebenfalls helfen. Die Hoffnung der Salonleiterin ist es, die Idee im gesamten Landkreis zu etablieren, um sich nicht nur um die Meere, sondern auch um die Flüsse und Seen in der Region kümmern.

Idee aus Frankreich übernommen

„Die Idee ist eigentlich sehr simpel“, meint Renate Hess-Müller, Geschäftsführerin des Haarcenter Hess. Statt die im Laden anfallenden Haare wie bisher üblich zu entsorgen, sammelt die Rosenheimerin alles, was übrig bleibt in einem Karton. Einmal im Monat holen die Organisatoren der Aktion, ein Start-up-Unternehmen aus Niedersachsen, die „Haarfilter“ ab und bringen sie möglichst klimaneutral zur Sammelstelle nach Südfrankreich. In der Nähe von Marseille wurde die Idee von dem Verein Coiffeurs Justes (freie Friseure) ins Leben gerufen. Die gesammelten Haare werden dort per Handarbeit in Nylonstrümpfe gesteckt und ins Meer gehängt.

Laut den Erfindern der ungewöhnlichen Konstruktion ist es durch die schuppige Oberfläche der Haare möglich mit einem Kilogramm rund ein Liter Öl aus dem Wasser zu ziehen. Da die gut eineinhalb Meter langen Schläuche anschließend bis zu achtmal wieder verwendet werden, sorgen die monatlich gesammelten fünf Kilo im Rosenheimer Friseursalon für 40 Liter weniger Schadstoffe im Meer.

Der Rohstoff geht niemals aus

„Es ist ein nachwachsender Rohstoff, der uns niemals ausgehen wird und so einen Beitrag zur Umwelt leisten kann“, meint Savina Müller, Mitarbeiterin und Tochter von Renate. Sie war sofort begeistert, als sie von der Aktion erfuhr und möchte das Prinzip gerne auch in der Region umsetzen. Bisher zahlen die beteiligten Friseure 30 Euro im Monat, um die Organisation und den Transport zu finanzieren. „Doch auch wir haben hier genug Flüsse und Seen, wo sich die Filter eignen würden“ betont die 24-Jährige, die auf das Thema bei der Rosenheimer Friseurinnung aufmerksam machen will.

Einen weiteren Schritt in Richtung „Haarreinigung im Chiemsee“ möchte Heike Brembs vom Friseursalon „Haircare“ in Aschau machen. Sie hat die beiden Organisatoren aus Niedersachsen, Emidio Gaudioso und Thomas Keitel, zu sich eingeladen, um das Prinzip direkt vor Ort zu etablieren. „Es wäre schließlich viel sinnvoller, wenn die Haare nicht immer bis nach Südfrankreich transportiert werden müssten,“ meint sie.


„Solche Ideen sind eigentlich immer eine gute Sache“, sagt Innungsobermeister Stefan Mashold auf Anfrage der OVB Heimatzeitungen. Er ist überzeugt, dass es wichtig ist, Themen für die Umwelt in die Köpfe der Menschen zu bringen. Aus diesem Grund möchte er auch die Informationen über die Haarfilter an die Innungsbetriebe weitergeben. „Inwieweit sich das im Landkreis dann durchsetzen wird, lässt sich aber noch schwer sagen,“ meint er.

Einsatz auch im Landkreis denkbar?

Bis sich eine Filterstation in Rosenheim lohnt, braucht es laut Haarcenter Geschäftsführerin Hess-Müller allerdings noch mehr Betriebe, die mitmachen. Sie ruft daher dazu auf, sich an der Aktion zu beteiligen. „Jeder kann etwas tun und gerade dieses Projekt ist wirklich einfach in den Alltag zu integrieren.“ Ihre Mitarbeiter haben sich demnach schnell auf den überschaubaren Aufwand eingestellt. Mehr als ein paar Extrabehälter im Mülltrennungssystem bräuchte es nicht, um die alten Gewohnheiten aufzubrechen.
„Auch die Kunden freuen sich, wenn ich Ihnen erzähle, wo ihre Haare landen,“ berichtet Savina Hess. „Allein daran lässt sich erkennen, wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit nicht nur für uns Friseure jetzt schon ist und in Zukunft noch werden wird.“

Mehr zum Thema