Rosenheim: Wegen Corona muss Hilde Hempel (95) ihre Geburtstagsfeier verschieben

Feiert am Montag ihren 95. Geburtstag:Hilde Hempel aus Rosenheim. privat

Eigentlich wollte Hilde Hempel aus Rosenheim ihren 95. Geburtstag mit der Familie feiern. Doch dann kam ihr Corona dazwischen. Weil sie zur Risikogruppe gehört und in einem Heim wohnt, kann die Familie nur aus der Ferne gratulieren.

Rosenheim – Viel hat sich seit der Corona-Pandemie verändert. Auch für Hilde Hempel. Seit sieben Jahren lebt sie im Seniorenwohnheim in der Küpferlingsstraße in Rosenheim. Feierte schon etliche Geburtstage dort. Im Kreis von Familie und Freunden. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Seit Anfang März gibt es ein Besuchsverbot in Pflege- und Altenheimen. Zu groß ist die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Und so verbringt Hilde Hempel ihren heutigen Geburtstag alleine. Fast.

Balkonkonferenz als Alternative

Denn Tochter Hannelore und Schwiegersohn Roland wollen die Seniorin trotzdem besuchen, zur „Balkonkonferenz“, wie sie es nennen.

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„Das machen wir schon seit einigen Wochen“, sagt Tochter Hannelore. Hilde Hempel steht dann auf ihrem Balkon im ersten Stock, ihre Familie einige Meter weiter unten auf dem Parkplatz. Im sicheren Abstand tauschen sie sich aus, halten den Kontakt aufrecht. Ein kleiner Trost in dieser schwierigen Zeit.

Lehre als Einzelhandelskauffrau

Eine Zeit, die auch Hilde Hempel so noch nicht erlebt hat. Im Alter von 14 Jahren begann die gebürtige Rosenheimerin eine Lehre als Einzelhandelskauffrau. Mit 17 lernte sie ihren späteren Mann Kurt kennen. Ein Sachse, der während des Zweiten Weltkriegs in Stephanskirchen stationiert war. Zwei Jahre später folgte die Heirat, wenig später die Geburt der beiden Töchter Hannelore und Sieglinde.

32 Jahre bei Neckermann tätig

32 Jahre lang arbeitete Hilde Hempel bei Neckermann, verkaufte Fotoapparate und Taschenrechner. Bekannt sei sie gewesen in der Stadt, „auch wegen ihrem trockenen Humor“, sagt Schwiegersohn Roland.

Reisen nach Spanien, in die Türkei und die USA

Als die beiden Kinder aus dem Haus waren, zog es Hilde Hempel in die Ferne. Gemeinsam mit ihrem Mann unternahm sie Reisen nach Spanien, in die Türkei und in die USA. Die beiden gingen oft in die Berge, liebten das gemeinsame Skifahren und waren Mitglied in einer Kegelgruppe.

Sechs Enkel, elf Urenkel

„Leider ist mein Vater schon sehr früh gestorben“, sagt Tochter Hannelore. Gemeinsam hilft sich die Familie durch diese schwere Zeit hindurch. Der Zusammenhalt gibt der Seniorin Kraft. In den folgenden Jahren verbringt sie viel Zeit mit ihren sechs Enkeln und den elf Urenkeln.

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Sie organisiert Busreisen und regelmäßige Treffen mit ihren ehemaligen Schulfreunden. Jeden Morgen liest sie die Zeitung. „Seit 65 Jahren hat sie das OVB schon abonniert“, sagt Schwiegersohn Roland. Auch wenn ihr das Lesen mittlerweile schwerfällt, ist sie immer noch am aktuellen Geschehen interessiert und teilt ihre Zeitung mit den Heimbewohnern.

Umzug ins Seniorenwohnheim vor sieben Jahren

Nach einem Oberschenkelhalsbruch, im Alter von 88, sei der Umzug in die Küpferlingstraße unumgänglich gewesen, sagt Tochter Hannelore. „Aber sie scheint sich wohlzufühlen.“ Regelmäßig stattet sie ihrer Mutter Besuche ab, erzählt von den Enkeln und Urenkeln.

Hoffen auf ein baldiges Wiedersehen

Auch heute wird sie mit ihrem Mann wieder zum Seniorenheim fahren, und mit ihrer Mutter sprechen, die auf ihrem Balkon im ersten Stock steht. Sie werden winken, vielleicht ein Geburtstagsständchen singen und der Zeit entgegenfiebern, in der sie sich endlich wieder in den Arm nehmen können. Anna Heise

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