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Von Studenten der TH Rosenheim entworfen

Warum in Rosenheim ein Basislager des Deutschen Alpenvereins im „Flachland“ gebaut wird

Die feierliche Übergabe des USB-Sticks mit dem fertigen Bauentwurf des JDAV Basecamps der Studenten der Technischen Hochschule.
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Die feierliche Übergabe des USB-Sticks mit dem fertigen Bauentwurf des JDAV Basecamps der Studenten der Technischen Hochschule. Von links: Prof. Dr. Frank Buttinger, Sarah Schnackig, Josef Müller, Jan Wohlers, Prof. Martin Kühfuß und Johannes Knarr
  • VonJulian Baumeister
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Auf dem Mount Everest ist das erste Basecamp in einer Höhe von knapp 5100 Meter. In Rosenheim soll demnächst ein Basislager, das von Studenten entworfen wurde, hinter der Tennishalle an der Pürstlingstraße entstehen. Was seltsam klingen mag, hat einen guten Zweck und einen Grund, der über zehn Jahre zurückgeht.

Rosenheim – Wenn der Deutsche Alpenverein (DAV) ein neues Basislager errichten will, ist daran zunächst nichts Ungewöhnliches. Außergewöhnlich wird es, wenn das Basecamp nicht zwischen Gletscher und schroffen Felsen auf einer Höhe von 5000 Meter entstehen soll, sondern inmitten von Rosenheim zwischen Tennishalle und Keferwald – entworfen von einer Handvoll Studenten. Und das in einer einzigartigen Form.

Gebäude gleicht einem Felsen

Das neue Basecamp der Sektion Rosenheim wird in Zukunft auch nicht Ausgangspunkt für Wander- und Klettertouren im Hochgebirge sein, sondern der Jugendtreff der Alpenvereinssektion werden. Entworfen und geplant wurde das Gebäude, das einem Felsen gleichen soll, von Studenten der Technischen Hochschule Rosenheim aus den Studiengängen Architektur, Innenarchitektur sowie Energie- und Gebäudetechnologie.

„Der Kontakt ist zufällig auf einer Tour des DAV zustande gekommen“, sagt Johannes Knarr, Schriftführer der Sektion Rosenheim und Projektleiter seitens des DAV. Dort habe er Denise Dih, Professorin für Innenarchitektur an der TH, kennengelernt und ihr von dem Wunsch nach einem neuen Jugendtreff erzählt. „Seit zehn Jahren gibts in Rosenheim keinen Treffpunkt mehr für die Jugend des DAV“, sagt Knarr. In der Zwischenzeit hätte es zwar immer mal wieder Ideen gegeben, wie zum Beispiel einen „Bauwagen irgendwo in die Stadt zu stellen“. Diese seien aber jedes Mal verworfen worden.

Der 3D-Entwurf des JDAV-Basecamps in Rosenheim.

Umso besser sei es gewesen, dass Dih die Idee hatte, daraus ein Studentenprojekt zu machen. So begannen die Studenten bereits im vergangenen Wintersemester damit, die ersten Entwürfe zu gestalten und die Anforderungen an einen Bauantrag zu prüfen. Von Abstandsflächen über die Umgestaltung der Grünflächen samt Abwasseranlagen bis hin zur Inneneinrichtung hätten die Studenten alles selbst in die Hand genommen. „Es war beeindruckend mit welcher Leidenschaft sich alle in die neue Materie hineingebissen haben“, sagt Professor Martin Kühfuß, der das Projekt im Sommersemester 2022 übernommen hat.

Umweltfreundliche Bauweise

Immer leicht sei das Projekt, an dem insgesamt rund 20 Studenten beteiligt waren, nicht gewesen. „Vor allem die Zusammenarbeit mit den Baufirmen war spannend. Die ganzen Angebote einholen und zu versuchen, ökologisch und trotzdem kostengünstig zu bauen, das macht man ja normal nicht in der Uni“, sagt Sarah Schnackig, Studentin an der TH.

Die Mühe hat sich aber gelohnt. Am Mittwoch, den 6. Juli, überreichten die Studenten dem Alpenverein den komplett fertigen Entwurf des geplanten Gebäudes hinter der Tennishalle an der Pürstlingstraße. „Wir sind total begeistert. Vor allem wie viel Arbeit die Studenten da hineingesteckt haben“, sagt Josef Müller, Erster Vorsitzender der Sektion Rosenheim. „Hätten wir das geplant, wäre es wahrscheinlich nicht mal ein Gartenhäuschen geworden“, führt er fort und lacht. „Vor allem auf die Idee mit der Form eines Felsen wären wir nie gekommen“, sagt Knarr.

Zudem sei es erfreulich, dass der rund fünf Meter hohe Neubau fast komplett aus Holz gebaut werden soll und an allen Ecken und Enden die Naturverbundenheit zu sehen ist. „Ob das jetzt die Felsenform oder die braun-grüne Küche ist, die an einen Wald erinnert. Überall sieht man den Bezug zu den Bergen“, sagt Knarr. Selbst für den Innenraum haben sich Schnackig und ihre Kollegen etwas Besonderes einfallen lassen. „Die Möbel sind so gestaltet, dass man dort hochklettern kann“, sagt Schnackig. Eine Art Kletterwand im Haus. Sogar die Kleiderhaken für die Garderobe im Eingangsbereich sollen aus Kletterseilen bestehen. „Die Genauigkeit der Umsetzung gepaart mit der Detailverliebtheit ist der Wahnsinn“, sagt Knarr.

Positive Rückmeldung des Bauamts

Bei der Gestaltung des Jugendtreffs wurden auch die Wünsche der Kinder so weit wie möglich berücksichtigt. „Die Kinder sollten malen, wie sie sich das neue Haus vorstellen“, erzählt Jan Wohlers, Jugendreferent des DAV. „Da sind abgefahrene Sachen wie Baumhäuser oder Ähnliches herausgekommen“, sagt Wohlers und lacht. Er freue sich jetzt darauf, dass es bald wieder einen festen Treffpunkt für die Jugend gibt. „Dann müssen auch nicht mehr so viele Jugendstunden bei schlechtem Wetter abgesagt werden, da wir ein Dach über dem Kopf haben“, sagt Wohlers. Ansonsten soll das Gebäude als Seminarraum und Lagermöglichkeit für Ausrüstung dienen.

Bis es soweit ist, muss das Bauamt dem Bauantrag zustimmen. Die ersten Rückmeldungen auf die Bauvoranfrage seien aber sehr positiv gewesen. Allerdings könnten dem Baubeginn laut Bauamt noch ein paar Fledermäuse im Wege stehen. Für die müsse womöglich erst noch eine neue Bleibe gefunden werden.

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