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Fahrten kosten rund 30 Prozent mehr

„Das ist bei meiner Rente zu viel“: Erhöhung der Taxigebühren trifft Kunden in Rosenheim hart

In Rosenheim muss für einen Transport mit dem Taxi seit Juli deutlich mehr bezahlt werden.
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In Rosenheim muss für einen Transport mit dem Taxi seit Juli deutlich mehr bezahlt werden.
  • VonJulian Baumeister
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Wer zum Beispiel mit dem Taxi vom Rosenheimer Herbstfest nachhause fahren möchte, muss nun in Rosenheim deutlich tiefer in die Tasche greifen. Die Fahrten kosten jetzt rund 30 Prozent mehr. Für die Taxiunternehmer aufgrund der aktuellen Krisen ein „Muss“. Doch für manche, die dringend auf das Taxi angewiesen sind, wird die Fahrt nun „unbezahlbar“.

Rosenheim – Die Stadt Rosenheim hat auf Antrag der Rosenheimer Taxiunternehmen zum 15. Juli 2022 die Preise für Taxifahrten erhöht. Um rund 30 Prozent (wir berichteten).

Als Begründung nennen die Unternehmen unter anderem die höheren Anschaffungskosten für Fahrzeuge, die gestiegenen Kraftstoffpreise und die höheren Personalkosten durch die Anhebung des Mindestlohns. Und die Tariferhöhung hat Folgen.

Keine Einigung mit Krankenkassen

Für Therese Mittermayer aus Schechen seien die Fahrten mit dem Taxi nach Rosenheim „lebensnotwendig“, wie sie selbst sagt. Aufgrund einer Krebserkrankung müsse die 81-Jährige fünfmal in der Woche zur Strahlentherapie ins Medizinische Versorgungszentrum am Rosenheimer Klinikum. „Ich kann nicht selbst mit dem Auto fahren, und wenn mich mein Schwiegersohn nicht fahren kann, bin ich auf ein Taxi angewiesen“, sagt Mittermayer. Doch das könne sie sich seit der Erhöhung kaum mehr leisten. „Es ist eine Katastrophe“, sagt Mittermayer, „hin und zurück sind es jedes Mal fast 60 Euro. Das ist bei meiner Rente zu viel.“ Sie wünsche sich, dass ihre Krankenkasse die Kosten übernehme. „Ich schaffe das sonst nicht mehr“, sagt Mittermayer.

Grundsätzlich übernehmen die Krankenkassen die Krankenbeförderungen, die ärztlich angeordnet werden können, „wenn diese zwingend medizinisch notwendig sind“, heißt es auf der Internetseite der AOK. „Unsere Versicherten können selbstverständlich die medizinischen Fahrten in Anspruch nehmen“, betont Helga Leirich, Pressereferentin bei der AOK Bayern.

Allerdings sei es seit der Erhöhung der Taxigebühren in den Vertragsverhandlungen mit den Rosenheimer Taxiunternehmern zu keiner Einigung gekommen. „Es besteht derzeit ein weitgehend vertragsloser Zustand. Das heißt, dass die betreffenden Unternehmen nicht mehr direkt mit uns abrechnen können“, sagt Leirich.

Für Fahrgäste wie Therese Mittermayer bedeutet das, dass die Beförderungsbescheinigungen von den Fahrern in den Taxen nicht mehr akzeptiert werden. Die Fahrten müssen zunächst regulär bezahlt werden. „Wir bedauern sehr, dass unsere Versicherten im Moment in Vorleistung gehen müssen“, sagt die Pressereferentin der AOK. Sie versichere aber, dass die Transportkosten in voller Höhe erstattet würden. Die Rückzahlung soll noch am selben Tag des Eingangs der vollständigen Unterlagen erfolgen, sagt sie.

Gebührenerhöhung für Taxigewerbe „unabdingbar“

Für das Taxigewerbe sei die Erhöhung „unabdingbar“ gewesen, sagt Sonja Neumayr, Inhaberin des Rosenheimer Taxiunternehmens „Neumayr“. „Es wird alles teurer für uns, vor allem auch vermeintlich kleinere Sachen wie Versicherungs- oder Reparaturkosten“, sagt sie. Die Gründe dafür: unter anderem der Krieg in der Ukraine, die hohe Inflation und zum Beispiel der weltweite Rohstoffmangel.

Dadurch seien auch die Anschaffungskosten für Neuwagen stark gestiegen, sagt Paulo Machado, Geschäftsführer des Taxiunternehmens „Inn-Taxi“. „Teilweise werden unsere Bestellungen storniert. Zwei Wochen später kannst du das gleiche Fahrzeug dann für 3000 Euro mehr bestellen“, klagt Machado.

Noch „schmerzhafter“ für ihn seien allerdings die gestiegenen Personalkosten durch die stufenweise Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro ab Oktober. „Die sind um 40 Prozent im Vergleich zur letzten Erhöhung im Jahr 2017 nach oben gegangen“, sagt Machado, der rund 30 Fahrer beschäftigt. „Wir müssen sowieso meist mehr als den Mindestlohn bezahlen, sonst finden wir gar keine Fahrer“, sagt auch Neumayr, „Die müssen sich auch ihre Mieten und die Lebensmittel leisten können.“

Zudem seien die Fahrgastzahlen in den vergangenen Jahren „ziemlich durchwachsen“ gewesen. „Das Neun-Euro-Ticket hat sicher einige von den Taxen weg in die Busse gelockt und Corona war auch nicht so toll“, sagt Machado. Deshalb seien er und seine Kollegen nicht um die Beantragung einer Preisanpassung herumgekommen.

Existenz steht auf dem Spiel

28 der 31 Taxiunternehmen in Rosenheim reichten aus besagten Gründen Ende März bei der Stadt den Antrag zur Änderung der Taxitarifordnung ein. Nach Beratung mit der Industrie- und Handelskammer und dem Landesverband der Bayerischen Taxi- und Mietwagen- Unternehmen sowie mit der Stadt und Landkreis Rosenheim habe man sich auf einen „maßvollen Kompromiss“ bei den neuen Gebühren geeinigt. „Ohne diese Erhöhung hätten einige Kollegen zusperren müssen“, sagt Machado. Vor allem, weil eine Besserung insbesondere bei den „Spritpreisen“ nicht in Sicht sei, sagt er. „Das wird wenn dann noch teurer.“

Und wenn die Kosten weiter stiegen, könne es „fatal“ für die Taxiunternehmen werden, sagt Sonja Neumayr. Im Zweifel müsse sie abwägen, welche Fahrten sie noch anbieten könne. „Da hängt schon mehr daran als nur die Leute von Partys heimfahren zu können“, sagt sie. „Wenn es uns nicht mehr gibt, dann gibt es auch keine Krankenbeförderungen mehr.“

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